Neuerscheinungen vom 10. November 2018

Einleitung: 

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,

der November meldet sich mit dem monatsüblichen Regen. Nach der langen Trockenheit in diesem Jahr nimmt man das erleichtert, vielleicht sogar erfreut und wohl kaum kommentarlos auf. Immer und überall, nicht nur in diesem Editorial hier, wird gern übers Wetter gesprochen. Und das hat sein Gutes – auch für die Geschichtsforschung.
Anhand von Informationen über das Wetter ließ sich beispielsweise ein großer Augenblick in der Physikgeschichte genau datieren. Nachdem den Physikern Otto Stern und Walther Gerlach in einer Februarnacht 1922 im Institut für Theoretische Physik in Frankfurt der erste Nachweis der Richtungsquantelung gelungen war, begann „ein herrlicher Morgen“, mit „Kaltlufteinbruch und Neuschnee“, wie es einer von Gerlachs Doktoranden in seinen Erinnerungen detailliert beschrieben hat. Durch den Vergleich mit meteorologischen Aufzeichnungen konnten der Physiker Horst Schmidt-Böcking und die Wissenschaftshistorikerin Karin Reich den historischen Tag – oder vielmehr: die historische Nacht des „Stern-Gerlach-Experiments“ bestimmen. Von dem wegweisenden Physiker Otto Stern und seiner Frankfurter Zeit handelt diesmal der Artikel des Monats.

Artikel des Monats November 2018:
Bahnbrechende Experimente in Bockenheim

Er wirkte nur drei Jahre in Frankfurt und hat hier doch Physikgeschichte geschrieben: Otto Stern. Im Februar 1919 kam der damals 31-jährige Physiker, zunächst als Privatdozent, an das Physikalische Institut der Frankfurter Universität. Dort, im Institutsgebäude in der Robert-Mayer-Straße 32 in Bockenheim, widmete er sich vorrangig der experimentellen Physik und entwickelte zunächst die Grundlagen der Molekularstrahlmethode. Damit konnten erstmals einzelne Atome vermessen werden. In der Nacht vom 7. auf den 8. Februar 1922 glückte Stern und seinem Kollegen Walther Gerlach das später nach ihnen benannte „Stern-Gerlach-Experiment“, mit dem nachgewiesen werden konnte, dass sich Atome zum Magnetfeld in einem bestimmten Winkel ausrichten („Richtungsquantelung“). Das Ereignis markiert den experimentellen Beginn der modernen Quantenphysik. Auf Sterns Forschungsergebnissen basieren etwa die Erfindung der Atomuhr, die Kernspintomografie und die Lasertechnologie.
Vermutlich aufgrund antisemitischer Anfeindungen erhielt Stern, inzwischen Extraordinarius, keine ordentliche Professur in Frankfurt. Er wechselte daher über Rostock 1923 nach Hamburg. 1933 in die USA emigriert, wurde Otto Stern 1943 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, ausdrücklich für die Molekularstrahlmethode, die er seinerzeit in Frankfurt entwickelt hatte.
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Schluss: 

Neu im November sind auch die außergewöhnliche und vielseitige Künstlerin Julia Virginia Scheuermann, die heute zu Unrecht fast vergessen ist, der Bildhauer Arnold Hensler, der mit seinen Werken in den Kirchen des „Neuen Frankfurt“ präsent ist, und der Konzertveranstalter Horst Lippmann, mit dem das Duo Lippmann + Rau im Frankfurter Personenlexikon komplett ist. So lässt sich der nasse November bei interessanter Lektüre überstehen, ohne dass doch der Blues kommt…
Es sei denn, Sie sind immer noch mit dem Abhören Ihrer alten Schallplatten beschäftigt, wie im vergangenen Monat empfohlen. Da könnte der Blues schon mal drin beziehungsweise drauf sein.

Der Tag der schlechten Wortspiele (am 12. November) naht, und bevor ich mich weiter hinreißen lasse, darauf hinzuarbeiten, mache ich lieber Schluss für heute.

Einstweilen wünscht Ihnen
eine gute Zeit bei jedem Wetter
Sabine Hock
Chefredakteurin des Frankfurter Personenlexikons

P. S. Die nächste Artikellieferung erscheint am 10. Dezember 2018.