Frankenstein, Johann(es) Carl von

Fürstbischof von Worms von 1683 bis 1691.

Frankenstein (auch: Franckenstein), Johann(es) Carl (auch: Karl) Freiherr von und zu. Geistlicher. * 1610 Burg Frankenstein, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 29.9.1691 Ffm.
Stammte aus einer reichsritterschaftlichen Familie, die auf der gleichnamigen Burg in Eberstadt bei Darmstadt ansässig war.
Studierte 1629 in Köln und 1630 in Freiburg die Rechte, wurde 1630 Mainzer Kammerjunker, 1647 Kurfürstlich Mainzischer Rat zu Lohr und Forstmeister im Spessart. Erst spät schlug F. die geistliche Laufbahn ein: 1654 wurde er Domizellar, später Kapitular und Kustos in Worms. Daneben besaß er Kanonikate in den Ritterstiften St. Burkard in Würzburg, Wimpfen und Bleidenstadt. 1683 wurde er zum Bischof von Worms gewählt, jedoch, weil er nicht graduiert war, erst 1688 vom Papst bestätigt. Als am 31.5.1689 Worms im Pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen niedergebrannt wurde, musste F. fliehen und wandte sich nach Ffm., wo er im Frankensteiner Hof in Sachsenhausen Zuflucht fand. (Das Wormser Domkapitel kam in Ffm. in den Räumen des Johanniterordens unter; auch der reichsstädtische Magistrat und viele Bürger hatten sich von Worms nach Ffm. geflüchtet.) Hier starb F. am 29.9.1691 und erhielt ein prachtvolles Grabdenkmal im Dom, ursprünglich im Südquerhaus, heute im nördlichen Seitenschiff. Das barocke Epitaph zeigt den Bischof als Porträtfigur in einer wohl sehr lebensnahen Darstellung: Tatsächlich war F. recht korpulent und ziemlich klein (nur knapp über 1,50 Meter), weshalb er Schuhe mit hohen Plateausohlen trug, wie 1991/93 entdeckte Funde im Bodengrab belegen. Laut seiner Grabinschrift hatte F. zwei von seinen Vorfahren gestiftete Altäre im Dom erneuern lassen, darunter 1678 den einst von Rudolf von Sachsenhausen gestifteten Bartholomäusaltar, von dem sich das Altarblatt mit einer Darstellung der Schindung des hl. Bartholomäus (von Oswald Onghers, 1670) erhalten hat (heute an der Westwand des nördlichen Seitenschiffs).
F.s Urgroßonkel Rudolf von F. (1523-1560) war Fürstbischof von Speyer (1552-60), sein Großneffe Johann Philipp Anton von F. (1695-1753) Fürstbischof von Bamberg (1746-53).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Roman Fischer.

Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 160.
Literatur:
                        
Gatz, Erwin (Hg.): Die Bischöfe des Heiligen Römischen Reiches. 1648 bis 1803. Ein biographisches Lexikon. Unter Mitwirkung v. Stephan M. Janker. Berlin 1990.Gatz (Hg.): Bischöfe 1648-1803, S. 121f. | Jürgensmeier, Friedhelm (Hg.): Das Bistum Worms. Von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801. Würzburg 1997. (Beiträge zur Mainzer Kirchengeschichte 5).Jürgensmeier (Hg.): Das Bistum Worms 1997, S. 219-224. | Weerth, Elsbeth de: Die Ausstattung des Ffter Domes. Hg. vom Bischöflichen Ordinariat des Bistums Limburg. Im Auftrag des Denkmalamtes der Stadt Ffm. bearb. (...). Ffm. 1999.Weerth: Ausstattung des Ffter Domes 1999, S. 132, Nr. G/4; S. 180f., Nr. H/12; S. 230-232, Nr. I/30; S. 264, Nr. e/9.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Karl_von_und_zu_Franckenstein_(Bischof)Wikipedia, 9.3.2018.

GND: 11897128X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2018 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Fischer, Roman: Frankenstein, Johann(es) Carl von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/10401

Stand des Artikels: 10.3.2018
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2018.