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Tritschler, Alfred

Kleinbildfotograf.

Alfred Tritschler

Alfred Tritschler
Fotografie (im Besitz des Historischen Bildarchivs Dr. Paul Wolff & Tritschler).

© Dr. Paul Wolff & Tritschler, Historisches Bildarchiv, Offenburg.
Tritschler, Alfred. Fotograf. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 12.6.1905 Offenburg/Baden, † 31.12.1970 Offenberg/Bayerischer Wald.
Ausbildung zum Fotografen in Offenburg (1921-24) und München (1924-25). Von der Kinotechnischen Abteilung der Höheren Fachschule für Phototechnik in München wechselte T. in das Versuchslaboratorium der UFA in Babelsberg, wo er auch die neu entwickelte Kleinbildkamera Leica kennenlernte. 1927 trat T. als Mitarbeiter in die Ffter Fotoagentur von Paul Wolff ein, dessen Teilhaber er 1934 wurde. In den Dreißigerjahren entwickelte sich die Firma unter dem Namen „Dr. Wolff & Tritschler OHG“ (seit 1937) zu einem der führenden Unternehmen der Fotobranche, insbesondere der Industrie- und Werbefotografie, in Deutschland. T. spezialisierte sich vor allem auf die Industrie- und Landschaftsfotografie. Auf der ersten Südamerikafahrt des Luftschiffs LZ 129 „Hindenburg“ (von Friedrichshafen nach Rio de Janeiro, 1936) war er als Bildreporter an Bord, und für eine der zahlreichen Werbereportagen über Prototypen neuer Automobile, die die Firma Dr. Wolff & T. lieferte, fuhr er kurz darauf mit einem Opel Olympia nach Olympia, um das Entzünden des olympischen Feuers und den Fackellauf nach Berlin mit der Kamera zu begleiten (vgl. den Bildband „Griechenland im Auto erlebt“, Text: Carl Tonio Wiskott, 1936). In enger Zusammenarbeit von Paul Wolff und Alfred T. entstanden in den nächsten Jahren u. a. die Fotobände „Was ich bei den Olympischen Spielen 1936 sah“ (1936), „Im Kraftfeld von Rüsselsheim“ (der erste Industriebildband in Farbe, 1939/40) und „Meine Erfahrungen... farbig“ (1942). Seit 1939 Kriegsdienst als Bildberichterstatter bei der Propagandakompanie (PK) in Frankreich, Afrika und Russland, wobei er u. a. mit „Spezialeinsätzen für farbige Symbolbilder“ betraut wurde. 1944 Zerstörung von T.s Haus in Ffm.-Ginnheim bei einem Luftangriff; dabei kam seine erste Ehefrau Hägeli, die bei zahlreichen Aufnahmeserien als Modell gedient hatte, ums Leben. 1945 Rückkehr nach Offenburg. 1946 zog T. nach Braunfels/Lahn, wo Wolff provisorisch mit der Firma und dem teilweise erhaltenen Archiv untergekommen war. Seit der Währungsreform 1948 erhielt die Firma wieder Industrieaufträge, die hauptsächlich von T. übernommen wurden. Nach dem Tod von Paul Wolff 1951 führte T. die Firma fort, zunächst mit dem Fotografen Kurt Röhrig als Teilhaber (bis 1953), dann mit seinem Neffen Robert Sommer als kaufmännischem Leiter (bereits seit 1951/52) und Teilhaber (seit 1953). 1954 verlegte T. den Betrieb endgültig nach Ffm. zurück. Weiterhin war er als Industriefotograf tätig (u. a. „Unser Schicksal: Die deutsche Industrie“, Text: Heinrich Hauser, 1952; „Schwarzes Brot“ und „Bergleute“, Bildbände für den Eschweiler Bergwerks-Verein, 1958/61); außerdem arbeitete er im Auftrag u. a. für die Kurverwaltungen in Wiesbaden, Rothenburg/Tauber und Bad Kreuznach sowie die Stadt Köln und die Firma Leitz (Fotoreise auf See mit der „Pollux“ von Hamburg über Belgien und Gibraltar nach Spanien und zurück, 1957). Zum 30.6.1963 schied T. aus der Firma aus, die seitdem sein Neffe Robert Sommer allein weiterführte. Der Senior blieb jedoch der Firma als freier Mitarbeiter bis zu seinem Tod verbunden.
Seit 1935 Mitglied der Gesellschaft Deutscher Lichtbildner e. V. (GDL).
Zahlreiche Bildbände, u. a. eine Fotodokumentation über den Volkswagen („Kleiner Wagen in großer Fahrt“, Text: Heinz Todtmann, erschienen im Verlag von Franz Burda, 1949; Neuausgabe 2001), „Schönheit am Wege“ (mit Paul Wolff, Text: Erich Walch, 1949), „Der Dom zu Aachen“ (Text: Hermann Schnitzler, 1950) und „Tochter Europas Düsseldorf“ (Text: Heinrich Hauser, 1951).
1972 wurde die Firma Dr. Paul Wolff & T. von Ffm. nach Offenburg verlegt. Unter der Leitung von Robert Sommers Sohn Thomas (seit 1979) besteht sie als Historisches Bildarchiv (mit etwa 500.000 erhaltenen Kleinbildnegativen, 1927-70) fort. Sie gilt als eines der bedeutendsten deutschen Bildarchive für die Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 485f., verfasst von: Reinhard Frost.

Literatur:
                        
Brockhoff, Evelyn (Hg.): Das Institut für Stadtgeschichte. Seit 1436 das Gedächtnis Fft.s. Im Auftrag u. m. Unterstützung d. Dezernats für Kultur und Wissenschaft der Stadt Ffm., Institut für Stadtgechichte. Wiesbaden 2013.Picard, Tobias: Foto und Film im Institut für Stadtgeschichte. Dr. Paul Wolff & Tritschler. In: Brockhoff (Hg.): Institut für Stadtgeschichte 2013, S. 187-189 (m. Anm. auf S. 198). | Heiting, Manfred/Jaeger, Roland (Hg.): Autopsie. Deutschsprachige Fotobücher 1918 bis 1945. 2 Bde. Göttingen 2012/14.Heiting/Jaeger (Hg.): Fotobücher 1 (2012), S. 449 u. ö. | Heiting, Manfred/Jaeger, Roland (Hg.): Autopsie. Deutschsprachige Fotobücher 1918 bis 1945. 2 Bde. Göttingen 2012/14.Koch, Hanna: Erfahrungen mit der Leica. Fotobücher von Dr. Paul Wolff & Tritschler. In: Heiting/Jaeger (Hg.): Fotobücher 2 (2014), S. 446-475; vgl. in diesem Band auch S. 417, 523, 526, 634 u. ö. | Koetzle, Hans-Michael (Hg.): Augen auf! 100 Jahre Leica. Heidelberg/Berlin 2014.Koetzle (Hg.): 100 Jahre Leica 2014, S. 59-61, 131, 148, 539 u. ö. | Koetzle, Hans-Michael: Dr. Paul Wolff. „Der Mann war einfach ein Begriff“. In: Leica World I/2001, S. 11-19 (Interview mit Thomas Sommer, Leiter des Historischen Bildarchivs Dr. Paul Wolff & Tritschler).Koetzle: Interview m. Thomas Sommer, Hist. Bildarchiv Dr. Paul Wolff & Tritschler, 2001. | Quiring, Claudia/Voigt, Wolfgang/Cachola Schmal, Peter/Herrel, Eckhard (Hg.): Ernst May 1886-1970. München/London/New York 2011.Stöneberg, Michael: Durch Mattscheibe und Sucher. Die Fotografinnen und Fotografen des Neuen Fft. In: Quiring u. a. (Hg.): Ernst May 2011, S. 81f. (m. Anm. auf S. 88).
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/7.126; darin u. a.: Biographie von Alfred Tritschler, verfasst von Thomas Sommer, 2004.
Internet: Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, Leipzig/Ffm. http://d-nb.info/gnd/118117548/about/html
Hinweis: Für den Artikel wurden die Listen der Publikationen im GND-Eintrag zu Alfred Tritschler ausgewertet.
DNB (Katalog), 25.7.2014.
| Web-Katalog der Ffter Museumsbibliotheken. http://www.museumsbibliotheken.frankfurt.de/verbund
Hinweis: Für den Artikel wurden die Trefferlisten ausgewertet, die sich bei Eingabe des Suchbegriffs „Tritschler“ in die Suchfelder „Verfasser“ bzw. „Stichwort“ ergeben haben.
Ffter Museumsbibliotheken (Katalog), 25.7.2014.
| Bibliotheksportal der UB Ffm. (mit Katalogen, digitalen Sammlungen, Online-Publikationen u. a.). https://hds.hebis.de/ubffm/index.php
Hinweis: Für den Artikel wurden die Treffer ausgewertet, die nach Eingabe von „Tritschler Alfred“ in das Suchfeld der einfachen Suche angezeigt wurden.
UB Ffm., 25.7.2014.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_TritschlerWikipedia, 25.7.2014. | Dr. Paul Wolff & Tritschler, Historisches Bildarchiv, Offenburg. www.drwolffundtritschler.de.tl/Alfred-Tritschler.htm - www.drwolffundtritschler.de.tl/Biographie-Alfred-Tritschler.htm - Wolff & Tritschler, 27.1.2012.

GND: 118117548 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Tritschler, Alfred. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1194

Stand des Artikels: 6.8.2014
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2014.