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Möller, Walter

Oberbürgermeister der Stadt Ffm. von 1970 bis 1971.

Walter Möller

Walter Möller
Fotografie von Kurt Weiner (Ausschnitt).

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7P1998_10082).
Möller, Kurt Walter. Kommunalpolitiker. * 7.4.1920 Ffm., † 16.11.1971 Wiesbaden, begraben in Ffm.
Sohn von Karl M. (1876-1922) und dessen Ehefrau Maria M., geb. Ploennigs (1879-1963). Der Vater, von Beruf Schmied, war von 1906 bis 1908 Gewerkschaftssekretär in Hannover, von 1908 bis 1918 Bevollmächtigter des Metallarbeiterverbands in Ffm., von 1913 bis 1919 Ffter Stadtverordneter für die SPD, Mitglied des Arbeiterrats, seit 17.7.1919 besoldeter Stadtrat in Ffm., zuständig für das Arbeitsamt, Vorkämpfer der Arbeitslosenversicherung und der kommunalen Arbeitsbeschaffung.
Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs Walter M. in dem niedersächsischen Dorf Bierbergen auf, besuchte dort die Volksschule und später das Realgymnasium in Hildesheim und Berlin-Neukölln. Da die Nationalsozialisten der Familie aus politischen Gründen die Rente entzogen, begann er 1935 in Ffm. eine Buchdruckerlehre, meldete sich aber vor dem Abschluss 1937 freiwillig zur Luftwaffe, um der Eingliederung in NS-Organisationen zu entgehen. Nach einer Ausbildung zum Funktechniker wurde er im Krieg als Unteroffizier vor allem in Nordafrika eingesetzt.
Nach dem Krieg absolvierte M. den ersten Lehrgang der Akademie der Arbeit in Ffm., arbeitete als freier Mitarbeiter für den Schulfunk des HR und ab 1949 als Redakteur der Parteizeitung der hessischen SPD. 1956 übernahm er die Leitung der Ffter Volkshochschule.
Unter dem Einfluss seines Schwagers Georg Stierle entwickelte sich M. zum marxistisch geprägten Sozialdemokraten. Zeitweise war er Bezirksvorsitzender der südhessischen Jungsozialisten, seit 1950 Mitglied des Vorstands im SPD-Unterbezirk. Bereits 1948 zum Stadtverordneten der SPD in Ffm. gewählt, rückte er 1953 zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden auf. In der Ffter SPD galt M. lange als kämpferischer Exponent der radikalen Linken. Noch 1959 stimmte er beim SPD-Bundesparteitag in Godesberg zusammen mit einer radikalen Minderheit von nur 16 Delegierten gegen die Verabschiedung des neuen Grundsatzprogramms, das die Entwicklung von der marxistischen Arbeiterpartei zur reformorientierten Volkspartei markierte.
Mit wachsender Verantwortung in der Kommunalpolitik bemühte sich M., den Begriff „links” mit den Worten „fortschrittlich und volksnah” zu erläutern, und definierte seine eigene parteipolitische Position „links von der Mitte”. Gleichzeitig suchte er die radikalen Jungsozialisten und Teile der „Außerparlamentarischen Opposition“ in die SPD zu integrieren. Bei den erregten, ideologisch aufgeheizten und fanatisierten Debatten, die in der Folge der Studentenrevolte um 1968 die Versammlungen des traditionell linken SPD-Unterbezirks bestimmten, kämpfte er entschlossen gegen das „imperative Mandat” und dessen Tendenz zur unmittelbaren Parteiherrschaft. Parteitagsbeschlüsse wollte er lediglich als „Willensäußerung“ verstanden wissen, nicht aber als bindende Aufträge an die Fraktion der Stadtverordneten und die Magistratsmitglieder. Die Grundsätze der Kommunalverfassung und der parlamentarischen Demokratie wollte er nicht antasten lassen. Auch hielt er an der „Römerkoalition“ und der Besetzung von Magistratspositionen durch alle demokratischen Parteien fest.
Als Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung engagierte sich M. sehr stark für die Probleme des öffentlichen Personennahverkehrs. Deshalb wurde er 1961 zum besoldeten Stadtrat gewählt, um als Chef des neuerrichteten Verkehrsdezernats für die Aufstellung eines Generalverkehrsplans und den Bau einer leistungsfähigen U-Bahn zu sorgen. Seiner Arbeitsenergie und Durchsetzungsfähigkeit war es zu danken, dass bereits am 4.10.1968, fünf Jahre nach dem Beginn der Bauarbeiten, die erste Teilstrecke in Betrieb genommen werden konnte. Nach diesem Erfolg übertrug man ihm auch noch die Zuständigkeit für die Stadtwerke und die Energie- und Wasserversorgung. Zahlengläubig, zutiefst überzeugt von der Planbarkeit und Berechenbarkeit der menschlichen Gesellschaft und bisweilen fast geblendet von Visionen des technischen Fortschritts konzentrierte er sich immer stärker auf die Aufgaben der kommunalen Gesamtentwicklungsplanung.
Nach dem Tod des Oberbürgermeisters Brundert am 7.5.1970 waren sich die Parteien schnell einig: Der „linke Realpolitiker” Walter M. sollte das Amt übernehmen. Schon am 11.6.1970 wählte das Stadtparlament den dynamischen und charismatischen Mann mit 64 von 77 Stimmen zum Oberbürgermeister. Am 9.7.1970 wurde er in das Amt eingeführt. Sofort begann M., die Defizite der Stadtpolitik zu beheben. Durch eine Neuordnung der Kultur und Künste im Geist der Aufklärung und des sozialen Ausgleichs hoffte er, der Metropole Fft. eine neue urbane Identität zu verschaffen. Für das Kulturdezernat gewann er Hilmar Hoffmann, der in Oberhausen durch die Leitung der Volkshochschule und die Gründung der Internationalen Kurzfilmtage bekannt geworden war und ein Programm „Kultur für alle“ entwickelte. M. selbst setzte auf einer Fraktionsklausur Anfang 1971 gegen erbitterte Widerstände in der SPD durch, den Wiederaufbau des Opernhauses und dessen Nutzung als Konzerthaus („Alte Oper“) in Angriff zu nehmen. Gemeinsam mit Hoffmann präsentierte er voller Optimismus eine „Vereinbarung über die erweiterte Mitbestimmung im künstlerischen Bereich der Städtischen Bühnen“. Doch sollte dieses Mitbestimmungsmodell später auf katastrophale Weise an den chaotischen Obsessionen der Theaterleute scheitern.
Ausgehend von den Widersprüchen zwischen administrativen Kompetenzen und wirtschaftsräumlichen Erfordernissen entwickelte M. das Modell einer „Regionalstadt“. Bis zum Jahr 2000 sollten im Rhein-Main-Gebiet neue Formen der politischen Entscheidungsfindung und neue Funktionen der kommunalen Selbstverwaltung entstehen. Dieses Konzept zur Lösung der Stadt-Umland-Beziehungen stieß freilich auf Widerstände quer durch alle Parteien und wirtschaftlichen Interessengruppen. So blieb der „Möller-Plan” ein unerfülltes Vermächtnis, als der Oberbürgermeister in Ausübung seiner Dienstgeschäfte auf der Rückfahrt von Wiesbaden einem Herzinfarkt erlag.
Porträt (von Ferry Ahrlé, 1975) in der Galerie der Oberbürgermeister vor dem Magistratssitzungssaal im Römer.
Städtisches Ehrengrab auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann II 202c).
Walter-M.-Platz im Nordwestzentrum. Walter-M.-Plakette, verliehen seit 1977 von der Stadt Ffm. an Gruppen, Gemeinschaften und Bürgerinitiativen, die sich für das Gemeinwohl in Ffm. einsetzen; die Plakette wurde zunächst (1977-82) jährlich und wird seit 1986 alle zwei Jahre vergeben.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Dieter Rebentisch.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 59f., verfasst von: Dieter Rebentisch.

Literatur:
                        
Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984). Ffm. 1984. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 501f. | Felsch, Margot: Aus der Chef-Etage des Römers. Begegnungen mit den Ffter Oberbürgermeistern Walter Kolb, Werner Bockelmann, Willi Brundert, Walter Möller, Rudi Arndt und Walter Wallmann. Ffm. 1981.Felsch: Aus der Chef-Etage des Römers 1981, S. 105-132. | Hoffmann, Hilmar: Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten. Erinnerungen. Hamburg 1999. Neufassung u. d. T.: Erinnerungen. „Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten“. Ffm. 2003. (suhrkamp taschenbuch 3284).Hoffmann, Hilmar: Erinnerungen 1999, Neufassung 2003. | Hoffmann, Hilmar: Fft.s Oberbürgermeister 1945-1995. Ein Beitrag zur Kulturgeschichte der Stadt. Ffm. 2012.Hoffmann: Oberbürgermeister 2012, S. 253-302 (m. Literaturangaben auf S. 561-563). | Kittel, Manfred: Marsch durch die Institutionen? Politik und Kultur in Fft. nach 1968. München 2011. (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 86).Kittel: Marsch durch die Institutionen? 2011, S. 60f., 66ff., 324ff., 398. | Möller, Walter: Was bleibt. Walter Möller in seinen Aufsätzen, Reden, Zitaten, Interviews. Hg. v. Presse- und Informationsamt der Stadt Ffm. Ffm. 1972.Möller: Was bleibt 1972. | Müller-Raemisch, Hans-Reiner: Ffm. Stadtentwicklung und Planungsgeschichte seit 1945. Studienausgabe. Ffm./New York 1998.Müller-Raemisch: Stadtentwicklung u. Planungsgeschichte 1998, S. 165. | Tüffers, Bettina: Von der Römerkoalition zur Parteienkonkurrenz. Geschichte der Ffter Stadtverordnetenversammlung, Bd. IV: 1946-1989. Ffm./Wiesbaden 2011. (Veröffentlichungen der Ffter Historischen Kommission, Bd. XXIV).Tüffers: Stvv. IV 2011, S. 97-104, 146-154, 177-181.
Quellen: ISG, Aktenbestand des Kulturamts, 1926-80.ISG, Kulturamt 1.877 (Porträts der Oberbürgermeister Walter Möller und Willi Brundert, 1970-75). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/440 a-c. | Munzinger-Archiv. Internationales Biographisches Archiv u. a. Archivdienste für die Medien. Ravensburg 1913-heute.Munzinger, Internationales Biographisches Archiv 48/1971 vom 22.11.1971.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/5072Hess. Biografie, 16.7.2015. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_M%C3%B6ller_%28SPD%29 - https://de.wikipedia.org/wiki/Walter-M%C3%B6ller-Plakette - Wikipedia, 16.7.2015. | Zeitgeschichte in Hessen – Daten · Fakten · Hintergründe, Modul des Landesgeschichtlichen Informationssystems Hessen (LAGIS) zur jüngsten Geschichte Hessens (seit 1945), erstellt vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg, Konzeption und Bearbeitung: Otto Volk. http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsrec/current/14/sn/edb?q=m%C3%B6ller
Hinweis: Beitrag von KU [d. i. Kai Umbach] zum „Tod des Ffter Oberbürgermeisters Walter Möller, 16. November 1971“.
Zeitgeschichte in Hessen, 16.7.2015.


© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Rebentisch, Dieter: Möller, Walter. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/545

Stand des Artikels: 24.7.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2015.