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Vorwort zur Erstausgabe

Vorwort von Wolfgang Klötzer zur Erstausgabe (1994)

Die „Frankfurter Biographie“ gehört zu den ältesten wissenschaftlichen Plänen der 1906 als Magistratsdeputation eingesetzten Frankfurter Historischen Kommission. Schon die ersten Mitglieder besprachen Grundsätze und Richtlinien und beauftragten den damaligen Frankfurter Archivdirektor Professor Dr. Rudolf Jung mit der Aufstellung einer ersten Personenliste. Sie ist noch erhalten und umfasst gut 1.150 Namen, weniger als der jetzt vorliegende Halbband A – L, von denen nicht einmal alle heutigen Kriterien standhielten. Durch den Ersten Weltkrieg gerieten die Vorarbeiten ins Stocken, 1919 kamen sie ganz zum Erliegen. Die Herausgabe einer „Frankfurter Biographie“ wurde angesichts der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse zurückgestellt, wenngleich es auch in späterer Zeit an neuen Anstößen nicht gefehlt hat und die Liste immer wieder ergänzt wurde.

Doch erst in den sechziger Jahren griff Stadtarchivdirektor Dr. Dietrich Andernacht auf Anregung des Frankfurter Verlegers Dr. Waldemar Kramer und aufgrund eines eingehenden Gutachtens des Frankfurter Historikers Dr. Franz Lerner vom 17. März 1960 den Plan wieder auf und begann mit umfangreichen Personenrecherchen, unterstützt von Frau Karla Ihlder, die erste biographische Kurztexte niederschrieb. Dies war umso leichter möglich, als das Stadtarchiv 1960 mit dem Aufbau einer biographischen Dokumentation (Sammlung S2) begonnen hatte.

1985 hat die Frankfurter Historische Kommission die „Frankfurter Biographie“ wieder in ihre Projektliste aufgenommen und ihr Mitglied Professor Dr. Wolfgang Klötzer mit der Herausgabe betraut. Datenrecherchen und Artikelredaktion übernahmen Sabine Hock (seit 1986) und anschließend Reinhard Frost (seit 1991) in Werkverträgen.

An frankfurtspezifischen biographischen Sammelwerken hat es indes bisher keineswegs gefehlt. Schon 1861 gab Eduard Heyden unter dem Titel „Gallerie berühmter und merkwürdiger Frankfurter“ eine erste Sammlung von annähernd 100 Lebensläufen heraus, und schon 1862 folgte Friedrich Gwinner mit meist kürzeren Biographien in seinem 1867 ergänzten Sammelwerk „Kunst und Künstler in Frankfurt am Main vom 13. Jahrhundert bis zur Eröffnung des Städel’schen Kunstinstituts“ (Neudruck 1975) mit insgesamt etwa 800 Artikeln, das wesentlich durch die Werke von Albert Dessoff („Biographisches Lexikon der Frankfurter Künstler im 19. Jahrhundert“, Kunst und Künstler in Frankfurt am Main im 19. Jahrhundert, hrsg. von H. Weizsäcker und A. Dessoff, Band 2, 1909) und Walther Karl Zülch („Frankfurter Künstler 1223-1700“, 1935, Neudruck 1967) ergänzt wurde und einen Vorläufer schon in H. S. Hüsgens „Nachrichten von Frankfurter Künstlern und Kunstsachen“ (1780) hatte.

1881 erschienen Robert Schrotzenbergers „Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Frankfurt am Main“, eine Mischung von Sachinformationen und Kurzbiographien, die schon 1884 eine zweite Auflage erlebten. Auch unter den 453 Artikeln der von Waldemar Kramer und Franz Lerner herausgegebenen „Bilder zur Frankfurter Geschichte“ (1950) finden sich viele Frankfurter.

Nach den Künstlern haben auch andere gesellschaftliche Gruppen biographische Sammelbetrachtung gefunden. Ein „Alphabetisches Verzeichnis der Ärzte und Naturforscher“ bildet den zweiten Teil (S. 201-457) des stupenden Handbuchs von Wilhelm Kallmorgen „Siebenhundert Jahre Heilkunde in Frankfurt am Main“ (1936). „Die Frankfurterin“ rückte erstmals 1946 durch Alfons Paquet und Josefine Rumpf-Fleck mit 86 Bildern und Kurzbiographien ins prosopographische Blickfeld. „Die evangelischen Pfarrer von Frankfurt am Main“ sammelten Jürgen Telschow und Elisabeth Reiter (Schriftreihe des Ev. Regionalverbandes Frankfurt a. M., Band 6, 1980). Für die Personengeschichte der Frankfurter Juden ist der 3. Band (Biographisches Lexikon) des von Paul Arnsberg nachgelassenen, von Hans-Otto Schembs herausgegebenen Werks „Die Geschichte der Frankfurter Juden seit der Französischen Revolution“ (1983) unentbehrlich. Erst kürzlich legte Barbara Dölemeyer in gediegener Bearbeitung die Biographien von 737 „Frankfurter Juristen im 17. und 18. Jahrhundert“ vor (Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte, hrsg. vom Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte Frankfurt a. M., Band 60, 1993). Einen „Wegweiser zu den Grabstätten bekannter Persönlichkeiten auf Frankfurter Friedhöfen“ mit entsprechenden Kurzbiographien, bearbeitet von Johannes Kintzel und Paul Bierwirth, gab 1954 das Friedhofs- und Bestattungsamt heraus (Neuauflagen 1966, 1985 und 1994).

Schon 1929 war aus der Zettelsammlung von biographischem Schrifttum des Frankfurter Bibliothekars Arthur Richel unter dem Titel „Literatur zur Familien- und Personengeschichte“ (Stadtbibliothek Frankfurt a. M., Katalog der Abt. Frankfurt, Band 2) das bis heute unentbehrliche Nachschlagewerk all der Frankfurter und Frankfurterinnen entstanden, die bis 1928 irgendwie und irgendwo literarisch Berücksichtigung gefunden hatten. Vor allem die vielen Tausend hier Erfassten bildeten neben den Personenkarteien des Instituts für Stadtgeschichte (Stadtarchiv) und den Vorschlagslisten der Historischen Kommission die Grundlage für die Auswahl zur „Frankfurter Biographie“.

Der nun vorliegende erste Band A – L, der erfreulicherweise im Frankfurter Jubiläumsjahr 794 / 1994 erscheint, enthält 1.267 biographische Artikel (Personen und Familien) und soll bald durch einen zweiten Band M – Z ergänzt werden. Aufgenommen wurden nur Verstorbene. Ausschlaggebend für die Auswahl war der Frankfurt-Bezug einer Person, d. h. sie musste die Stadtgeschichte mitgeprägt haben, aber nicht unbedingt in Frankfurt geboren und/oder gestorben sein (z. B. Bismarck, Karl der Große, Ludwig Landmann). Dabei ist die Zahl der Frauen bedauerlicherweise gering (knapp 7 %), was sich aber aus der Länge des Zeitraums seit dem 8. Jahrhundert erklärt, in dem die „männliche Gesellschaft“ dominierte und auch eine „männliche“ Geschichtsschreibung Frauenschicksale, von Ausnahmen abgesehen (Maria Sibylla Merian, Catharina Elisabeth Goethe, Bettine Brentano u. a.), im Hintergrund beließ. Erst mit dem Eindringen der Frau in die bisher fast ausschließlich von Männern dominierten Bereiche der Politik, Wissenschaft und Wirtschaft seit dem Ende des 19. Jahrhunderts werden Frauenbiographien häufiger.

1.267 Personen bzw. Familien decken ein breites gesellschaftliches Spektrum ab. Wesentliche Strukturen des öffentlichen Lebens in Politik, Handel, Handwerk, Industrie, Bildung, Wissenschaft, Literatur, Kunst, Religion, Sport u. a. m. werden durch die Lebensläufe verdeutlicht. Aufgrund der Einzelschicksale entstand so eine „personenbezogene Stadtgeschichte“, was durchaus in der Absicht der Herausgeber lag.

Die „Frankfurter Biographie“ versteht sich deshalb auch nicht in erster Linie als wissenschaftliches Nachschlagewerk, sondern vor allem als Lesebuch für interessierte Laien und Frankfurt-Freunde. Auf einen genealogischen Apparat und biographische Quellen- und Literaturnachweise wurde [in der Erstausgabe] bewusst verzichtet. Hinweise auf die hauptsächlich verwendeten allgemeinen Quellen (Personenstandsregister, Familienattestate, Sammlung S2 des Instituts für Stadtgeschichte u. a.), biographische Sammelwerke und Spezialliteratur wird der zweite Band enthalten. Weitere gewünschte Auskünfte erteilt das Institut für Stadtgeschichte (Stadtarchiv) auf schriftliche Anfrage aus der eigens für die „Frankfurter Biographie“ angelegten Kartei.

Die Artikel wurden in der Mehrzahl von Sabine Hock, zum geringeren Teil von Reinhard Frost recherchiert und geschrieben. Einzelne Artikel wurden an Fachautoren vergeben und sind mit deren Namen gezeichnet. Fast 200 Porträts ermöglichen den optischen Zugang zu vielen, oft selten abgebildeten Frankfurterinnen und Frankfurtern.

Gedankt sei allen an dem Werk Beteiligten, der Frankfurter Historischen Kommission für die Aufnahme in die Hauptreihe ihrer Veröffentlichungen, der Stadt Frankfurt am Main für die Finanzierung.

Frankfurt am Main, am 22. Februar 1994, dem Tag seines 1.200-jährigen Jubiläums

Wolfgang Klötzer

Aus: FB I (1994), S. 5-7.