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Telemann, Georg Philipp

Städtischer Kirchenmusikdirektor in Ffm. von 1712 bis 1721.

Georg Philipp Telemann

Georg Philipp Telemann
Aquatinta von Valentin Daniel Preisler nach einem verschollenen Gemälde von Ludwig Michael Schneider (1750; im Besitz des HMF).

© Institut für Stadtgeschichte (Sign. ISG_S7P_14323) / Historisches Museum (Sign. HMF C6135), Ffm.
Telemann, Georg Philipp. Komponist. * 14.3.1681 Magdeburg, † 25.6.1767 Hamburg.
Aus einer evangelischen Pfarrerfamilie stammend, besuchte T. in seiner Heimatstadt das Altstädter Gymnasium und die Domschule, wo er sich eine umfassende Allgemeinbildung aneignete. Da sein frühes Interesse für die Musik, in der er als Autodidakt bemerkenswerte Fähigkeiten zeigte, die Familie um die bürgerliche Karriere fürchten ließ, wurde T. 1693 oder 1694 zum weiteren Schulbesuch in das abgelegene Harzstädtchen Zellerfeld in die Obhut des Superintendenten Caspar Calvör gegeben; hier setzte er jedoch sein Instrumentenspiel und sein musikalisches Selbststudium fort. 1697 oder 1698 wechselte er nach Hildesheim in das berühmte Gymnasium Andreanum. Durch den dortigen Rektor wurden seine musikalischen Anlagen weiter gefördert; er durfte den Kantor an St. Godehard vertreten und nahm in Braunschweig und Hannover an höfischen Opernaufführungen teil. Etwa 1701 kehrte T. nach Magdeburg zurück, legte sein Examen ab und machte sich auf den Weg nach Leipzig, um dort Jura zu studieren. Unterwegs schloss er in Halle Freundschaft mit dem jüngeren Georg Friedrich Händel. In Leipzig erlebte T. bald seinen künstlerischen Durchbruch: Er erhielt von der Stadt den Auftrag, regelmäßig Kantaten für die Thomaskirche zu komponieren, und gründete ein studentisches Collegium musicum, das öffentliche Konzerte veranstaltete. 1702 übernahm er auch die Leitung der 1693 eröffneten Oper am Brühl, und 1704 wurde er überdies zum Organisten an der Neuen Kirche ernannt. 1705 wurde T. als Hofkapellmeister an den Hof von Erdmann II. Reichsgraf von Promnitz nach Sorau berufen, von wo er jedoch schon 1706 vor den Wirren des Nordischen Krieges nach Eisenach floh. Hier erhielt er eine Anstellung als Konzertmeister der herzoglichen Hofkapelle und lernte Johann Sebastian Bach kennen, der in vergleichbarer Position in Weimar wirkte; für dessen zweiten Sohn Carl Philipp Emanuel übernahm er die Patenstelle.
1712 bewarb sich T. um die Stelle eines städtischen Kirchenmusikdirektors in Ffm. und erhielt am 9.2.1712 seinen Dienstbrief (Original im ISG). Ein höher dotiertes Angebot an den Hof von August dem Starken in Dresden lehnte er ab, weil er sich lieber in einer „Republik“ niederlassen wollte als an einem Hof. Seine Aufgabe bestand zunächst in der Gestaltung der Kirchenmusik in der Barfüßerkirche, der evangelischen Hauptkirche der Stadt, für die er jeden Sonntag eine Kantate zu schreiben hatte; darüber hinaus musste er zahlreiche Gelegenheitsmusiken für städtische und kirchliche Feste komponieren sowie sechs bis acht Knaben privat im Gesang ausbilden. Jedoch hatte er keine Dienste als Schulkantor wahrzunehmen. Daneben leitete er noch die Kirchenmusik an der Katharinenkirche und trat in die Dienste der Patriziergesellschaft Frauenstein, für die er als Sekretär, Vermögens- und Hausverwalter sowie Veranstalter eines Tabakskollegiums wirkte, wodurch er nicht unerhebliche Nebeneinkünfte erzielte. Einige Mitglieder der Gesellschaft Frauenstein waren auch Teilnehmer des Collegium musicum, das T. neu belebte und mit dem er regelmäßig öffentlich konzertierte. Damit gilt er als Begründer des Ffter Konzertlebens. 1714 erwarb er das Ffter Bürgerrecht und heiratete Maria Catharina Textor (1697-1775), die (nicht mit Goethe verwandte) Tochter des Kornschreibers Andreas Textor (1671-1737), mit der er neun Kinder hatte, davon sechs in den Ffter Jahren.
1717 schlug T. ein Angebot, wieder als Kapellmeister in die Dienste des Herzogs von Sachsen-Gotha zu treten, aus, nachdem seine Ffter Besoldung aufgebessert worden war. Im gleichen Jahr wurde er zum Sachsen-Eisenachischen Kapellmeister von Haus aus ernannt, mit der Auflage, alle zwei Jahre einen neuen Jahrgang Kirchenmusik, die „ordinare Tafel-Music“ sowie Musik für Geburtstage und besondere Feierlichkeiten zu komponieren. Auch zum Darmstädter Hof unterhielt er enge Verbindungen: Er setzte die dortigen Musiker bei Ffter Konzerten ein und komponierte Kammermusik für den Landgrafen, der sogar persönlich zu Aufführungen von T.s Werken nach Ffm. kam. 1721 folgte T. einem Ruf nach Hamburg, um als Nachfolger von Joachim Gerstenbüttel Kantor am Johanneum und Musikdirektor der fünf Hauptkirchen zu werden. Zur Sicherheit für seine Familie behielt er jedoch das Ffter Bürgerrecht bei, wofür er als Gegenleistung alle drei Jahre einen kompletten Kantatenjahrgang für die Ffter Barfüßerkirche zu komponieren hatte. 1722 bewarb sich T. nach dem Tod von Joachim Kuhnau um die Stelle des Thomaskantors in Leipzig, zog aber seine Bewerbung zurück, nachdem man seine Position in Hamburg verbessert hatte. Er übernahm die Leitung der Oper am Gänsemarkt und begründete durch zahlreiche öffentliche Aufführungen das Hamburger Konzertleben. In den folgenden Jahrzehnten entstanden die Kompositionszyklen, die T. im Druck verbreiten ließ und seinen europäischen Ruhm begründeten.
Nur einmal kehrte T. nach Süddeutschland zurück: 1727 besuchte er seinen alten Freund und Briefpartner Johann Friedrich Uffenbach in Ffm. und reiste mit diesem in den Odenwald weiter, zu Friedrich Carl Graf zu Erbach, der T. zu seinem Kompositionslehrer erwählt hatte. Das Reichsgebiet verließ T., außer zu einer Reise nach Paris 1737/38, niemals.
T.s Ffter Jahre gehörten zu der produktivsten Zeit seines Lebens; unter seinen Ffter Werken sind neben den fünf Kantatenjahrgängen besonders die „Brockes-Passion“, die Orchestersuite „La Bourse“, die Festmusiken und die kammermusikalischen Werke zu nennen.
Die größte Sammlung von T.-Kantaten überhaupt (mit ca. 800 Werken) befindet sich in der UB Ffm.
Ffter T.-Gesellschaft, gegründet 1992 zur „Erforschung und Erschließung des Lebens, des Werks und der Wirkung Georg Philipp T.s, vor allem in Ffm.“, sowie „zur Förderung des künstlerischen Nachwuchses“.
T.straße im Westend.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 461f., verfasst von: Roman Fischer (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Roman Fischer).

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Robert Eitner in: ADB 37 (1894), S. 552-555. | Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Unter Mitarb. zahlreicher Musikforscher (...) hg. v. Friedrich Blume. 17 Bde. Kassel/Basel 1949-86. Neuausgabe (2., völlig überarb. Aufl.): Hg. v. Ludwig Finscher. 10 Bde. (Sachteil), 18 Bde. (Personenteil) und ein Supplementband. Kassel/Stuttgart 1994-2008.Laurenz Lütteken in: MGG, 2. Aufl., Personenteil 16 (2006), Sp. 585-674. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 593. | Schaefer, Hartmut: Komponisten in Ffm. Ausstellungskataloge der Stadt- und Universitätsbibliothek. 2 Folgen. Ffm. 1979/81.Schaefer: Komponisten 1 (1979), S. 10-15. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 249.
Literatur:
                        
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Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/64.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/pnd/11862119XHess. Biografie, 11.6.2015. | Das Kulturportal der Stadt Ffm., Bereich Musik, Komponistinnen und Komponisten in Ffm., hg. vom Kulturamt der Stadt Ffm. http://www.kultur-frankfurt.de/portal/de/Musik/Telemann2cGeorgPhilipp1681-1767/2434/0/74238/mod1981-seite2-details1/5.aspxKomponistinnen u. Komponisten in Ffm., 17.2.2015. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Philipp_TelemannWikipedia, 11.6.2015.

GND: 11862119X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Fischer, Roman: Telemann, Georg Philipp. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1445

Stand des Artikels: 18.6.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2015.