Andreae, Magdalena Margaretha

Andreae, Magdalena Margaretha, geb. Burgk, verw. Klotz. Stifterin. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.~ 11.9.1707 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.▭ 29.1.1787 Ffm.
Aus wohlhabendem Haus. Tochter des in der Töngesgasse ansässigen Goldarbeiters und Juweliers Martin Burgk (auch: Burck; † 1725) und dessen Ehefrau Maria Philippina, geb. Merian (1674-1733), die aus der berühmten Kupferstecher- und Kunsthändlerfamilie stammte. Schwester des Pfarrers Johann Matthäus Burgk (1712-1778). Verheiratet in erster Ehe (seit 1744) mit ihrem Cousin Ehrenfried Klotz († 1763), in zweiter Ehe (seit 1765) mit Johann Benjamin A. d. Ä.
Nach dem Tod ihres ersten Mannes, eines reichen Farbwarenhändlers, mit dem sie im Haus zur Grünen Hand im Großen Hirschgraben Lit. F 68 (später Nr. 13) gelebt hatte, verfügte Magdalena Margaretha über ein beachtliches Vermögen, das u. a. aus dem Haus und einem großen Kapital an Schuldverschreibungen bestand. Im Alter von 58 Jahren verheiratete sie sich wieder, mit dem Buchdrucker und Verleger Johann Benjamin A. d. Ä., der sich kurz zuvor aus seinem Geschäft zurückgezogen hatte, um sich künftig als Ratsherr und späterer Schöffe ganz der Stadtpolitik zu widmen. 1778 erneut verwitwet, legte A. ihr Vermögen im Wert von circa 280.000 Gulden testamentarisch etwa zur Hälfte in Vermächtnissen fest, zugunsten ihrer eigenen Familie (während die Verwandten aus der Familie Klotz und ihre Stiefsöhne Johann Benjamin und Johann Jacob A. fast leer ausgingen) und insbesondere für wohltätige Zwecke in der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession, und setzte schließlich diese Gemeinde zu ihrer Universalerbin ein. Ebenfalls 1778 gehörte die „Frau Schöff A.“, u. a. zusammen mit dem Kaiserlichen Rat Johann Caspar Goethe, Goethes Vater, zu den Verkäufern des Porzellanhofs auf dem Klapperfeld.
Porträt (Pastellzeichnung) als Schenkung der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession im HMF.
Zahlreiche Dokumente zu Vermögen, Nachlass und Stiftung von A. sind im Archiv der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession (als Depositum im ISG) überliefert.
Mit ihrem Testament von 1778 (mit einem Nachtrag von 1786) stiftete A. ein Waisenhaus zur Betreuung, Bildung und Förderung elternloser unbemittelter Kinder aus der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession (NGAC), das in ihrem Wohnhaus im Großen Hirschgraben 13 eingerichtet werden und mit einem Kapital von 100.000 Gulden aus ihrem Vermächtnis unterhalten werden sollte (daher auch: „A.’sche Stiftung“ oder „A.’sche Waisenhausstiftung“); zudem vermachte sie der NGAC einen Betrag von 10.000 Gulden für Stipendien. Noch in A.s Sterbejahr (1787) zogen die ersten Waisenkinder, Mädchen und Jungen, in das Haus ein. Während die Mädchen später in Kost und Logis zu Familien gegeben wurden, diente das Haus im Großen Hirschgraben, zusammen mit dem hinzuerworbenen Nachbargebäude (Lit. F 69, später Nr. 15), weiterhin als Heim für bis zu 20 Knaben. Nach dem Verkauf der baufällig gewordenen Immobilie 1865 übersiedelte das Waisenhaus in die Seilerstraße 18, wo seitdem auch die NGAC selbst ihren Sitz hatte. Das Waisenhaus wurde hier mindestens bis 1923 fortgeführt. Aus dem Gebäude in der Seilerstraße, das 1965 an die Stadt verkauft und abgerissen wurde, nahm die NGAC einen Portikus von 1799 mit und ließ ihn im Eingang ihres neuen Hauses im Oberweg 16 anbringen. Dort soll er an Magdalena Margaretha A. als die große Wohltäterin der Gemeinde erinnern.
A.straße in Bornheim.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Meidinger, Heinrich: Fft.’s gemeinnützige Anstalten. 2 Teile. Ffm. 1845/56.Meidinger 1 (1845), S. 76f., 128. | Müller, Bruno: Stiftungen in Ffm. Geschichte und Wirkung. Neubearb. u. fortgesetzt durch Hans-Otto Schembs. Ffm. [Copyright 2006]. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriften der Ffter Bügerstiftung und der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 7).Müller/Schembs: Stiftungen 2006, S. 43. | Müller, Bruno: Stiftungen für Ffm. Ffm. 1958.Müller: Stiftungen 1958, S. 36. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 10f., 311. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 6. | Wahlig, Kurt: Das Ffter Straßennamen-Büchlein. Ffm. 1963, 2. Aufl. 1981.Wahlig: Straßennamen, S. 20.
Literatur:
                        
Dietz, Alexander: Geschichte der Familie Andreae, Ffter Zweig. Ffm. 1923. Dietz: Geschichte der Familie Andreae 1923, S. 75-80. | Kasper, Birgit/Schubert, Steffi: Nach Frauen benannt. 127 Straßen in Ffm. Hg. v. Frauenreferat der Stadt Ffm. Ffm. 2013.Kasper/Schubert: Nach Frauen benannt 2013, S. 8f. | Kern, Ursula (Hg.): Blickwechsel. Ffter Frauenzimmer um 1800. Historisches Museum, Ffm. Ffm. 2007.Kern (Hg.): Blickwechsel 2007, S. 188f.
Internet: Ffter Frauenzimmer – eine Spurensuche, Website des Historischen Museums Fft., Konzeption und Redaktion: Ursula Kern, Ffm. http://www.frankfurterfrauenzimmer.de/bp10-detail.html?bio=aa
Hinweis: Artikel über Magdalena Margaretha Andreae von Ursula Kern.
Ffter Frauenzimmer, 10.5.2018.
| Website der Niederländischen Gemeinde Augsburger Confession (NGAC) zu Ffm. http://www.ngac.de/gemeinde/geschichte-der-ngac/teil-3-von-der-kultusgemeinde-zur-privatgesellschaft-lutherischer-glaubensgenossen/ - http://www.ngac.de/gemeinde/geschichte-der-ngac/anhang-1-gebaeude-mobiliar-und-archiv-der-ngac/ - Niederländische Gemeinde Augsburger Confession, 10.5.2018.

GND: 1125026456 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Andreae, Magdalena Margaretha. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3213

Stand des Artikels: 18.5.2018
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2018.