Lindley, William Heerlein

Lindley, (seit 1911: Sir) William Heerlein. Dr.-Ing. E. h. Tiefbauingenieur. * 30.1.1853 Hamburg, † 30.12.1917 London.
Sohn von William G. Lindley.
Bereits seit 1870 als Vertreter seines Vaters bei dessen Projekten in Ungarn und Rumänien tätig, kam L. 1873 als Assistent in das väterliche Ffter Ingenieurbüro und vertrat den Vater als Leiter des städtischen Kanalisationsbaus, wenn dieser andere Projekte außerhalb Fft.s zu betreuen hatte. Erst 1875 wurde L. offiziell von der Stadt in deren Kanalbaubüro angestellt. 1878 übernahm er das Ingenieurbüro vom Vater und wurde zugleich leitender Ingenieur für die Kanalisation in städtischen Diensten. Seit 1882 gehörte L. als erster Dezernent für das Tiefbauwesen dem Magistrat der Stadt Ffm. an und war seit 1883 als Stadtbaurat für das aus dem Wasseramt, dem Kanalbaubüro und dem Ingenieurbaubüro geschaffene Tiefbauamt zuständig. 1891 leitete er als Präsident die Jury der Ffter Elektrotechnischen Ausstellung.
Arbeiten in Ffm.: Ausbau des vom Vater errichteten Systems der Stadtentwässerung, Ausbau des Systems der Trinkwasserversorgung (Anlage einer Grundwasserleitung und von drei Grundwasser-Pumpwerken im Stadtwald, Pläne für die Trinkwasserversorgung aus Vogelsberg und Spessart), Anlage eines Leitungssystems zur Ausnutzung ungefilterten Mainwassers für die Bewässerung von Anlagen und Gärten sowie für die Straßenreinigung, Mitwirkung am Ausbau des Untermains als Schifffahrtsstraße, Bau des Westhafens (1884-86), Planung eines Systems der Elektrizitätsversorgung und Bau von Elektrizitätswerken, Tätigkeit im Straßenbau und bei der Einführung der elektrischen Straßenbahn sowie im Brückenbau (Umbau der Main-Neckar-Eisenbahnbrücke zu einer Fahrbrücke, der Wilhelmsbrücke, heute: Friedensbrücke), in der Planung der Gasversorgung und in der Stadtvermessung.
Neben seiner Tätigkeit für die Stadt Ffm. führte L. das von seinem Vater übernommene Ingenieurbüro fort, das weiterhin internationalen Ruf genoss. Für zahlreiche Städte im In- und Ausland plante und errichtete L. die Be- und Entwässerung. Diese ausgedehnte Nebentätigkeit erregte in Ffm. Anstoß. Doch Oberbürgermeister Miquel, der die Bedeutung L.s für die Stadtentwicklung erkannte, räumte ihm Konzessionen ein, die ihm die Ausführung auswärtiger Aufträge erlaubten. Dennoch trug L.s damit verbundene häufige Abwesenheit von Ffm. dazu bei, dass sich im Römer die Stimmen gegen ihn und seine private Tätigkeit häuften. Unter Adickes kam es deswegen häufiger zu Differenzen. Infolge einer Auseinandersetzung um das (heute denkmalgeschützte) Grundwasser-Pumpwerk Hinkelstein im Stadtwald schied L. 1896 freiwillig aus städtischen Diensten aus und arbeitete fortan als freier Zivilingenieur mit Büro in Ffm., wobei er auf Grundlage von Privatverträgen einige von ihm begonnene städtische Projekte (Trinkwasserversorgung, Elektrizitätsversorgung, Straßenbahnbau) fortführte. Erst zu Beginn des Ersten Weltkriegs ging L., der die englische Staatsbürgerschaft behalten hatte, nach England.
Mitglied in zahlreichen Fachorganisationen und wissenschaftlichen Vereinigungen. Erbauer einer anglikanischen Kirche im Ffter Westend, die er der Anglikanischen Missionsgesellschaft stiftete (als „Englisch-reformierte Kirche“ eingeweiht, 1907; zerstört im Zweiten Weltkrieg, an ihrer Stelle in der Freiherr-vom-Stein-Straße die Deutsch-Evangelisch Reformierte Gemeinde West errichtet, 1954).
Zahlreiche Fachpublikationen, u. a. über seine Ffter Bauten.
Teilnachlass im ISG.
L.straße im Ostend.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 458f., verfasst von: Sabine Hock.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Franz Lerner in: NDB 14 (1985), S. 606f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 350. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 151. | Zeller, Thomas: Die Architekten und ihre Bautätigkeit in Ffm. in der Zeit von 1870 bis 1950. Ffm. 2004. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm. 14).Zeller, S. 226f.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Lerner, Franz: William Heerlein Lindley (1853-1917). Umriß seines Lebens. In: AFGK 49 (1965), S. 123-133. | Timpe, Stefan: Denkmalpflege in Ffm. Jahresrückblicke des Denkmalamtes der Stadt Ffm. Sanierungs- und Restaurierungsprojekte 2008/09 bis 2014-16. Bisher 4 Bde. Ffm. 2014-17. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm.).Über das von William H. Lindley erbaute Druckwasserwerk (1886): Denkmalpflege in Ffm. 1 (2008-09), S. 78-81. | Timpe, Stefan: Denkmalpflege in Ffm. Jahresrückblicke des Denkmalamtes der Stadt Ffm. Sanierungs- und Restaurierungsprojekte 2008/09 bis 2014-16. Bisher 4 Bde. Ffm. 2014-17. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm.).Über die von William H. Lindley erbaute Kläranlage in Niederrad (1883-87): Denkmalpflege in Ffm. 4 (2014-16), S. 28-33.
Quellen: ISG, Bestand Nachlässe (S1).Teilnachlass: ISG, S1/186; dazu Rep. 673 (Findbuch von Maria Jocher). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.028.

GND: 117695971 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Lindley, William Heerlein. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3086

Stand des Artikels: 22.2.1991