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Lindner, Karoline

Karoline Lindner

Karoline Lindner
Lithografie von Valentin Schertle (im Besitz des HMF).

© Institut für Stadtgeschichte (Sign. ISG_S7P1998_Lindner_Caroline_2) / Historisches Museum (Sign. HMF C14188), Ffm.
Lindner, Maria Karoline (eigentl.: Caroline) Friederike. Eigentl. Nachname: Diedolph (auch: Didolf, Didolff, Diedolf). Schauspielerin. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 13.9.1797 Chemnitz, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 11.9.1863 Ffm.
Aus einer Schauspielerfamilie.
Ihre Bühnenkarriere begann L. in Würzburg, wo sie zunächst (1804-11) in Kinderrollen auftrat, um dann ins Fach der Sentimentalen und Liebhaberin zu wechseln. Nach einem Gastspiel in Ffm. wurde sie 1816 an das hiesige Theater engagiert. Am 11.1.1816 debütierte sie in Ffm. als Hedwig („Banditenbraut“) und Klärchen („Der Verräter“). Sie spielte im Fach der sentimentalen und munteren Naiven in Konversationsstücken, Lustspielen und bürgerlichen Trauerspielen. Ihre lyrische Stimme kam ihr in Rollen wie Gretchen („Faust“), Klärchen („Egmont“), Julia („Romeo und Julia“) und Käthchen („Käthchen von Heilbronn“) zugute. Obwohl sie nicht schön oder reizvoll war, hatte sie auf der Bühne eine starke Ausstrahlung, die das Publikum begeisterte. Dazu trug wesentlich der von ihr vollendet dargebotene „Ffter Stil“ der Schauspielkunst bei, dessen „Echtheit“ und „Natürlichkeit“ im Spiel auf der Verkürzung der Gestik und der Verknappung bzw. Präzisierung der Sprache zugunsten der Mimik beruhten. Börne verehrte die Schauspielerin und rühmte ihre Wandlungsfähigkeit. Die L. wurde rasch zum Ffter Publikumsliebling. Am 13.8.1821 konnte sie dem Lokalstück „Die Entführung oder Der alte Bürger-Capitain“ von Carl Malss zum Durchbruch verhelfen. Es drohte ein Skandal, weil die Bürgerschaft sich durch das Stück verhöhnt fühlte. Karoline L., eine Meisterin der Dialekte, brach das Eis durch ihren Extempore-Ausspruch: „Gredelche, geb emol der Schawell en Stumper!“ Das Publikum jubelte, und Malss nahm aus Dankbarkeit den Satz in die zweite Auflage der Druckfassung von „Der alte Bürger-Capitain“ auf. Nach Gastspielen, u. a. in Berlin (1825) und Wien (1831), die mit Angeboten für Engagements (u. a. am Burgtheater) verbunden waren, blieb die L. dennoch in Ffm., wo ihr allerdings eine höhere Gage und ein erweiterter Wirkungskreis zugesichert wurden. Seit dem Beginn der 1830er Jahre trat sie auch in Rollen wie Maria Stuart, Lady Milford und Gräfin Orsina auf. In den 1840er Jahren ging sie ins Fach der älteren Frauenfiguren über; zuletzt spielte sie nur noch Mütter und Anstandsdamen. Am 13.12.1852 feierte sie ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum in einer Aufführung der beiden Schlussakte von „Die Hagestolzen“ von Iffland und des Stücks „Hermann und Dorothea“ von Töpfer. Nach der Theaterkrise gehörte L. als einzige Frau zu der Interimsdirektion, dem Künstlerkollegium, das – bis zur Berufung Benedix’ durch die neu gegründete Theater-AG – das Ffter Theater leitete. 1857 zog sich die L., die eine der bedeutendsten und vielseitigsten Schauspielerinnen der Zeit war, von der Bühne zurück. Am 26.10.1857 gab sie ihre Abschiedsvorstellung als Margaretha in „Die Hagestolzen“ von Iffland und als Madame Brunn in „Eine Familie“ von Charlotte Birch-Pfeiffer.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 459f., verfasst von: Sabine Hock (redigierte Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon).

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Joseph Kürschner in: ADB 19 (1884), S. 809f. | Ludwig Eisenberg’s Großes Biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Leipzig 1903.Eisenberg, S. 610. | Kosch, Wilhelm: Deutsches Theaterlexikon. Biographisches und bibliographisches Handbuch. Fortgef. v. Ingrid Bigler-Marshall. Bisher 6 Bde. (bis Wolansky) sowie weitere Einzellieferungen (bis Zeder). Bern/München 1953-2008/10.Kosch: Theater 2 (1960), S. 1254. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 350. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 151.
Literatur:
                        
Frank, Bernhard: Die erste Ffter Theater AG (1792-1842) in ihrer Entwicklung von der „Nationalbühne“ zur „Ffter Volksbühne“. Ein Beitrag zur Erforschung von Schauspiel-Stil und -Regie des 19. Jahrhunderts. Ffm. 1967. (Studien zur Ffter Geschichte 2).Frank: Theater AG 1967, S. 145-149. | Hassel, Samuel Friedrich: Die Ffter Localstücke auf dem Theater der freien Stadt 1821-1866. Skizzen aus meinem Schauspielerleben. Ffm. 1867.Hassel: Die Ffter Localstücke 1867, S. 16f. | Mentzel, Elisabeth: Das alte Ffter Schauspielhaus und seine Vorgeschichte. Ffm. 1902.Mentzel: Schausp. 1902, S. 117, 130f.
Quellen: Ffter Nachrichten. Ffm. 1855-1934. [Zunächst als Nachrichtenbeilage des Intelligenzblatts, dann ab 1910 als Zeitung unter dem Titel „Ffter Nachrichten und Intelligenzblatt“ erschienen.]Mentzel, E.: Karoline Lindner. Ein Gedenkblatt zu ihrem 40. Todestage, 11. September 1903. In: FN, 12.9.1903. | ISG, Bestand Nachlassakten, 1813-1920; erschlossen über Archivdatenbank.ISG, Nachlassakten 1863/100 (Diedolph, Maria Caroline Friederike, gen. Lindner). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.018.

GND: 117029408 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Lindner, Karoline. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3087

Stand des Artikels: 9.10.2014
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2014.