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Janauschek, Fanny

Fanny Janauschek als Prinzessin Eboli

Fanny Janauschek als Prinzessin Eboli in Schillers „Don Carlos“
Fotografie (aus der Sammlung Manskopf im Besitz der UB Ffm.).

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sign. S36_F00865).
Fanny Janauschek

Fanny Janauschek
Fotografie von Philipp Hoff (aus der Sammlung Manskopf im Besitz der UB Ffm.).

© Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg Ffm. (Sign. S36_F04782).
Janauschek, Franziska Magdalene (auch: Magdalena) Romance, gen. Fanny. Schauspielerin. * 20.7.1829 [nach anderen Angaben: 1830] Prag, † 29.11.1904 New York.
Aus einfachen Verhältnissen. Der tschechische Vater soll entweder Schneider oder verarmter Kaufmann, die deutsche Mutter eine Theaterwäscherin gewesen sein.
Erste Bühnenauftritte als Kind im Corps de ballet am Prager Landestheater. Privater Gesangs- und Schauspielunterricht, u. a. bei Karl Friedrich Baudius (1794/96-1860). Seit 1844 Mitglied im Schauspielensemble des Prager Landestheaters, an dem sie am 17.7.1845 in zwei größeren Komödienrollen (u. a. als Karoline von Biberstein in Blums „Ich bleibe ledig!“) debütierte. Nach einer schwierigen Zwischenzeit, in der J. mit der Hoffnung auf eine Anstellung am Theater in Leipzig scheiterte, daraufhin an Wanderbühnen in der Provinz spielte, nebenbei als Blumenmacherin arbeitete und schließlich erste kleinere Engagements erhielt, insbesondere in Annaberg und Heilbronn (dort Bekanntschaft mit und Förderung durch Justinus Kerner), wurde sie im Herbst 1847 an das Kölner Stadttheater verpflichtet. Durch den Regisseur und Lustspielautor Roderich Benedix, den sie in Köln kennenlernte, kam J. nach Ffm., wo sie im Januar und im Mai 1848 erfolgreich auf Engagement gastierte, u. a. als Gretchen in „Faust“ (27.1.1848) und als Luise in „Kabale und Liebe“ (16.5.1848). Populär wurde die damals noch unbekannte Schauspielerin durch ihr Auftreten in einer Festvorstellung des Komödienhauses zu Ehren der gerade eröffneten Deutschen Nationalversammlung, als sie den Prolog sprach zu der Aufführung des Dramas „Ernst, Herzog von Schwaben“ von Ludwig Uhland, der auch als Abgeordneter nach Ffm. gekommen war (21.5.1848). Spätestens seit 1849 bis 1860 war J. fest am Ffter Komödienhaus engagiert, zunächst im Fach der jugendlichen Liebhaberin mit Rollen wie Gretchen, Käthchen von Heilbronn und Julia. Mit einem Schlag berühmt wurde sie als Iphigenie in der Ffter Festvorstellung zu Goethes 100. Geburtstag 1849. J., die damit zu einer der ersten Schauspielerinnen Deutschlands aufstieg („die deutsche Rachel“), beeindruckte das Publikum künftig insbesondere als Heldendarstellerin und Tragödin, u. a. als Antigone, Medea, Desdemona, Phädra, Leonore und Maria Stuart, nicht nur in Ffm., sondern auch auf zahlreichen Gastspielen in anderen Großstädten. Vorgeblich aufgrund ihrer häufigen Abwesenheiten wurde die J. 1860 von dem neuen Theaterdirektor Carl von Guaita entlassen. Daraufhin kam es zu einem Theaterskandal, zu dem sie selbst durch ihre Broschüre „Illustrationen zur neuesten Geschichte des Ffter Theaters unter der Leitung des Herrn Dr. von Guaita“ (1861) beitrug. Bereits am 8.7.1860 hatte J. zum letzten Mal im Komödienhaus auf der Bühne gestanden, und am 5.2.1861 gab sie ihre Ffter Abschiedsvorstellung im Saal der Harmonie. Einen allerletzten Auftritt in Ffm. hatte sie als Germania im Festspiel und -zug zum I. Deutschen Bundesschießen in Ffm. im Juli 1862. Nach einem Engagement in Dresden (1861-63), wohl längeren Aufenthalten in München, wo sie u. a. vor König Ludwig II. spielte (um 1863/64), und weiteren Gastspielen im deutschsprachigen Raum, u. a. am Wiener Burgtheater (1863), ging J. mit einer deutschen Theatertruppe 1867 nach Amerika. Mit ihrem ersten Auftritt in den USA, als Medea an der Academy of Music in New York (9.10.1867), hatte sie einen spektakulären Erfolg, und auf der folgenden Tournee durch die Vereinigten Staaten feierte sie wahre Triumphe als Schauspielerin und Theaterunternehmerin. Sie spielte zunächst in deutscher Sprache, teilweise im Dialog mit englisch sprechenden Bühnenpartnern (etwa in der Rolle der Lady Macbeth), bis sie innerhalb von zwei Jahren (1868-69) das Englische fließend gelernt hatte. 1873 kurzzeitig nach Deutschland (u. a. zu Gastspielen in Darmstadt und Mainz) zurückgekehrt, ließ sich J. schließlich ganz in Amerika nieder, wo sie künftig nur noch in englischer Sprache auftrat und ihre früheren Erfolge noch überbot. Doch dann verlor sie die Gunst des amerikanischen Publikums. Eine ihrer letzten Rollen war die Mutter Rosenbaum in dem Erfolgsstück „The Great Diamond Robbery“ am Broadway (1895). Nach einem Schlaganfall (1900) musste sie sich endgültig von der Bühne zurückziehen. Völlig verarmt und vergessen starb J. im St. Mary’s Hospital in Brooklyn.
Porträt, wohl in der Rolle der Donna Isabella in „Die Braut von Messina“, entstanden anlässlich eines Gastspiels in Weimar (von Arnold Böcklin, 1861), im Städel Museum. Drei Vorstudien (Kohlezeichnungen) zu diesem Bildnis im Besitz des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt.
Da J. nicht nur als Germania, sondern wohl auch öfter als Francofurtia aufgetreten war, kam das Gerücht auf, sie sei das Modell der Francofurtia auf dem Ffter Taler von 1857 gewesen, was jedoch August von Nordheim, der Schöpfer des Talers, bestritt. Dennoch hieß die Münze fortan im Ffter Volksmund „J.taler“, während sie in Amerika, ebenso irrig, als „Rothschild Love Dollar“ legendär wurde.
Einzelne Briefe und einige Rollenfotos von J. im Besitz der UB Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 370f., verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Ludwig Eisenberg’s Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903.Eisenberg, S. 471f. | Kosch, Wilhelm: Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Fortgef. v. Ingrid Bigler-Marshall. Bisher 6 Bde. (bis Wolansky) sowie weitere Einzellieferungen (bis Zeder). Bern/München 1953-2008/10.Kosch: Theater 2 (1960), S. 895. | Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 (ÖBL). Hg. v. d. Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 13 Bde. Wien 1957-2010.ÖBL 3 (1961), S. 69f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 278. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 118. | Wurzbach, Constantin von: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. Enthaltend die Lebensskizzen der denkwürdigen Personen, welche 1750 bis 1850 im Kaiserstaate und in seinen Kronländern gelebt haben. 60 Bde. und Registerband. Wien 1856-91/1923.Wurzbach: Biogr. Lex. d. Kaiserthums Oesterreich 10 (1863), S. 63-65.
Literatur:
                        
Biographisches Jahrbuch und Deutscher Nekrolog. Hg. v. Anton Bettelheim u. a. 16 Bde. Berlin 1897-1913.Dt. Nekr. 10 (1905), Totenliste 1904, Sp. 54*. | Ffter Theater-Almanach. Ffm. [1832]/1843-1951 (mit Erscheinungslücken).Ffter Theater-Almanach 1849, S. 5, 16, 24. | Geldgeschichtliche Nachrichten. Hg.: Gesellschaft für Internationale Geldgeschichte Gemeinnützige Forschungsgesellschaft e. V. Bisher 51 Jahrgänge. Ffm. 1966-2016.Lerner, Franz: The Rothschild Love Dollars. In: Geldgeschichtl. Nachrichten 6 (1971), Nr. 23 (Mai 1971), S. 147-153. | Janauschek, Fanny: Illustrationen zur neuesten Geschichte des Ffter Theaters unter der Leitung des Herrn Dr. von Guaita. Ffm. 1861.Janauschek: Illustrationen zur neuesten Geschichte d. Ffter Theaters unter (...) Guaita 1861. | Mentzel, Elisabeth: Das alte Ffter Schauspielhaus und seine Vorgeschichte. Ffm. 1902.Mentzel: Schausp. 1902, S. 100f., 106, 118, 123, 134, 137f. | Neuer Theater-Almanach. Hg. v. d. Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger. Berlin 1890-1914.Nachruf in: Neuer Theater-Almanach 1906, S. 160; dazu Abb. im Bildteil, o. S. | Swarzenski, Georg: Arnold Boecklin / Das Bildnis der Schauspielerin Fanny Janauschek. Privatdruck für die Mitglieder des Städelschen Museumsvereins. Ffm. 1936.Swarzenski: Arnold Boecklin / Bildnis d. Schauspielerin Fanny Janauschek 1936.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Helmolt, Christa von. Germania im Armenhaus. Tragödin von Böcklins Gnaden: Die Schauspielerin Fanny Janauschek. In: FAZ, 18.2.1982, S. 28. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.250. | Kleine Presse. Stadtanzeiger und Fremdenblatt. Ffm. 1885-1922.Nachruf in: KP, Nr. 282, 1.12.1904, S. 1 u. 5.
Internet: frauenwiki-dresden.de, hg. v. FrauenBildungsHaus Dresden, Redaktion: Frauenstadtarchiv Dresden, Dresden. http://frauenwiki-dresden.de/index.php?title=Fanny_JanauschekFrauenwiki Dresden, 28.3.2017. | Internetpräsenz des Städel Museums, Ffm. https://sammlung.staedelmuseum.de/de/werk/bildnis-der-schauspielerin-fanny-janauschek
Hinweis: Eintrag in der digitalen Sammlung zu Arnold Böcklin: Bildnis der Schauspielerin Fanny Janauschek, 1861.
Städel, 28.3.2017.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Fanny_JanauschekWikipedia, 24.3.2017.

GND: 117077879 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Janauschek, Fanny. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2846

Stand des Artikels: 31.3.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2017.