Laven, Paul

Laven, Paul. Dr. phil. Rundfunkjournalist. Schriftsteller. * 11.12.1902 Mönchen-Gladbach, † 19.10.1979 Nidda-Bad Salzhausen.
Während seines Studiums in Bonn und Freiburg begann L., journalistisch zu arbeiten, und wurde freier Mitarbeiter der FZ und der im gleichen Verlag erscheinenden Zeitschrift „Das Illustrierte Blatt“. Er beobachtete interessiert die Entstehung des neuen Mediums Rundfunk und wurde bereits im April 1925 Mitarbeiter der Südwestdeutschen Rundfunkdienst AG (SWR) in Ffm. Nach Abschluss seines Studiums 1926 wurde L. als Leiter der neu eingerichteten Abteilung „Zeitgeschehen“ fest beim SWR in Ffm. angestellt. Als Pionier des Rundfunkjournalismus trug er zur Entwicklung hörfunkeigener Formen der Berichterstattung bei. Bei der Themenwahl für seine Berichte musste er sich an die „Richtlinien für den Nachrichten- und Vortragsdienst der Sendegesellschaften“ des Reichsministeriums des Innern vom 2.12.1926 halten, wonach das Material für die politischen Nachrichten von einer zentralen Nachrichtenagentur des Rundfunks, der „Dradag“ (Drahtloser Dienst AG) in Berlin, geliefert wurde. Selbstverantwortlich als Redakteur konnte L. nur den Bereich der „unpolitischen Nachrichten“ gestalten, wozu gemäß den Richtlinien insbesondere Nachrichten aus den Ressorts Sport, Wetter, Wirtschaft und Lokales gehörten. Die Beiträge fügten sich zunächst formal in das übrige Wortprogramm, den „Vortragsdienst“, ein. Da L. seine Berichte selbst sprach, nutzte er zunehmend die Möglichkeit des freien Sprechens, etwa zur Schilderung solcher Ereignisse, die im Studio zur unmittelbaren Übertragung („live“) inszeniert wurden. So veranstaltete er seit 1926 täglich ein Programm mit Morgengymnastik. Seine Lokalberichte aus dem Sendegebiet wurden später als „Berichte vom Ort des Geschehens“ telefonisch in das laufende Programm eingespielt. Schließlich ging er ganz zur Außenreportage über, zunächst nur in Form von einer Übertragung der Tonkulisse des Geschehens, später als eine unmittelbare Darstellung des Geschehensablaufs (Stegreifbericht). Damit war die medienspezifische Ausdrucksform der Hörfunkreportage geboren. Eine der ersten Rundfunkreportagen überhaupt ist ein Bericht L.s vom Endkampf der Boote bei der Mainregatta am 28.6.1925 für den SWR in Ffm. Ermutigt durch den Erfolg bei Hörern, Presse und Kollegen, wurde L. zu einem Meister der Rundfunkreportage, insbesondere auf den Gebieten der Sozial- und Sportberichterstattung. Höhepunkte seiner Arbeit als Sportreporter waren seine Reportagen von Fußballspielen, Autorennen und von den Olympischen Spielen 1936. Seit 1936 „Funkberichter“ beim Reichssender Leipzig. Seit 1939 Chefsprecher bei der Reichssendeleitung in Berlin. Nach einem Unfall 1939 konnte L. aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für den Rundfunk tätig sein. Er konzentrierte sich wieder auf die Pressearbeit und schrieb Sport- und Reiseberichte, Erzählungen, Essays und Tiergeschichten. Nach 1945 konnte er bei den neuen Rundfunkanstalten nicht mehr Fuß fassen. So lehnte der HR in Ffm., die Nachfolgeorganisation des SWR, 1950 L.s Wiedereinstellung ab.
Neben Schriften zur Rundfunkgeschichte, zum Berufsbild des Hörfunkjournalisten und zu Gestaltungsfragen beim Rundfunk verfasste L. die autobiographische Schrift „Aus dem Erinnerungsbrevier eines Rundfunkreporters“ (1973, erw. [1975]).

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 446f., verfasst von: Sabine Hock.
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Lexika: Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Winfried B. Lerg in: NDB 13 (1982), S. 751f.
Literatur:
                        
Biermann, Frank: Paul Laven. Rundfunkberichterstattung zwischen Aktualität und Kunst. Münster/New York 1989. (Internationale Hochschulschriften 19 / Waxmann-Portrait).Biermann: Paul Laven 1989. | Boehncke, Heiner/Crone, Michael/Sarkowicz, Hans [Hg.]: FunkBilder. Fotos und Texte zur Geschichte des Rundfunks in Hessen. Ffm. 1990.Boehncke/Crone/Sarkowicz [Hg.]: FunkBilder 1990, bes. S. 211.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/9.325.

GND: 118888072 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Laven, Paul. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3037

Stand des Artikels: 19.9.1990