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Wallmann, Walter

Oberbürgermeister der Stadt Ffm. von 1977 bis 1986. Ehrenbürger der Stadt Ffm.

Walter Wallmann

Walter Wallmann beim Tag der offenen Tür am 2.9.1978
Foto: Tadeusz Dabrowski (Ausschnitt).

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7P1998_14930).
Wallmann, Walter. Dr. jur. Richter. Politiker. * 24.9.1932 Uelzen, † 21.9.2013 Ffm.
W. wuchs zusammen mit seinem jüngeren Bruder Wilhelm (* 1941; späterer Bürgermeister von Wiesbaden, 1983-89) in der Nähe von Uelzen/Niedersachsen in einem protestantischen Elternhaus auf. Der Vater war Mittelschullehrer für Deutsch, Geschichte und evangelische Religion.
Nach dem Abitur 1952 studierte W. bis 1959 in Marburg Rechts- und Staatswissenschaften sowie Politik. 1964 legte er in Ffm. das zweite juristische Staatsexamen ab. Ein Jahr später wurde er bei dem Strafrechtler Karl Alfred Hall mit der Arbeit „Über die strafrechtliche Problematik des Züchtigungsrechtes der Lehrer unter besonderer Berücksichtigung des geltenden Verfassungsrechtes“ an der Universität Marburg zum Dr. jur. promoviert. Während des Studiums hatte er für kurze Zeit der Burschenschaft Germania, einer schlagenden Verbindung, angehört, war aber zusammen mit einigen anderen ausgeschlossen worden, weil sie die Verharmlosung nationalsozialistischer Verbrechen durch ihre Bundesbrüder nicht tolerieren wollten. 1967 sammelte er erste berufliche Erfahrung als Richter an den Landgerichten in Kassel und Gießen und am Amtsgericht in Rotenburg an der Fulda.
W.s politische Karriere begann mit dem Eintritt in die CDU 1960. Im Jahr darauf wurde er Mitglied der Jungen Union. Bis 1967 war er Bezirksvorsitzender der Jungen Union Mittelhessen. Im Dezember 1967 wurde er stellvertretender Landesvorsitzender der hessischen CDU, und 1982 übernahm er den Landesvorsitz, den er bis 1991 innehatte.
1966 hatte W. begonnen, sich in Marburg, wo er seit seinem Studium lebte, auch kommunalpolitisch zu engagieren, u. a. als Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Marburg-Stadt (1966-74) und der CDU-Fraktion in der Marburger Stadtverordnetenversammlung (1968-74). Im Februar 1970 trat er in Marburg als Oberbürgermeisterkandidat eines Wahlbündnisses von CDU, FDP und des freien Wahlblocks Marburg gegen den Sozialdemokraten Georg Gaßmann an und siegte mit einer Stimme Mehrheit. Die Wahl wurde jedoch wegen formaler Fehler für ungültig erklärt. Bei der Wiederholung der Wahl im Juni 1970 unterlag er seinem Konkurrenten Hanno Drechsler (SPD).
Seit 1966 gehörte W. dem Hessischen Landtag an, seit Dezember 1970 als stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion. Im Dezember 1972 legte W. sein Landtagsmandat nieder, weil er am 19.11.1972 über die hessische Landesliste in den Bundestag gewählt worden war. Dort übernahm er 1974 den Vorsitz des Guillaume-Untersuchungsausschusses, der die Umstände aufklären sollte, unter denen Willy Brandt als Bundeskanzler hatte zurücktreten müssen, und damit eine Aufgabe, mit der W. sich auch bei politischen Gegnern viel Anerkennung erwarb. In der achten Wahlperiode war W. zeitweise (bis 14.6.1977) 4. Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
W. ließ sich vom Landesvorstand der hessischen CDU und von Helmut Kohl überreden, bei der Kommunalwahl 1977 für das Amt des Ffter Oberbürgermeisters zu kandidieren. Eigentlich räumte niemand der CDU große Chancen ein, im „roten Fft.“ zu gewinnen. Wohl auch deshalb trat W. außerdem erneut in seiner Heimatstadt Marburg als Oberbürgermeisterkandidat an. Doch die Ffter CDU errang am 20.3.1977 überraschend die absolute Mehrheit. Zum ersten Mal nach 30 Jahren stellte die SPD nicht mehr den Oberbürgermeister in der Stadt. Der bisherige Amtsinhaber Rudi Arndt trat daraufhin vorzeitig zurück und machte den Weg für seinen Nachfolger frei, obwohl seine Amtszeit noch bis April 1978 gelaufen wäre. Bereits am 15.6.1977 wurde W. daher in einer Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung mit allen 50 Stimmen der CDU bei 37 Nein-Stimmen und sechs Enthaltungen zum neuen Ffter Oberbürgermeister gewählt.
Unter W. kam es erstmals zu dem Problem, dass der Magistrat parteipolitisch eine andere Couleur hatte als der Oberbürgermeister und die ihn stützende Mehrheitsfraktion in der Stadtverordnetenversammlung. Denn am 20. März war nur das Stadtparlament gewählt worden, nicht der Magistrat. Weil es nun mehr hauptamtliche SPD- als CDU-Stadträte gab, behalf W. sich mit einer Erweiterung des Magistrats um so viele Mitglieder, wie nötig waren, um die Mehrheit der CDU zu garantieren. Er beließ allerdings – gegen anfänglich großen Widerstand in der eigenen Fraktion – mit Hilmar Hoffmann, Peter Rhein und Hans-Erhard Haverkampf drei SPD-Stadträte im Amt. Damit machte er deutlich, dass es ihm auf einen reinen CDU-Magistrat nicht ankam, im wesentlichen Unterschied zu der fünf Jahre zuvor geübten Praxis der SPD, die damals die CDU-Stadträte Fay und Bachmann abgewählt und damit die Römerkoalition aufgekündigt hatte.
Zu einem der zentralen Anliegen W.s, der – eigenen Worten zufolge – den Bürgern den Stolz auf ihre Stadt zurückgeben wollte, wurde die Förderung der städtischen Kulturinstitutionen. In Kulturdezernent Hilmar Hoffmann hatte der Oberbürgermeister einen kongenialen Partner für die Erfüllung dieser Aufgabe gefunden. Mit W.s Amtszeit und seinem Namen sind denn auch vor allem große Bauprojekte in der Stadt verbunden: das Museumsufer, der Wiederaufbau der Alten Oper und die Rekonstruktion der Römerberg-Ostzeile. Er setzte damit Pläne um, die zum Teil seit Jahrzehnten diskutiert und schon früher beschlossen worden waren; die Bauarbeiten für die neue Alte Oper hatten noch unter Arndt am 1.4.1977 begonnen.
Außerdem wollte W. das Image der lange Jahre als unregierbar bezeichneten Stadt („Krankfurt“) korrigieren. Dieser schlechte Ruf hing vor allem mit den Zuständen im Bahnhofsviertel, d. h. mit Prostitution, Drogenkonsum und der damit verbundenen Kriminalität, zusammen. Der Plan, die Rotlichtszene durch eine neue Sperrgebietsverordnung aus der Gegend rund um den Hauptbahnhof zu verdrängen, scheiterte allerdings.
Während W.s Amtszeit kam es zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen um die Startbahn 18 West am Ffter Flughafen. Der Ausbau des Flughafens lag zwar in der Kompetenz der hessischen Landesregierung, wurde jedoch von den beiden großen Parteien in der Stadt unterstützt. Ähnlich aufsehenerregend war 1985 der Streit um die Uraufführung des Fassbinder-Stücks „Der Müll, die Stadt und der Tod“. Hier plädierte W. aus Gründen der Kunstfreiheit gegen ein Verbot der Aufführung des von vielen als antisemitisch kritisierten Stücks. Bereits 1982 hatte er vehement die Entscheidung verteidigt, dem Schriftsteller Ernst Jünger den Goethepreis der Stadt Ffm. zuzuerkennen. Ein besonderes Anliegen waren dem Oberbürgermeister die Beziehungen zu Israel. 1980 wurde die Städtepartnerschaft mit Tel Aviv geschlossen. Auf W.s Initiative geht auch das Programm der Stadt zurück, jährlich jüdische und politisch oder religiös verfolgte ehemalige Ffter in ihre alte Heimatstadt einzuladen.
Mit W., dem der Ruf eines konservativen politischen Hardliners vorauseilte, hatte eine gewisse distanzierte Bürgerlichkeit Einzug in den Römer gehalten. Bei offiziellen Anlässen beispielsweise trat er, anders als sein Vorgänger Rudi Arndt, wieder mit Amtskette auf. Über Jahre hinweg genoss W. große Popularität bei den Fftern. Das zeigte sich bei der Kommunalwahl 1981, bei der er erneut als Oberbürgermeisterkandidat antrat. Die CDU kam mit 54,2 Prozent der Stimmen auf das beste Resultat, das sie je in Ffm. erzielt hatte. Vier Jahre später fiel das Ergebnis für den OB und seine Partei zwar deutlich schlechter aus, dennoch reichte die äußerst knappe Mehrheit für eine weitere Amtszeit ohne Koalitionspartner.
Es war die Reaktorkatastrophe in der Ukraine, die W.s Amtszeit in Ffm. beendete: Als Folge des GAUs im Atomkraftwerk Tschernobyl am 26.4.1986 wurde in Bonn das „Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit“ eingerichtet, zu dessen Leiter W. berufen wurde. Vom 6.6.1986 bis zum 22.4.1987 war er der erste Umweltminister der Bundesrepublik. Bei der Bundestagswahl am 25.1.1987 errang W. ein drittes Mal (nach 1972 und 1976) ein Bundestagsmandat, legte es aber bereits Ende April nieder, weil die CDU mit ihm an der Spitze am 5.4.1987 die hessischen Landtagswahlen gewonnen hatte.
Als erster Christdemokrat in der Landesgeschichte wurde W. Hessischer Ministerpräsident. Er löste Holger Börner ab und regierte die nächsten vier Jahre in Wiesbaden mit einer Koalition von CDU und FDP. Es gelang der CDU aber nicht, das Wahlergebnis 1991 zu wiederholen. W. zog sich nach der verlorenen Landtagswahl aus der aktiven Politik zurück und arbeitete von da an bis 1999 als Generalbevollmächtigter der Deutschen Vermögensberatung AG. Nach seinem Rücktritt vom Landesvorsitz der hessischen CDU, ebenfalls im Jahr 1991, wählte die CDU Hessen ihn zu ihrem Ehrenvorsitzenden. 1995 kehrte er als Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Ffm. für zwei Jahre noch einmal in die Lokalpolitik zurück.
W. verbrachte seinen Lebensabend seit 2004 in Idstein; später zog er mit seiner Frau Margarethe wieder nach Ffm., wo er nach längerer Krankheit 2013 starb.
Von 1977 bis 1985 Präsident des Hessischen Städtetags. 1985/86 Präsident des Deutschen Städtetags. Von 1981 bis 1985 Präsident des Deutschen Bühnenvereins. Von 1981 bis 1986 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Main-Gaswerke AG. 1991 Vorsitzender der CDU-Grundsatzkommission.
Schriften: „Der Preis des Fortschritts: Beiträge zur politischen Kultur“ (1983), „Die Gegenwart der Geschichte“ (2001) und „Im Licht der Paulskirche. Memoiren eines Politischen“ (2002).
2009 wurde W. zum Ehrenbürger Fft.s ernannt. Weitere Ehrungen und Auszeichnungen, u. a. Hermann Ehlers Preis (1979), Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband (1990), Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen (1996), Hessischer Verdienstorden (2003) und Ignatz-Bubis-Preis für Verständigung der Stadt Ffm. (2007). Ehrenmitglied von Eintracht Fft.
Festschrift zum 65. Geburtstag („Bewahren und Erneuern“, hg. v. Petra Roth, Ernst Gerhardt und Bernhard Mihm, 1997).
Porträt (von Thomas Ganter, 2015) in der Galerie der Oberbürgermeister vor dem Magistratssitzungssaal im Römer.
Ehrengrabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann XIV 32).
Aus der 1960 geschlossenen Ehe mit Margarethe W., geb. Höhle (* 1936), stammt ein Sohn, Walter W. jun. (* 1962), promovierter Jurist und seit 2013 Präsident des Hessischen Rechnungshofs.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Bettina Tüffers.

Lexika: Kempf, Udo/Merz, Hans-Georg u. a. (Hg.): Kanzler und Minister 1949-2013. Biografisches Lexikon der deutschen Bundesregierungen. 3 Bde. Wiesbaden 2001-15.Klaus-Dieter Osswald/Barbara Peter in: Kempf/Merz u. a. (Hg.): Kanzler und Minister 1 (2001), S. 721-723. | Lengemann, Jochen: Das Hessen-Parlament 1946-1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungberatenden Landesversammlung Groß-Hessen und des Hessischen Landtags. 1.-11. Wahlperiode. Ffm. 1986. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Lengemann: Hessen-Parlament, S. 419f. | Hessische Landesregierung: Im Dienste der Demokratie. Die Trägerinnen und Träger der Wilhelm-Leuschner-Medaille. Hg. v. d. Hessischen Staatskanzlei. Wiesbaden 2004.Trägerinnen u. Träger d. Wilhelm-Leuschner-Medaille 2004, S. 196. | Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutschen Bundestages 1949-2002. Hg. v. Rudolf Vierhaus u. Ludolf Herbst unter Mitarb. v. Bruno Jahn. 3 Bde. München 2002-03.Vierhaus/Herbst (Hg.): Mitglieder d. Dt. Bundestages 1 (2002), S. 917.
Literatur:
                        
Felsch, Margot: Aus der Chef-Etage des Römers. Begegnungen mit den Ffter Oberbürgermeistern Walter Kolb, Werner Bockelmann, Willi Brundert, Walter Möller, Rudi Arndt und Walter Wallmann. Ffm. 1981.Felsch: Aus der Chef-Etage des Römers 1981, S. 161-186. | Roth, Petra/Gerhardt, Ernst/Mihm, Bernhard (Hg.): Bewahren und Erneuern. Walter Wallmann zum 65. Geburtstag. Ffm. 1997.FS Walter Wallmann 1997. | Hoffmann, Hilmar: Die großen Ffter. Ehrenwürdige Bürger und Ehrenbürger [von Karl dem Großen bis Friedrich von Metzler]. 4., durchges. Aufl. Ffm. 2012.Hoffmann: Die großen Ffter 2012, S. 212-220. | Hoffmann, Hilmar: Fft.s Oberbürgermeister 1945-1995. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Stadt. Ffm. 2012.Hoffmann: Oberbürgermeister 2012, S. 371-450 (m. Literaturangaben auf S. 567-570). | Wiedemeyer, Wolfgang: Gefragt: Walter Wallmann. Bornheim 1977.Wiedemeyer: Walter Wallmann 1977.
Quellen: Archiv für Christlich-Demokratische Politik (ACDP) in der Konrad-Adenauer-Stiftung, Zentralarchiv der Christdemokratie in Deutschland, Sankt Augustin.Nachlass: Archiv für Christlich-Demokratische Politik 01-742. | Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.FR Geschichte 1 (2010): Fft. 1969 bis 1990, S. 32f. | Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.FR Geschichte 5 (2014): Die 80er Jahre in Fft., S. 34-37. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.400. | Munzinger-Archiv. Internationales Biographisches Archiv u. a. Archivdienste für die Medien. Ravensburg 1913-heute.Munzinger, Internationales Biographisches Archiv 12/2014 vom 18.3.2014.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/pnd/118628828Hess. Biografie, 30.6.2016. | Internetseiten der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin. http://www.kas.de/wf/de/37.8379/
Hinweis: Biographischer Artikel von Angela Keller-Kühne über Walter Wallmann.
Konrad-Adenauer-Stiftung, 30.6.2016.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_WallmannWikipedia, 30.6.2016.

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Empfohlene Zitierweise: Tüffers, Bettina: Wallmann, Walter. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/4202

Stand des Artikels: 8.7.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2016.