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Rumpff, Ludwig

Ludwig Rumpff

Ludwig Rumpff
Zeichnung (aus der Kleinen Presse, 30.6.1885).

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7P1998_Rumpff_Karl_Ludwig_Franz_1).
Rumpff, Carl Ludwig Franz, gen. Louis. Königlicher Polizeirat. Dr. jur. Kriminalkommissar. * 9.2.1822 Ffm., † 13.1.1885 Ffm.
Der aus alter Ffter Familie stammende R. war ursprünglich Leutnant beim Ffter Linienmilitär. Nach einem schweren Reitunfall musste er 1852 seine Offizierslaufbahn aufgeben und studierte daraufhin Jura. 1855 Promotion in Heidelberg. 1857 Eintritt als Kommissar in den Dienst der Ffter Polizei. Seit 1863 Polizeiassessor. Seit 1867 Königlich preußischer Polizeirat. R. galt als äußerst tüchtiger und zugleich unerbittlicher Kriminalist. Nach dem Erlass des Sozialistengesetzes 1878 widmete er als Chef der Kriminalabteilung und der politischen Polizei sich besonders intensiv der rücksichtslosen Verfolgung und Unterdrückung der Arbeiterbewegung, wobei er sich allerdings auch zweifelhafter Methoden bediente. Zur kriminalistischen Leidenschaft wurde ihm speziell die Bekämpfung des Anarchismus, der damals mit terroristischen Gewaltakten ganz Europa in Atem hielt. Nachdem anarchistische Gruppen am Tag des Kaiserbesuchs zur Eröffnung des Opernhauses 1880 eine große Flugblattaktion in Ffm. gestartet hatten, ließ R. eine riesige Ermittlungsmaschinerie anlaufen, womit er unter dem fragwürdigen Einsatz eines Polizeispitzels rasche Erfolge erzielte. Auch nach dem versuchten Attentat auf den Kaiser bei der Einweihung des Niederwalddenkmals im September 1883 war R. maßgeblich an der Ermittlung und Verhaftung der Täter beteiligt. Im folgenden Hochverratsprozess vor dem Leipziger Reichsgericht, der kurz vor Weihnachten 1884 für zwei der Angeklagten mit dem Todesurteil endete, trat zum wiederholten Male der Ffter Polizeirat als Sachverständiger auf, womit er seinen internationalen Ruf als „Anarchistenfresser“ noch bekräftigte. Mehrfach wurde er selbst deswegen das Ziel von Anschlägen. So war am 30.10.1883, während der Ermittlungen nach dem Attentatsversuch vom Niederwald, eine Ladung Dynamit unter der Treppe im Polizeipräsidium explodiert, wobei das alte Gebäude des Clesernhofs erheblich beschädigt wurde. R., dem der Anschlag offensichtlich gegolten hatte, blieb unverletzt.
Am Abend des 13.1.1885 wurde R. im Vorgarten seines Wohnhauses Im Sachsenlager 5 mit einem Dolchstoß durch Herz und Lunge ermordet. Als mutmaßlicher Täter wurde der Schustergeselle Julius Lieske kurz darauf eher zufällig verhaftet, in einem dreitägigen Schwurgerichtsverfahren im Leinwandhaus im Sommer 1885 zum Tode verurteilt und am 17.11.1885 in Kassel hingerichtet. Bis zu seinen letzten Minuten beteuerte dieser jedoch seine Unschuld. Der Historiker Volker Eichler wies 1983 anhand von Dokumenten der anarchistischen Bewegung nach, dass Lieske wohl zumindest nicht der alleinige Täter im Mordfall R. war. Sicherlich war er aber Mitwisser, und möglicherweise hat er das Opfer festgehalten, während ein anderer den tödlichen Stich ausführte. Unter Anarchisten, so belegen die Dokumente, war „der eigentliche R.mörder“ bekannt. Manches deutet darauf hin, dass es der Schneider August Peschmann gewesen ist, der dem Ffter Polizeirat einst eine Zuchthausstrafe im ersten Leipziger Hochverratsprozess „verdankte“. In Ffm., das seit R.s Ermordung nicht nur in der Presse als das Zentrum anarchistischer Umtriebe galt, wurde der Vorfall auch zum Signal für einen härteren Kurs gegen die sozialistische Arbeiterbewegung.
Zahlreiche Orden, u. a. Roter Adler- und Kronenorden, St. Annen-Orden und Ritterorden der Ehrenlegion.
Eine literarische Rolle spielt R. in dem historischen Kriminalroman „Die Detektivin“ (1998) von Nikola Hahn.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 227, verfasst von: Reinhard Frost.

Literatur:
                        
Bericht über die Schwurgerichts-Verhandlung vom 29. Juni bis 1. Juli 1885 gegen Julius Lieske, angeklagt des Mordes an dem Kgl. Polizeirat Dr. Rumpff am 13. Januar 1885 zu Ffm. Heppenheim/Ffm. o. J.Bericht über die Schwurgerichts-Verhandlung (...) gegen Julius Lieske 1885. | Bürger, Udo: Die spektakulärsten Kriminalfälle in Hessen. Von Würgengeln, Holzfrevlern und Kindsmördern. Erfurt 2016.Bürger: Kriminalfälle in Hessen 2016, S. 107-113. | Eichler, Volker: Sozialistische Arbeiterbewegung in Ffm. 1878-1895. Ffm. 1983. (Studien zur Ffter Geschichte 17).Eichler: Arbeiterbewegung 1983, S. 47, Anm. 95, und S. 142-152. | Gerteis, Walter: Das unbekannte Fft. Drei Folgen. Ffm. 1960-63, 6. Aufl. der 1.-2. Folge bzw. 3. Aufl. der 3. Folge 1976.Gerteis: Das unbekannte Fft. 3 (1963/76), S. 88-97. | Hohmann, Andreas W./Johannes, Dieter: Mord im Sachsenlager 5. Die Ermordung des Polizeirat[s] Rumpff im Jahre 1885. Ffm. 2001.Hohmann/Johannes: Die Ermordung d. Polizeirat[s] Rumpff 2001. | Leweke, Wendelin: „Gretchen“ und die Nitribitt. Ffter Kriminalfälle. Ffm. 1991.Leweke: Kriminalfälle 1991, S. 105-111.
Quellen: ISG, Magistratsakten, 1868-1969.ISG, MA R 1.337, Bd. 1. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.489. | Presse- und Informationsamt (PIA) der Stadt Ffm. (Hg.): Pressedienste (Tages- und Wochendienst), später Service PRESSE.INFO.Hock, Sabine: Ein unerbittlicher Kriminalist. Vor 125 Jahren wurde der Anarchistenverfolger Ludwig Rumpff ermordet. In: PIA, Service PRESSE.INFO, Feature vom 22.12.2009.

GND: 11670649X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Rumpff, Ludwig. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/967

Stand des Artikels: 22.4.2013
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2014.