Josef zum Goldenen Schwan

Josef (auch: Joseph) zum Goldenen Schwan. Kauf- und Finanzmann. Hoffaktor. † 20.6.1572 Ffm.
J. zum Goldenen Schwan, der nicht mit Joseph Goldschmied zum Pfau zu verwechseln ist, gilt als „der bedeutendste jüdische Finanzmann des 16. Jahrhunderts“ (Alexander Dietz).
Über die Herkunft J.s ist nichts bekannt. Erste Erwähnung 1545 in Tauberbischofsheim. Nachdem er Ende 1547 auf dem Reichstag zu Augsburg erste kleinere Geschäfte mit Ffm. getätigt hatte, erhielt J. 1548 die Ffter Stättigkeit und das Haus zum Goldenen Schwan in der Judengasse. Er präsentierte 1550 ein Empfehlungsschreiben des Herzogs von Alba und einen Schutzbrief Kaiser Karls V. Nach der Belagerung von Ffm. 1552 bemühte er sich am kaiserlichen Hof um die Rückzahlung der Schulden des Kaisers bei der Stadt. Umfangreiche Münzwechselgeschäfte mit dem Rat, Handel mit Textilien und Juwelen. Seit 1556 Judenbaumeister und in Diensten des Nürnberger Bank- und Handelshauses Imhoff. 1560 Großgläubiger von Hans Jakob Fugger. Seit etwa 1562 als eine Art Hoffaktor auch im Dienst des Landgrafen von Hessen. Geschäfte mit den Bankhäusern Paumgartner und Herbrot in Augsburg, den Fürsten Sayn-Wittgenstein und Nassau-Dillenburg, dem Landgrafen von Hessen, Kurköln, Kurtrier und Kurpfalz sowie zahlreichen Adeligen. Um 1565 geriet J. nach den Zahlungseinstellungen von Spanien, Frankreich und den Niederlanden in den Strudel der Bankenkrise; wegen Zahlungsausfällen fälschte er eine Obligation, um sie als Sicherheit zu hinterlegen. 1566, nachdem J. in Zahlungsverzug beim Rat und beim Landgrafen von Hessen gekommen war, kursierten bald Gerüchte über seine Illiquidität und Zweifel an seiner Kreditwürdigkeit. Am 28.8.1567 wurde J. auf Betreiben der Kurpfalz verhaftet. Nach jahrelanger strengster Haft mit Verhören unter Folter starb er am 20.6.1572 im Heiliggeistspital.
J. selbst gab in der Haft die Summe seiner Aktiva mit 162.000 Gulden, seiner Passiva mit 102.000 Gulden an. Wenn diese Angaben stimmten, wäre er mit dem Vermögen von über 60.000 Gulden der reichste Ffter seiner Zeit gewesen.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Roman Fischer.

Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Fischer, Roman: Josef zum Goldenen Schwan und die Fugger. In: AFGK 68 (2002), S. 101-124. | Andernacht, Dietrich: Regesten zur Geschichte der Juden in der Reichsstadt Ffm. von 1520-1616. Aus dem Nachlass hg. v. Helga Andernacht in Verbindung mit dem Institut für Stadtgeschichte Fft. u. dem Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden an der Universität Trier. 2 Teile und ein Registerband. Hannover 2007. (Forschungen zur Geschichte der Juden, Abteilung B: Quellen, Bd. 2).Andernacht: Regesten zur Geschichte d. Juden in Ffm. 1520-1616. | Dietz, Alexander: Ffter Handelsgeschichte. 4 Bde. Ffm. 1910-25, Neudr. 1970-74.Dietz: Handelsgesch. II, S. 5-8; III, S. 211f. | Schnee, Heinrich: Die Hoffinanz und der moderne Staat. Geschichte und System der Hoffaktoren an deutschen Füstenhöfen im Zeitalter des Absolutismus. 6 Bände. Berlin 1953-67.Schnee: Die Hoffinanz u. der moderne Staat 2 (1954), bes. S. 317f. | Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums. 51 Jahrgänge. Ffm. 1962-2012.Cellarius, Helmut: „Ons goed Moyses“. Wilhelm von Oranien und die Juden. Vorkämpfer für Toleranz. In: Tribüne 25 (1986), H. 98, S. 155-164. | Trierische Chronik. Zeitschrift der Gesellschaft für Trierische Geschichte und Denkmalspflege. 10 Jahrgänge. Trier 1816-25. [Zweite Serie.] 2 Bände. Trier 1901/03. Neue Folge. 17 Bände. Trier 1904/05-1920/21. Kentenich, Gottfried: Joseph zum goldenen Schwan. Ein Beitrag zur Geschichte des Trierer Kurfürsten Jakob von Eltz. In: Trierische Chronik NF 17 (1920/21), S. 23f.

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Empfohlene Zitierweise: Fischer, Roman: Josef zum Goldenen Schwan. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/10337

Stand des Artikels: 8.12.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 12.2017.