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Auerbach, Ernst

Auerbach, Ernst Moritz. Justizrat. Dr. jur. Rechtsanwalt. * 11.9.1863 Ffm., † 20.2.1926 Ffm.
Sohn von Jakob A. und dessen Ehefrau Sara, geb. Katz. Während der Vater, ein Vetter des Schriftstellers Berthold A. (1812-1882), erst 1843 aus dem Badischen nach Ffm. gekommen war, stammte Ernst A. mütterlicherseits aus einer in Ffm. alteingesessenen jüdischen Familie, deren Vorfahren sich auf die Zeit vor dem Fettmilchaufstand zurückverfolgen lassen.
Reifeprüfung am städtischen Gymnasium in Ffm. (1881). Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen, Leipzig und Heidelberg. 1887 Promotion in Heidelberg mit einer Dissertation zur Strafprozessordnung. Niederlassung als Rechtsanwalt in Ffm. in einer Sozietät mit seinem Schwager Berthold Geiger. Zunächst hauptsächlich als Strafanwalt, später nur in Zivilsachen tätig. Bekannt für seine geistreichen Plädoyers. Langjähriger Vorsitzender des Ffter Anwaltsvereins. Stellvertretender Vorsitzender der Anwaltskammer.
Die liberal-aufklärerische Tradition des Vaters setzte Ernst A. im religiösen wie städtischen Leben fort. Er engagierte sich für die Volksbildung und führte an den städtischen Gymnasien das Fach Bürgerkunde ein, das er auch selbst unterrichtete. Als juristischer Ratgeber engagierte er sich für die Gründung der Ffter Universität und gehörte deren Großem Rat bis 1922 als Vertreter der Stadtverordnetenversammlung an. Er war langjähriges Vorstandsmitglied der Ffter Israelitischen Gemeinde sowie von 1888 bis zu seinem Tod Syndikus des Schulrats des Philantropins. Er nahm führende Positionen im „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ ein. Mitglied in dem von seinem Bruder Fritz A. (1852-1909) mitbegründeten „Freisinnigen Verein für jüdisches Gemeindeleben“. Mitbegründer des „Verbands der deutschen Juden“, der zum Ziel hatte, eine politische Vertretung der deutschen Judenheit zu schaffen. Mitbegründer (mit Berthold Geiger, Julius Plotke u. a.) des „Anti-Tauf-Komitees“. Mitglied der Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröthe, der auch schon sein Vater Jakob und sein Großonkel Berthold A. angehört hatten.
Porträt (von Julius Hülsen, 1913; aus dem Besitz der Freimaurerloge zur aufgehenden Morgenröthe) seit 2011 im Jüdischen Museum in Ffm.
A. war mit der Porträtmalerin Emma Kehrmann (1867-1958) verheiratet. Aus der Ehe stammten zwei Töchter, die Malerin und Kunsthistorikerin Erna A. und die Rechtsanwältin Ilse Schmitthoff (1900-1995). Die Familie, die vorher im Westend gewohnt hatte, lebte seit 1913 in einer repräsentativen Villa in der Holbeinstraße 43 im neu erschlossenen Sachsenhäuser Malerviertel. Nachdem die beiden Töchter nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 ins Londoner Exil gegangen waren, bewohnte Ernst A.s Witwe Emma die Villa allein. 1939 musste sie das (später im Krieg zerstörte) Haus verkaufen und folgte ihren Töchtern ins Exil.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Gudrun Jäger.

Lexika: Bibliographie zur Geschichte der Ffter Juden 1781-1945. Hg. v. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Bearb. v. Hans-Otto Schembs mit Verwendung der Vorarbeiten von Ernst Loewy u. Rosel Andernacht. Ffm. 1978.Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 374. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 15.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 28f. | Heuer, Renate/Wolf, Siegbert (Hg.): Die Juden der Ffter Universität. Mit einem Vorw. v. Notker Hammerstein. Unter Mitarbeit von Holger Kiehnel u. Barbara Seib. Ffm./New York 1997. (Campus Judaica 6).Heuer/Wolf (Hg.): Juden d. Ffter Univ. 1997, S. 397-399.
Quellen: Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.Michels, Claudia: Aus dem Nebel der Geschichte. Bilder dreier jüdischer Logenbrüder beenden eine Odyssee, die bei den Nazis begann. In: FR, 6.10.2011. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.300; darin u. a.: Erinnerungen von Erna Auerbach an ihren Vater, Typoskript, 10 S. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/9.926 (Ilse Schmitthoff, geb. Auerbach, Tochter von Ernst A.). | Frdl. Mitteilungen an d. Verf.Mitteilungen von Jens-Holger Jensen, Ffm., 2015, u. a. anhand von Materialien aus dem Nachlass von Ilse Schmitthoff, geb. Auerbach, der an der Queen Mary University of London aufbewahrt wird.
Internet: L. I. S. A., das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf. http://www.lisa.gerda-henkel-stiftung.de/das_sachsenhaeuser_westend_westend?nav_id=5069
Hinweis: Tafel zum Haus Holbeinstraße 43, dem Wohnhaus der Familie Auerbach, in der Ausstellung „Das Sachsenhäuser Westend – Westend? Eine Ausstellung über die Entwicklung des Malerviertels in Frankfurt-Sachsenhausen“ im Bibliothekszentrum Sachsenhausen, 2014. Die Ausstellungstafel wurde erstellt von Anneliese Feuser und Norbert Versbach.
Gerda Henkel Stiftung, 4.9.2015.


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Empfohlene Zitierweise: Jäger, Gudrun: Auerbach, Ernst. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3218

Stand des Artikels: 7.9.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 09.2015.