Melem, Patrizierfamilie von

M. leitet sich aus dem Namen Mühlheim in den Schreibweisen Melenheim, Melnheym, Melym ab.
Seit 1421 sind die M. als Besucher der Ffter Messe nachgewiesen. Als erster aus der bis dahin hauptsächlich in Köln und Umgebung ansässigen Familie erwarb im Jahr 1456 Johann von M. d. Ä. das Ffter Bürgerrecht. Nach dem Tod seines Vaters Jacob von M. (1380-1445) hatte seine Mutter Charisma, geb. von Budersbach († nach 1452), bereits 1446 das Haus zum Krebs am Fahrtor gekauft, das den M. schon seit längerer Zeit als Ffter Messeherberge diente. Nach der Verleihung des roten Krebses als Familienwappen (1473) zierte ein entsprechendes Wappenschild die Frontseite des Steinernen Hauses, des Stammsitzes der Familie M. seit 1464. Die Fähigkeit des Krebses, vorwärts wie rückwärts laufen zu können, wurde als sinnreiche Metapher für den Namen Melem empfunden, der als Palindrom die gleiche Eigenschaft besitzt.
Erst 1496 wurden die M. in wirtschaftlicher und familiärer Hinsicht endgültig in Ffm. sesshaft und somit auch im politischen Leben der Stadt aktiv. Die Großhändlerfamilie (u. a. Edelstein- und Leinwandhandel) fand bald Aufnahme in die Ffter Patriziergesellschaft. In der Mitte des 16. Jahrhunderts stellte die Familie mit Oger von M. mehrmals den Älteren Bürgermeister. Um dieselbe Zeit legte die Familie das (bis 1637 geführte) „M.’sche Hausbuch“ an, eine aufwendig gestaltete Familienchronik, die mit ihren fast 250 prachtvollen Kostümzeichnungen ein kultur- und kunstgeschichtliches Zeugnis ersten Ranges bildet.
Mit dem Ratsherrn und Schöffen Philipp Ludwig von M. (1604-1654) erlosch der männliche Zweig der Familie in Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 31f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.

Literatur:
                        
Gerber, Harry: Das Melemsche Hausbuch. Bilder vom Leben und Brauch eines Ffter Geschlechts im 15. bis. 17. Jahrhundert. Ffm. 1938. (Groß-Ffter Volks- und Brauchtum in alter und neuer Zeit 1).Gerber: Das Melemsche Hausbuch 1938. | Hohmeyer, Andrea/Rühl, Jasmin S./Wintermeyer, Ingo (Hg.): Spurensuche in Sprach- und Geschichtslandschaften. Festschrift für Ernst Erich Metzner. Münster/Hamburg/London 2003. (Germanistik 26).Frost, Reinhard: Im Zeichen des Krebses. Die Ffter Kaufmannsfamilie Melem. In: Hohmeyer/Rühl/Wintermeyer (Hg.): Spurensuche 2003, S. 179-191. | Lenz, Rudolf u. a.: Katalog der Leichenpredigten und sonstiger Trauerschriften in Bibliotheken und Archiven der Vogelsbergregion. Marburg 1987. (Marburger Personalschriften-Forschungen, Bd. 9).Zu Philipp Ludwig von Melem (1604-1654): Lenz: Leichenpredigten 1987, S. 164. | Walther, Rolf: Das Hausbuch der Familie Melem. Ein Trachtenbuch des Ffter Patriziats aus dem 16. Jahrhundert. Ffm. 1968.Walther: Hausbuch d. Familie Melem 1968.
Quellen: ISG, Fichard: Ffter Geschlechtergeschichte, 347 Faszikel mit Materialsammlungen über die bedeutendsten Familien der Stadt, [ca. 13. Jh.] bis ca. 1810.ISG, Fichard 197 (Melem). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/460.

GND: 12222499X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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3 herausragende Vertreter der Familie in Ffm.

Melem, Johann von, gen. d. Ä.

Melem, Johann von, gen. d. Ä. Kaufmann. * 12.7.1433 Köln, † 20.3.1484 Ffm.
Gemeinsam mit seinen Brüdern gehörte M. einer Kölner Handelsgesellschaft an, die häufig auf der Ffter Messe vertreten war. 1454 heiratete er die Ffter Patriziertochter Gredge von Dorfelder († 1486) und erwarb 1456 das Ffter Bürgerrecht. Durch seinen Handel mit Leinwand und Edelsteinen bald zu Reichtum gekommen, erwarb er 1462 die Häuser Bornfleck und Rauchfaß, die er kurz darauf abreißen ließ. An gleicher Stelle errichtete er ab 1464 das später so genannte „Steinerne Haus“ (stark zerstört 1944, wiederaufgebaut 1962). Die rheinische Herkunft der Familie M. dokumentierte sich in der architektonischen Gestaltung dieser Patrizierburg, welche augenfällig den zwei Jahrzehnte älteren Kölner Gürzenich zum Vorbild hatte. Die Madonnenfigur an der Südwestecke des Steinernen Hauses trug angeblich die Züge von M.s jüngster Tochter Ursula († 1526), worum sich eine erfundene Liebesgeschichte rankt, die später in den Ffter Sagenschatz eingegangen ist. Durch den Ankauf weiterer Grundstücke und Häuser konnte M. den Familienbesitz stark erweitern. In dem gemeinsam mit seiner Frau kurz vor seinem Tod abgefassten Testament vermachte er den Hauptteil des Vermögens seinem gleichnamigen Sohn Johann von M.

Literatur:
                        
Hohmeyer, Andrea/Rühl, Jasmin S./Wintermeyer, Ingo (Hg.): Spurensuche in Sprach- und Geschichtslandschaften. Festschrift für Ernst Erich Metzner. Münster/Hamburg/London 2003. (Germanistik 26).Frost, Reinhard: Im Zeichen des Krebses. Die Ffter Kaufmannsfamilie Melem. In: Hohmeyer/Rühl/Wintermeyer (Hg.): Spurensuche 2003, S. 182f.
Internet: Das Ffter Patriziat, Seite mit Informationen (u. a. genealogische Datenbank) zum Ffter Patriziat, ein Projekt der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung Ffm., bearb. v. Andreas Hansert. https://frankfurter-patriziat.de/node/90790Ffter Patriziat, 2.1.2019.

Melem, Johann von, gen. d. J.

Melem, Johann von, gen. d. J. Kaufmann. * um 1455 Köln, † 29.4.1529 Ffm.
Sohn von Johann von M. d. Ä. und dessen Ehefrau Margarethe (auch: Gredge), geb. von Dorfelden (auch: von Dorfelder; † 1486).
Im M.’schen Hausbuch wird erwähnt, dass der Knabe am 15.10.1464 den symbolischen Grundstein zum Steinernen Haus legte. Nach dem Tod seines Vaters führte er dessen Handelsgeschäfte, noch vorwiegend in Köln, weiter. In erster und zweiter Ehe war M. mit Töchtern aus Kölner Patrizierfamilien verheiratet. Mit seiner zweiten Frau Drutge († 1490) siedelte er 1487 nach Ffm. über. 1494 wallfahrte M. zum Heiligen Grab nach Santiago de Compostela. 1496 heiratete er in dritter Ehe die Ffterin Margarethe Ugelnheimer († 1552), gab endgültig sein Kölner Bürgerrecht auf und gewann nach seiner Aufnahme in die Patriziergesellschaft Frauenstein bald an politischem Einfluss. 1511 wurde er Ratsherr, 1516 Jüngerer Bürgermeister. In seinen letzten Lebensjahren führte er den Titel eines Burggrafen der Gesellschaft Frauenstein. In wirtschaftlicher Hinsicht konzentrierte sich M. vor allem auf den Blei- und Kupferhandel. Von 1526 bis zu seinem Tod betätigte er sich auch als Faktor der Kupferhütte Leutenberg bei Saalfeld. M. starb auf seinem Landhaus im Bockenheimer Garten und wurde, gleich dem Vater, im Ffter Dom beigesetzt.
M. führte ein Familienbuch, das als Abschrift in das spätere M.’sche Hausbuch übernommen wurde.
Auf einem ausdrucksstarken Porträt (von unbekannter Hand, 1491/92; im Besitz der Alten Pinakothek in München) ist M. als selbstbewusster Großkaufmann dargestellt.

Literatur:
                        
Hohmeyer, Andrea/Rühl, Jasmin S./Wintermeyer, Ingo (Hg.): Spurensuche in Sprach- und Geschichtslandschaften. Festschrift für Ernst Erich Metzner. Münster/Hamburg/London 2003. (Germanistik 26).Frost, Reinhard: Im Zeichen des Krebses. Die Ffter Kaufmannsfamilie Melem. In: Hohmeyer/Rühl/Wintermeyer (Hg.): Spurensuche 2003, S. 183f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.205.
Internet: Das Ffter Patriziat, Seite mit Informationen (u. a. genealogische Datenbank) zum Ffter Patriziat, ein Projekt der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung Ffm., bearb. v. Andreas Hansert. https://frankfurter-patriziat.de/node/90797Ffter Patriziat, 25.1.2019.

Melem, Oger von

Melem, Oger von. Kaufmann. Stadtpolitiker. * 5.6.1499 Ffm., † 21.9.1575 Ffm.
Sohn von Johann von M. d. J. und dessen dritter Ehefrau Margarethe, geb. Ugelnheimer († 1552).
M. wurde als erstes Mitglied seiner Familie in die Patriziergesellschaft Alten-Limpurg aufgenommen. Seit 1535 Ratsherr. 1545, 1550 und 1553 Älterer Bürgermeister. Seit 1540 war er Gesandter der Stadt Ffm. und nahm an den Reichstagen in Worms, Regensburg und Augsburg teil. M. galt als der politisch versierteste Ratsherr seiner Zeit. Nach Beendigung des Schmalkaldischen Kriegs 1547 und bei der Belagerung Fft.s 1552 verhandelte er persönlich mit Kaiser Karl V. und konnte durch sein diplomatisches Geschick größeren Schaden von Ffm. abwenden.
Die gesellschaftliche Voraussetzung für seine politische Tätigkeit hatte M. 1522 durch die Heirat mit der Patriziertochter Katharina Brun zu Br(a)unfels geschaffen. Wahrscheinlich anlässlich der Silberhochzeit ließ M. 1547 eine Wappendecke (in niederländischer Gobelinarbeit) anfertigen, die die Verbindung beider Familien dokumentiert. Zum gleichen Zweck und etwa um die gleiche Zeit wurde unter M. das „M.’sche Hausbuch“ angelegt. Diese in der Mitte des 14. Jahrhunderts ansetzende Familienchronik der M. und Brun wurde durch die Kostüm- und Wappenzeichnungen des Nürnberger Malers Heinrich Lautensack prachtvoll ausgestaltet. Fortgesetzt und vervollständigt wurde das Hausbuch unter M.s Enkel, dem Ratsherrn Johann von M. (1555-1613), der auch und Vorsteher des Ffter Kirchen- und Schulwesens war.
Das „M.’sche Hausbuch“ wird in der Privilegienkammer des ISG aufbewahrt.
M.straße im Ffter Nordend.

Literatur:
                        
Hohmeyer, Andrea/Rühl, Jasmin S./Wintermeyer, Ingo (Hg.): Spurensuche in Sprach- und Geschichtslandschaften. Festschrift für Ernst Erich Metzner. Münster/Hamburg/London 2003. (Germanistik 26).Frost, Reinhard: Im Zeichen des Krebses. Die Ffter Kaufmannsfamilie Melem. In: Hohmeyer/Rühl/Wintermeyer (Hg.): Spurensuche 2003, S. 184-186.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/13.932.
Internet: Das Ffter Patriziat, Seite mit Informationen (u. a. genealogische Datenbank) zum Ffter Patriziat, ein Projekt der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung Ffm., bearb. v. Andreas Hansert. https://frankfurter-patriziat.de/node/90807Ffter Patriziat, 25.1.2019.

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Melem, Patrizierfamilie von. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/488
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Stand des Artikels: 14.5.1993