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Horovitz, Jakob

Jakob Horovitz

Jakob Horovitz
Fotografie [aus Ruppersberg (Hg.): Fft. Das Buch der Stadt 1927, S. 217].

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7P_6890).
Horovitz, Jakob. Dr. phil. Rabbiner. * 30.4.1873 Lauenburg/Pommern, † 16.2.1939 Arnheim (Niederlande).
Ältester Sohn von Markus H. Bruder von Josef und Leo H.
Die Familie übersiedelte 1878 von Gnesen nach Ffm. Besuch des Philanthropins in Ffm. 1894 Abitur am Friedrichsgymnasium in Kassel nach privater Vorbereitung unter Anleitung des Vaters. Anschließend Studium der Philosophie und Geschichte bei Hermann Cohen und Paul Natorp an der Universität Marburg. Seit 1896 Fortsetzung des Studiums an der Universität Berlin und Ausbildung am orthodoxen Berliner Rabbinerseminar. Lebte seit 1897 wieder in Ffm. 1900 Promotion in Marburg. Anlässlich der Erkrankung des Vaters 1901 Übernahme rabbinischer Funktionen als Rabbinatskandidat. Ordination als Rabbiner in Ffm.
Jakob H. führte das Werk seines Vaters fort und wirkte für die Einheit der jüdischen Gemeinde. Seit 1902 orthodoxer Rabbiner der Israelitischen Gemeindesynagoge Unterlindau 23. Seit 1905 zugleich Rabbiner der Synagoge in Bockenheim (Schloßstraße 3-5). Im „Babel-Bibel-Streit“ gehörte H. zu den Kritikern der Auslegung des Alten Testaments, wie sie von dem Assyrologen Friedrich Delitzsch, dem Mitbegründer der Deutschen Orientgesellschaft, vertreten wurde. H. verteidigte den besonderen sittlichen Wert des Alten Testaments gegen Delitzschs panbabylonische Ausführungen, die er über die religionswissenschaftliche Argumentation hinaus als antisemitischen Angriff wertete (vgl. H.’ Schriften „Babel und Bibel. Randglossen zu den beiden Vorträgen Friedrich Delitzschs“, 1904, und „Goethe, Friedrich Delitzsch und das Zehnwort“, 1925). Von 1914 bis 1919 Lehrer für jüdische Religion am Lessing-Gymnasium. Seit 1927 Dozent für jüdische Religionswissenschaft an der Simultanen Pädagogischen Akademie in Ffm. Leiter des jüdisch-orthodoxen Schulwesens in Ffm., u. a. als Rektor der Israelitischen Religionsschule, an der er auch als Dirigent tätig war. Organisierte den jüdischen Religionsunterricht an allen Schulen der Stadt. Bei den christlichen Lehrern in Ffm. stand H. wegen seiner toleranten Religionsauffassung in hohem Ansehen. Leitete die „Zentrale für jüdische Wohlfahrtspflege“. Gründete eine jüdische Erziehungsanstalt in Marburg und ein jüdisches Erholungs- und Altersheim in Ems. 1938 wurde H. durch die Gestapo verhaftet und im KZ Buchenwald interniert, nach Intervention des jüdischen Gemeindevorstands freigelassen. Er emigrierte nach Holland, wo er wenig später an den Folgen der Haft starb.
Stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbands. Mitglied im Großen Rat des Preußischen Landesverbands jüdischer Gemeinden. Vorstandsmitglied der Achduth, einer 1923 in Ffm. gegründeten Vereinigung gesetzestreuer Juden Deutschlands, die gegen den Separatismus jüdischer Organisationen auftrat. Seit 1929 Mitglied (als Nicht-Zionist) in der Jewish Agency for Palestine. Mitglied des Ordens Bne Briss und der Marcus-Horovitz-Loge in Ffm.
H. verfasste zahlreiche religionsphilosophische Werke auf Hebräisch. Von seinen deutschsprachigen Buchveröffentlichungen sind zu nennen: „Untersuchungen zu Philons und Platons Lehre von der Weltschöpfung“ (Dissertation, 1900), „Zur rabbinischen Lehre von den falschen Zeugen“ (1914) und „Die Josephserzählung“ (1921). Dem Ffter Rabbiner Joseph, gen. Juspa, Hahn widmete H. die Studie „Aus der Oxforder Handschrift des Josif Omez“ (erstmals in der Festschrift für Aron Freimann zum 60. Geburtstage, 1935; Neudruck „zur 300. Wiederkehr des Todestages von R. Josef Hahn“, 1937). Auch liegen einige Gedenk- u. a. Reden zu jüdischen Persönlichkeiten und Anlässen in gedruckter Form vor. H. publizierte außerdem in verschiedenen jüdischen Zeitungen und Zeitschriften, u. a. im Ffter Israelitischen Familienblatt, im Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Ffm. (dem späteren Ffter Israelitischen Gemeindeblatt), in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums“ und in „Der Morgen“.
Jakob H. gab mehrere Werke aus dem Nachlass seines Vaters heraus, u. a. „Von Liszka nach Berlin. Reisebilder von Rabbiner Dr. M. Horovitz“ (1914) und „Matte Levi. Responsen zu Orach Chajim und Jore Dea von Dr. Marcus Horovitz“ (1932).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Gudrun Jäger.

Lexika: Bergmann, E. (Hg.): Ffter Gelehrten-Handbuch. Ffm. [1930].Bergmann: Ffter Gelehrten-Hdb. 1930, S. 81. | Bibliographie zur Geschichte der Ffter Juden 1781-1945. Hg. v. der Kommission zur Erforschung der Geschichte der Ffter Juden. Bearb. v. Hans-Otto Schembs mit Verwendung der Vorarbeiten von Ernst Loewy u. Rosel Andernacht. Ffm. 1978.Bibliogr. z. Gesch. d. Ffter Juden, S. 501. | Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933 / International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945. 3 Bde. München/New York/London/Paris 1980-83.Emigrantenlex. I, S. 317. | Heuer, Renate (Bearb.): Bibliographia Judaica. Verzeichnis jüdischer Autoren deutscher Sprache. 4 Bde. Ffm./New York 1982-96.Heuer: Bibliographia Judaica 1 (1982), S. 176. | Jansen, Katrin Nele (Bearb.): Die Rabbiner im Deutschen Reich [1871-1915]. 2 Bde. München 2009. (Biographisches Handbuch der Rabbiner, hg. v. Michael Brocke u. Julius Carlebach, Teil 2).Jansen: Rabbiner im Dt. Reich 2009, Bd. 1, S. 291-293. | Herlitz, Georg/Kirschner, Bruno: Jüdisches Lexikon. Ein enzyklopädisches Handbuch des jüdischen Wissens. 4 Bde. Berlin 1927-30.JL 2 (1928), Sp. 1667f. | Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Hg. v. Archiv Bibliographia Judaica. Redaktionelle Leitung: Renate Heuer. 21 Bde. München, dann (ab Bd. 17) Berlin 1992-2013.Lex. dt.-jüd. Autoren 12 (2008), S. 259-261. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 269.
Literatur:
                        
Arnsberg, Paul: Die Geschichte der Ffter Juden seit der Französischen Revolution. Hg. v. Kuratorium für Jüdische Geschichte e. V., Ffm. Bearb. u. vollendet durch Hans-Otto Schembs. 3 Bde. Darmstadt 1983.Arnsberg: Gesch. d. Ffter Juden 1983, Bd. III, S. 212f. | Arnsberg, Paul: Neunhundert Jahre „Muttergemeinde in Israel“. Ffm. 1074-1974. Chronik der Rabbiner. Ffm. 1974.Arnsberg: Neunhundert Jahre „Muttergemeinde in Israel“ 1974, S. 154-162. | Die jüdischen Schüler und Lehrer am Lessing-Gymnasium 1897-1938. Dokumentation zur Ausstellung der Archiv-AG des Lessing-Gymnasiums Ffm. Begleitdokumentation erstellt von Flavio M. Mazzante. Ffm. 1998.Die jüd. Schüler u. Lehrer am Lessing-Gymnasium 1998, S. 48. | Kobes, Jörn/Hesse, Jan-Otmar (Hg.): Ffter Wissenschaftler zwischen 1933 und 1945. Göttingen 2008. (Schriftenreihe des Ffter Universitätsarchivs 1).Jäger, Gudrun: Der jüdische Islamwissenschaftler Josef Horovitz und der Lehrstuhl für semitische Philologie an der Universität Ffm. 1915-1949. In: Ffter Wissenschaftler 1933-45, S. 68, 71. | Tribüne. Zeitschrift zum Verständnis des Judentums. 51 Jahrgänge. Ffm. 1962-2012.Jäger, Gudrun: Für die Einheitsgemeinde. Markus Horovitz (1844-1910): Orthodoxer Rabbiner in Ffm. In: Tribüne 43 (2004), H. 3, S. 201.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/13.622.

GND: 117009997 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Jäger, Gudrun: Horovitz, Jakob. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/4231

Stand des Artikels: 30.6.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2015.