Bücheler, Franz

Bücheler (auch: Buecheler), Franz Rudolf Karl Christian. Musikpädagoge. Pianist. Komponist. Kabarettist. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 20.12.1904 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 23.7.1987 Ffm.
Zweiter Sohn des Frauenarztes und späteren Sanitätsrats Dr. med. Anton Emil Franz Maria B. (1866-?) und dessen Ehefrau Luise Elisabeth, geb. Schnelle (1873-?). Enkel des Bonner Altphilologen Franz B. (1837-1908). Bruder des Schauspielers Hermann Kurt B. (1915-2004). Verheiratet (seit 1929/30) mit der Harfenistin Hildegard N. N. († 1935).
Besuch der Eschersheimer Real- bzw. der 1919 daraus hervorgegangenen Eschersheimer Oberrealschule, wahrscheinlich bis zum Abitur. Seit dem achten Lebensjahr Klavierunterricht bei Lotti Schrader, Louis Bastheim und Bruno Helberger. Von 1923 bis 1926 Studium an der Orchesterschule der Staatlichen akademischen Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg, und zwar mit dem Hauptfach Schlagzeug, den Nebenfächern Klavier und Klarinette (1923-25) sowie in Musiktheorie und -geschichte. Von 1926 bis 1927 Tätigkeit als Musiklehrer und Klavierbegleiter in der Compagnie der Tanzpädagogin Elizabeth Duncan, der Schwester der Tänzerin Isadora Duncan, in deren Tanzschule im Schloss Kleßheim bei Salzburg. Seit 1927 Studium in Komposition bei Bernhard Sekles und Klavier bei Eduard Jung sowie Ausbildung in Musikpädagogik an Dr. Hoch’s Konservatorium in Ffm. 1930 Examen und seitdem Tätigkeit als staatlich geprüfter Privatmusiklehrer für Klavier in Ffm. Um 1930 Mitarbeit bei der Veranstaltung einer oder einiger Revuen, u. a. zusammen mit Eberhard Beckmann zugunsten des Roten Kreuzes. Seit 1932 Mitglied im Ensemble des neu gegründeten Porza-Kabaretts im Steinernen Haus unter der Leitung von Kurt Reiss, zuständig für Musik und Klavierbegleitung. Über B.s Leben und Wirken in der NS-Zeit ist bisher wenig bekannt. Die Arbeit am Porza-Kabarett endete nach B.s eigenen Angaben bereits 1933. In den Ffter Adressbüchern ist B. durchgängig bis 1943, also bis zum letzten Band vor der kriegsbedingten Erscheinungspause, als Musiklehrer verzeichnet. 1935 wurde das von ihm verfasste Melodram „Die friedlose Wanderschaft“ im Palmengarten aufgeführt. Vermutlich war er zumindest gegen Kriegsende zum Kriegsdienst eingezogen. Laut eigenen Berichten (vgl. FR, 23.1.1982) kehrte er 1945 aus der sowjetisch besetzten Zone nach Ffm. zurück, „geschwächt und krank, mit nicht viel mehr als ein paar Kompositionen unter dem Arm“, u. a. einer „Ukrainischen Suite“, die später in Ffm. aufgeführt wurde. Seit 1945 freie Mitarbeit bei Radio Fft. bzw. dem daraus hervorgegangenen Hessischen Rundfunk, u. a. als Komponist von Hörspielmusiken (etwa für „Der Soldat Tanaka“ von Georg Kaiser, Bearbeitung und Regie: Theodor Steiner, ES: 23.11.1953). Auftritte als Konzertbegleiter und beim Kabarett (u. a. mit Dodo van Doeren bei der Ffter Kunstgemeinde, 1949/50) in Ffm. in den ersten Nachkriegsjahren. Wiederaufnahme der Tätigkeit als privater Musikpädagoge in seiner Wohnung in Ffm.-Bockenheim, Sophienstraße 6 (mit Unterrichtserlaubnisschein als Lehrer für Klavier, Korrepetition, Theorie, Komposition und Improvisation vom 8.2.1950). Tätigkeit als Klavierbegleiter in der um 1950 eröffneten Ballett- und Tanzschule von Waltraud Luley. Um 1970 Begegnung mit dem Komponisten Janko Jezovšek und 1972 Mitwirkung bei den ersten Lauterbacher Musiktagen. Seitdem wieder öffentliche Auftritte, u. a. mit einer selbstkonzipierten Konzertreihe „Gemischter Musiksalat“ in der Ffter Peterskirche (um 1979) und einer eigenen Radiosendung „Randbemerkungen“ beim HR, sowie Schallplattenaufnahmen („Sang und Klang“, LP mit Chansons und Gedichten nebst einem „Bücheler-Büchlein“, 1974/78). B.s Ffter Konzerte, bei denen er als Alleinunterhalter, Pianist und Rezitator die Grenzüberschreitung zwischen E- und U-Musik wagte, wurden von der Presse gelobt als „literarisch-musikalische Ereignisse, die eine an Sache und Person interessierte, begeisterungsfähige Hörergemeinde anziehen“ (FAZ, 9.1.1982). Seinen letzten Auftritt hatte B. im Oktober 1982 in der Markuskirche in Ffm.
Der große Durchbruch als Komponist und Pianist gelang B. nicht. Nach eigener Aussage habe es ihm dazu an Fleiß und Disziplin gefehlt: Eine Karriere wäre ihm zu ernst geworden. Ernst war ihm aber immer nur das Spiel, die Improvisation, in die er sich rettete, um seine Empfindsamkeit zu verbergen. (Vgl. FR, 23.1.1982, und FAZ, 30.7.1987.) Aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Musikpädagoge, insbesondere als Klavierlehrer, war B. jedoch durch das weitere Wirken seiner Schüler überregional, über Ffm. hinaus, bekannt.
Mitbegründer (1955) und Erster Vorsitzender (1955-57) des Vereins „Gebende Hände“ zur Unterstützung freischaffender Künstler, aus dem später (1979) der Ffter Künstlerclub hervorging.
Zahlreiche, teilweise unveröffentlichte Kompositionen, darunter Orchesterwerke, Kammermusiken und Kirchenkantaten, u. a. eine „Serenade für Streicher“ (Aufnahme durch den HR um 1950), die zwölftonige Komposition „Allintervallreihe“ (1960), „Zwei Miniaturen für Querflöte solo“, „Kleine Studie für vier Flöten“ (im Druck 1979) und eine „Phantasie für Orgel und Fabriksirenen“, sowie die Vertonung der „Entstehung des Buches Taoteking“ nach Brecht, viele Chansons und Schlagerparodien.
Bestattet auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann B 708).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Kurzgefaßtes Tonkünstler-Lexikon. Begr. v. Paul Frank [d. i. Carl Wilhelm Merseburger]. Neu bearb. u. erg. v. Wilhelm Altmann. Fortgeführt v. Burchard Bulling, Florian Noetzel u. Helmut Rösner. 15. Aufl. 3 Bde. Wilhelmshaven 1971-78.Frank/Altmann: Tonkünstler-Lex. 2.1 (1974), S. 97. | Kallmorgen, Wilhelm: 700 Jahre Heilkunde in Ffm. Ffm. 1936.Kurzbiographie des Vaters Anton Buecheler in: Kallmorgen, S. 233f.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.bli: Ffter Gesichter: Franz Bücheler. In: FAZ, 9.1.1982. | Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Kohlhaas, Ellen: Ernst war ihm nur Spiel. Zum Tode des Ffter Pianisten und Komponisten Franz Bücheler. In: FAZ, 30.7.1987. | Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.Loewy, Hanno: „Bei mir hat sich alles ins Geistige vergeistigt“. Die „friedlose Wanderschaft“ des Ffter Komponisten Franz Bücheler. In: FR, 23.1.1982. | ISG, Archiv des Ffter Künstlerclubs (vorm. „Gebende Hände e. V.“), 1955-2005.ISG, Ffter Künstlerclub, V115/1 (Allgemeines, u. a. zur Gründung, 1955-64). | ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“), ca. 1870-1930.Meldekarte der Eltern in: ISG, Nullkartei. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.248 (Kurt Buecheler). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/10.509. | ISG, Aktenbestand des städtischen Schulamts, 1822-1979.ISG, Schulamt 7.162 (Buecheler, Franz, Privatunterricht in Klavier, Korrepetition, Komposition, Theorie und Improvisation, 1950).
Internet: ARD-Hörspieldatenbank, Herausgeber: Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv (DRA), Ffm./Potsdam-Babelsberg. http://hoerspiele.dra.de/vollinfo.php?dukey=1542722&vi=73&SID - http://hoerspiele.dra.de/vollinfo.php?dukey=1381325&vi=69&SID -
Hinweis: Datenbankeinträge zu den Hörspielen „Der blonde Engel“ (1949) und „Der Soldat Tanaka“ (1953).
ARD-Hörspieldatenbank, 29.3.2018.


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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Bücheler, Franz. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/10395

Stand des Artikels: 1.5.2018
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2018.