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Hendschel, Albert

Albert Hendschel

Albert Hendschel
Stich von Adolf Neumann (aus „Die Gartenlaube“ 1872, H. 17, S. 273).

© entfällt. Diese Abbildung ist gemeinfrei.
Hendschel, Albert Louis Ulrich. Maler und Zeichner. Radierer. * 8.6.1834 Ffm., † 22.10.1883 Ffm.
Zweiter Sohn des aus Regensburg kommenden Fürstlich Thurn und Taxis’schen General-Postdirektions-Sekretärs Ulrich Friedrich H. (1804-1862) und dessen Ehefrau Therese Julie Albertine, geb. Kaiser († 1863). Aus der Ehe stammten insgesamt sechs Söhne (von denen einer als Säugling starb) und eine Tochter.
Der Vater, Kartograf, Kunstliebhaber und Hobbymaler, brachte ab 1844 einen „Eisenbahn-Atlas von Deutschland, Belgien und dem Elsass“ heraus, das erste deutsche Eisenbahnkursbuch, dem er wahrscheinlich ab 1847 den Titel „H.’s Telegraph“ gab, und kam damit zu Ansehen und Wohlstand. Der Sohn Emil Heinrich Ulrich H. (1835-1909), ein jüngerer Bruder von Albert H., setzte nach dem Tod des Vaters 1862 das Reisekursbuch unter dem eingeführten Titel fort, das dann bis 1930 – zuletzt allerdings nicht mehr unter familiärer Beteiligung – regelmäßig erschien. Der jüngste Bruder von Albert H., Ottmar Ulrich H. (1845-1925), wurde nach anfänglicher kaufmännischer Tätigkeit auch zum Kunstmaler; er wurde an der Düsseldorfer Akademie ausgebildet (1876/77) und schuf vor allem Genrebilder und Landschaften.
Albert H. besuchte das städtische Gymnasium und daneben (seit 1847) die Elementarklasse bei Jakob Becker am Städel’schen Kunstinstitut, wo er ersten Zeichenunterricht erhielt. Danach (seit 1851) absolvierte er den üblichen Kursus der Kunstschule am Städel, u. a. in den Klassen im Zeichnen nach der Antike, der Natur und dem lebenden Modell bei Passavant, Schäffer, Steinle und Zwerger, um schließlich als Meisterschüler bei Jakob Becker weiter in der Malerei ausgebildet zu werden (bis 1865). Zu seinen Mitschülern gehörte Julius Hamel, der auch ein Porträt von H. malte. H. wohnte zeit seines Lebens – lediglich von Reisen (u. a. Dresden, 1854, München, 1857, Paris, 1861, Italien, 1869-70 mit Hamel und 1882) unterbrochen – in Ffm. und blieb ledig, angeblich – so die Familienüberlieferung – aufgrund der unerfüllten Liebe zu Marie Becker (1840-1912), der Tochter seines Lehrers Jakob Becker, die 1861 den Kaufmann (und späteren Mitbegründer der Höchster Farbwerke) Wilhelm Meister geheiratet hatte.
Im Auftrag von Friedrich Stoltze schuf H. 1860 den Erscheinungskopf für die neu gegründete Wochenschrift „Ffter Latern“. Mit seiner Titelgestaltung setzte sich der Zeichner, der die Empfehlung an Stoltze möglicherweise seinem Studienkollegen Heinrich Hasselhorst verdankte, gegen einen früheren Vorschlag von Ernst Schalck und zwei weitere Entwürfe von Victor Müller durch. Der von H. stammende Schriftzug wurde für sämtliche Ausgaben der „Ffter Latern“, bis 1893, verwendet. Zu Markenzeichen der Zeitschrift wurden auch die ebenfalls von H. gezeichneten Figuren des Herrn Hampelmann, des Bürgerkapitäns und seines Leibschützen „Millerche“, die zum festen Personal der „Latern“ gehörten. Dennoch wurde H. nicht zum regelmäßigen Mitarbeiter des satirischen Blatts, da er sich nicht als Karikaturist, sondern mehr als Humorist verstand. Nur gelegentlich brachte Stoltze in der „Ffter Latern“ einmal eine Zeichnung oder Radierung von H., etwa die Porträts der Ffter Originale „Kannix“ (erstmals 1874 in der „Ffter Latern“) und „Davidsburg“ (u. a. 1880 in der „Ffter Latern“). H.s Darstellungen vom „Kannix“ und vom „Davidsburg“ sollen später als Vorbild für die entsprechenden Sandsteinfiguren auf den Schlusssteinen im Durchgang (ehem. Römergasse) des Neuen Rathauses gedient haben.
Seit 1857 Mitglied, zeitweise Vorstandsmitglied der Ffter Künstlergesellschaft. Für die Künstlergesellschaft schuf H. 1866 je einen farbigen Karton zum 25. Jubiläum von Jakob Becker als Lehrer am Städel und zum Abschied von Johann Nepomuk Zwerger aus Ffm. Kuratoriumsmitglied der Kunstgewerbeschule.
In seinem künstlerischen Schaffen widmete sich H. anfangs der Ölmalerei, wofür er bevorzugt Motive aus Märchen, Legende und Geschichte sowie aus volksliedhaften Balladen (wie „Der Wirtin Töchterlein“ von Uhland und „Der Geiger zu Gmünd“ von Kerner) wählte. Sein Gemälde „Das Urteil des Paris“ (1860) und eine Vorzeichnung dazu befinden sich im Bestand des HMF, das Städel Museum besitzt das Ölbild „Das Atelier des Künstlers“ von H., und H.s Ölstudie „Zwei Künstler bei der Arbeit“ ist in Privatbesitz erhalten. Später konzentrierte sich H. wieder auf das grafische Arbeiten, insbesondere das Zeichnen, das er von Jugend an pflegte. „Nulla dies sine linea“ (Kein Tag ohne Zeichnung) galt ihm als Motto für seine tagebuchartig geführten Skizzenbücher. Zur weiteren Verbreitung fertigte H., der nicht auf regelmäßige eigene Einnahmen angewiesen war, gelegentlich Illustrationen zu klassischen Werken (Goethe, Shakespeare) und Märchen (Hauff, Grimm) an. Im Besitz von Marie Meister befanden sich etwa seine Abbildungen zu Goethes „Götz von Berlichingen“, und das Märchen vom „Aschenbrödel“ in den Versen von Wolfgang Müller von Königswinter (dem Schwager von H.s Lehrer Jakob Becker) erschien im Verlag von Bernhard Dondorf 1863 illustriert mit sechs auf Holz gezeichneten „Compositionen“ von H.
Bekannt wurde H. ab 1871 durch die Herausgabe der Mappenwerke „Aus A. Hendschel’s Skizzenbuch“, die seine Zeichnungen in fotografischer Reproduktion, später dann in Lichtdruck weit verbreiteten. Die „Skizzenbücher“ ebenso wie die späteren Sammlungen „Ernst und Scherz“ (1879) und „Lose Blätter“ (1882) enthalten liebenswürdige und humorvolle Darstellungen aus dem Alltagsleben und der Kinderwelt, die – unterstützt durch die gleichzeitige Vermarktung auf Postkarten – äußerst populär wurden. Auch nach H.s frühem Tod wurden seine Zeichnungen noch lange (bis 1940) vielfach nachgedruckt, u. a. in Sammelwerken wie „Allerlei aus A. Hendschel’s Skizzenmappen“ (1886), „Kunterbunt“ [1917], „Kinder und Käuze“ (1917) und „Allerlei Scherz“ (1923), die anfangs teilweise im Verlag des Bruders Max Carl Julius H. (1839-1906) in Ffm., später meist bei Julius Hoffmann in Stuttgart erschienen. Der Kinder- und Jugendschriftsteller Georg Lang, der einst erst von H. dazu angeregt worden war, seine Kinderlieder und -gedichte überhaupt zu veröffentlichen, hatte zu Lebzeiten des Künstlers zwar wohl nur den Gedichtband „Hausschwalben“ (1881) mit zwei Abbildungen von H. herausgebracht, nutzte aber später dessen Zeichnungen zur Illustration seines Sammelbands „Kinderlieder, mit der Jugend und für die Jugend verfaßt“ (1906) und seiner Schrift „Poesie der Jugend und Jugendpoesie“ (1910). Drei Zeichnungen und zahlreiche druckgrafische Arbeiten (Holzschnitte, Radierungen, Lithografien) von H. befinden sich im Besitz des Städel Museums, und beim Freien Deutschen Hochstift ist eine Zeichnung H.s zu Goethes „Götz von Berlichingen“ aus dem Nachlass des Künstlers überliefert.
1864 Medaille auf der Ffter Kunst- und Industrieausstellung.
Porträtzeichnung (von Heinrich Hasselhorst) im Besitz des Städelschen Kunstinstituts.
H. wuchs in der Ffter Altstadt ganz in der Nähe des Doms auf, im Haus Garküchenplatz 8 (kriegszerstört), wo der Vater von dem Eigentümer, dem Tuchhändler und Senator David Hermann Domer (* 1815), eine Wohnung im zweiten Stock gemietet hatte. Die Kinder aus den Familien Domer und H. freundeten sich an, und 1867 heirateten Emil H. (1835-1909), Alberts jüngerer Bruder, und Emilie Domer (1845-1930), eine von vier Töchtern des Hauses. Im Sommer und zu Weihnachten trafen sich die Mitglieder der Familien Domer und H. in (Alzenau-)Michelbach im Kahlgrund, im „Michelbacher Schlösschen“, das David Domer 1862 als Landsitz erworben hatte. Bei den Aufenthalten in Michelbach stand H. sogar ein Atelier zur Verfügung, das er gemeinsam mit dem aus Darmstadt stammenden Landschaftsmaler August Becker (1821-1887), der seit 1869 mit der ältesten Domer-Tochter Pauline (1841-1928) verheiratet war, nutzte. Das Michelbacher Schlösschen, seit 1930 im Besitz der Gemeinde Michelbach, beherbergt seit 2006 das Museum der Stadt Alzenau, worin ein Kapitel der Familie Domer-H. gewidmet ist und auch an Albert H. erinnert.
1977 Ausstellung „Albert Hendschel 1834-1883 – Zeichnungen“ in der Galerie Joseph Fach in Ffm. 2013/14 Ausstellung „Albert Hendschel – ein Humorist in Bildern und Gestalter des Titels der ‚Ffter Latern‘“ im Stoltze-Museum der Ffter Sparkasse in Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 316f., verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Dessoff, Albert: Kunst und Künstler in Ffm. im 19. Jahrhundert. 2. Bd.: Biographisches Lexikon der Ffter Künstler im 19. Jahrhundert. Ffm. 1909.Dessoff, S. 55f. | Kaulen, Wilhelm: Freud’ und Leid im Leben deutscher Künstler. Ffm. 1878.Kaulen, S. 117-121. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 238. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 105f. | Thieme, Ulrich/Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bde. Leipzig 1907-50.Thieme/Becker 16 (1923), S. 384.
Literatur:
                        
Beitlich, Peter/Giessen, Jens (Hg.): Hendschel’s Kinder. Aus Albert Hendschels Skizzenbüchern. Ffm. 1977.Beitlich/Giessen (Hg.): Hendschel’s Kinder 1977. | Breitkreuz, Petra: Albert Hendschel – ein Humorist in Bildern und Gestalter des Titels der „Ffter Latern“. Ffm. 2013.Breitkreuz: Albert Hendschel 2013. | Die Gartenlaube. Illustrirtes Familienblatt. Leipzig, später Berlin 1853-1937.G. M.: Ein Humorist in Bildern. In: Die Gartenlaube 1872, H. 17, S. 273f. | Lübbecke, Fried: Fünfhundert Jahre Buch und Druck in Ffm. Ffm. 1948.Lübbecke: Buch u. Druck 1948, S. 131-134. | Opalla, Jeannette: 150 Jahre Ffter Künstlergesellschaft [1857-2007]. Mit Beiträgen von Edelgard Bogner-Wende und Klaus-Ludwig Schulz. Hg. v. der 1822 Stiftung der Ffter Sparkasse (...). Ffm. 2007.Opalla: Ffter Künstlergesellschaft 2007, Titel u. S. 21, 163. | Holzinger, Ernst (Hg.)/Ziemke, Hans-Joachim (Bearb.): Die Gemälde des 19. Jahrhunderts. Ffm. 1972. (Kataloge der Gemälde im Städel’schen Kunstinstitut I, Text- und Bildband).Städelkat. I 1972, Textband, S. 146f.; Bildband, Tafel 87. | Frankofurtensien. Nachlaß Albert Hendschel, Sammlung Fritz Rumpf, Nachlaß C. F. Mylius. Versteigerung: Montag, den 18. Dez. 1916 und folgende Tage (...) durch F. A. C. Prestel (...), Ffm. (...). Ffm. 1916.Versteigerungskat. Hendschel, Rumpf u. Mylius 1916.
Quellen: ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“), ca. 1870-1930.ISG, Nullkartei. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.803.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/pnd/116701293Hess. Biografie, 16.6.2017.

GND: 116701293 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Hendschel, Albert. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2553

Stand des Artikels: 7.7.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2017.