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Migge, Leberecht

Migge, Leberecht. Gartenarchitekt. * 20.3.1881 Danzig, † 30.5.1935 Berlin.
Ab 1898 Gartenbaulehre. Von 1904 bis 1913 künstlerischer Leiter der Hamburger Landschaftsbaufirma Jacob Ochs. Beeinflusst durch Max Läuger (1864-1952), wandte sich M. dem architektonischen Reformgarten zu. 1910 Studienreise nach England und Bekanntschaft mit der Gartenstadtidee. 1911 Gartengestaltungen für Ochs in Dresden-Hellerau. Ab 1913 selbstständige Tätigkeit in Altona-Blankenese. Publizistisches Engagement für soziale Aspekte des Themas „Großstadt und Garten“ in Debatten um öffentliche Parks. 1913 Gestaltung des Gartens für den Kunstsammler und -mäzen Karl Ernst Osthaus (1874-1921) an dessen Haus Hohenhof in Hagen. Von 1916 bis 1920 Planung und Ausführung von Ehrenfriedhöfen, u. a. für die Marine in Wilhelmshaven. Nach dem Ersten Weltkrieg empfahl M. als Reaktion auf Nahrungsmangel, Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot die Selbstversorgung auf Pflanzenbasis in genossenschaftlichen Siedlungen. Auf der Ffter Messeausstellung „Hof und Garten“ 1919 hielt er einen Vortrag über „Kulturtechnik und Erhöhung der Bodenerzeugung“. Ab 1920 lebte M. mit zehnköpfiger Familie auf dem Sonnenhof in Worpswede; dort Gründung der „Siedler-Schule“ und Kooperation mit der von Heinrich Vogeler (1872-1942) geleiteten „Arbeitsschule Barkenhof“. M. war u. a. an Siedlungs- und Freiraumplanungen in Leipzig, Rüstringen, Berlin, Kiel und Grünberg/Schlesien beteiligt.
Von 1923 bis 1929 gab M. die Zeitschrift „Die Siedlungswirtschaft“ heraus, die als Beilage des von Ernst May publizierten Blattes „Schlesisches Heim“ erschien. Er bezeichnete sich als „Spartakus in Grün“, wirkte an Wohnsiedlungen in Celle (Georgsgarten), Berlin (Britz, Hufeisensiedlung, Onkel Toms Hütte, Siemensstadt) und Dessau-Ziebigk mit und arbeitete mit Architekten wie Leopold Fischer, Otto Haesler, Adolf Loos, Hermann Muthesius, Bruno Taut, Henry van de Velde und Martin Wagner zusammen. In Ffm. übernahm M. 1927-28 die Freiraumplanung in den Siedlungen Römerstadt und Praunheim, wo von ihm konzipierte Gärten entstanden. In einem von Stadtbaurat May beauftragten Gutachten zur „Grünpolitik der Stadt Ffm.“ empfahl er „Nahrungssiedlungen“ mit Fäkalien- und Abfallaufbereitung für Dung sowie Verwertung von Schmutzwasser. Der Anbau von Nutzpflanzen sollte die Haushalte der Familien in „Siedlungen für Jedermann“ entlasten. M.s Vorstellungen basierten auf einer widersprüchlichen Mischung aus Kollektivierungs- und „Zurück zur Natur“-Forderungen und waren nur bedingt mit den Konzepten Mays oder denen von Gartenbaudirektor Max Bromme vereinbar, der im Niddatal ein Natur- und Naherholungsgebiet bevorzugte. 1932 kritisierte M. die von Ffm. in die Sowjetunion abgewanderte May-Gruppe für die „Oberflächlichkeiten“ im Städtebau der Neuen Sachlichkeit.
M. gestaltete auch Privatgärten für befreundete Architekten wie Ernst May und Martin Elsaesser, deren Anlagen in Ffm.-Ginnheim (1926) er in Gebrauchs- und Freizeitflächen aufteilte. Er experimentierte mit Gartenausrüstung, scheute nicht den Einsatz von Maschinen und propagierte einen zukünftigen „hochtechnisierten Arbeitsgarten“. 1930-32 schuf M. in Zusammenarbeit mit Elsaesser auf dem Landsitz von Philipp F. Reemtsma (1893-1959) in Altona-Othmarschen einen großen Freizeit- und Versuchsgarten. Der Zigarettenfabrikant unterstützte auch eine von M. zusammen mit dem „Biosophen“ Ernst Fuhrmann (1886-1956) gegründete „Supravitalisations-Gesellschaft“ zur wirtschaftlichen Optimierung von Nutzpflanzen.
M. führte eine offene Beziehung mit Elisabeth, gen. Liesel, Elsaesser, geb. Wilhelm (1890-1980), der Ehefrau von Martin Elsaesser. 1932 zog das Paar in die Nähe von Berlin, auf eine Insel im Seddinsee bei Köpenick, wo es einen Versuchsgarten führte. Nicht nur dieses Projekt wurde durch M.s frühen Tod infolge eines Krebsleidens beendet.
Seit den 1970er Jahren erfreuen sich M.s „grüne“ Ideen einer positiven Rezeption.
Veröffentlichungen (in Auswahl): „Jedermann Selbstversorger! Eine Lösung der Siedlungsfrage durch neuen Gartenbau“ (1919), „Das grüne Dach“ (in: Das Neue Fft., 1927), „Grünpolitik der Stadt Ffm.“ (in: Der Städtebau, 1929) und „Neue Stadt? Offener Brief an den Herausgeber“ (in: die neue stadt, 1932).
Leberecht-M.-Archiv an der Universität Kassel. Der planerische Nachlass ging größtenteils verloren, während der persönliche Nachlass von der Familie nach M.s Tod vernichtet wurde. Ein Bestand von rd. 320 Originalplänen und -skizzen von M. wurde 2015 im Nachlass eines ehemaligen Mitarbeiters, des späteren Zürcher Landschaftsarchitekten Walter Leder (1892-1985), im Archiv für Schweizer Landschaftsarchitektur an der Hochschule für Technik in Rapperswil (Schweiz) entdeckt.
Leberecht-M.-Anlage auf dem Riedberg.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Jörg Schilling.

Lexika: Gröning, Gert/Wolschke-Bulmahn, Joachim: Grüne Biographien. Biographisches Handbuch zur Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Berlin/Hannover 1997.Gröning/Wolschke-Bulmahn: Grüne Biographien 1997, S. 261-264. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Jürgen von Reuß in: NDB 17 (1994), S. 488f.
Literatur:
                        
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Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.826.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Leberecht_MiggeWikipedia, 6.7.2016.

GND: 118582321 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Schilling, Jörg: Migge, Leberecht. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/4977

Stand des Artikels: 26.1.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2016.