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Bilger, Carl

Bilger, Carl Wilhelm August. Amtsbaurat. Architekt. * 2.4.1899 Ffm., † 29.5.1959 (Friedrichsdorf-)Köppern/Taunus.
Sohn des Studienrats Prof. Dr. Alexander B. (* 1863), der an der Ffter Musterschule unterrichtete.
Im Studienjahr 1918/19 wurde B. ein Stipendium von der Polytechnischen Gesellschaft gewährt, um sein durch die Kriegsteilnahme unterbrochenes Architekturstudium an der TH Darmstadt weiterzuführen. Dort wurde er u. a. bei Friedrich Pützer und Ernst Friedrich Vetterlein ausgebildet. Bis 1928 war B. nach eigenen Angaben an einem gutgehenden Architekturbüro in Limburg beteiligt, was er für die Stelle als Bezirksleiter der Baupolizei im frisch nach Ffm. eingemeindeten Höchst aufgab. Am 16.12.1928 bekam er die Ernennungsurkunde zum Amtsbaurat. B. war für Baugesuche und die Reklameordnung zuständig. Von Beginn seiner städtischen Beschäftigung an führte er Beschwerden wegen der in seinen Augen unzureichenden statusrechtlichen Position und der angeblich von Stadtbaurat Ernst May persönlich versprochenen lebenslangen Anstellung. Als 1931 Reinhold Niemeyer die Nachfolge Mays antrat, hoffte B., mit der Auflistung vermeintlicher Missstände in der Bauverwaltung an Einfluss zu gewinnen; doch statt seiner stieg 1932 Werner Nosbisch zum Leiter der Baupolizei auf. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 reichte B. die erste von drei Denkschriften ein, die eine Mischung aus fachlicher Darstellung vermeintlicher Missstände, politischer Anklage und persönlichen Vorwürfen gegen die weiterhin im Bauamt tätigen Repräsentanten der „Systemzeit“ Niemeyer, Nosbisch und Adolf Miersch enthielten. B. beklagte die unter May eingeschränkte Selbstständigkeit der Baupolizei und behauptete u. a., dass Niemeyer den Mitarbeiter der Bauberatung Wilhelm Banse wegen dessen NSDAP-Mitgliedschaft entlassen hätte. Auch wäre verhindert worden, den Kampfbund für deutsche Kultur in den Baupflegeausschuss einzubinden. B., der selbst erst am 1.5.1933 in die NSDAP eingetreten war, erreichte mit seinen Denkschriften 1935 die Einsetzung eines Sonderausschusses zu Fragen der Baupolizei und des Bauamts. Im Zuge der Untersuchungen wurden jedoch Vorwürfe wegen Korruptionsverdachts gegen seine eigene Person laut. Dabei spielten Einträge in seiner Personalakte eine Rolle, die unerlaubte Nebentätigkeiten und Kreditaufnahmen bei Baugeschäften aufführten. Zum 30.4.1937 bekam B. die Kündigung aus städtischen Diensten. Seine Spur verliert sich 1941, als er noch beim Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen tätig war.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Jörg Schilling.

Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Angaben zum Vater: Richel, S. 51.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Jörg Schilling in: AFGK 75 (2016): Akteure des Neuen Fft., S. 85f.
Quellen: Bundesarchiv Berlin.Bundesarchiv Berlin, NSDAP-Mitgliederkartei („Gaukartei“). | ISG, Magistratsakten, 1868-1969.ISG, MA 6.181 (Missstände bei der Baupolizei: Untersuchungssache Architekt Wilhelm Banse, Karl [sic!] Bilger, Werner Nosbisch u. a., 1934-45). | ISG, Bestand Peter-Wilhelm-Müller-Stiftung für Wohltätigkeit und Förderung von Kunst, Wissenschaft und Gewerbe, 1881-1938.ISG, Peter-Wilhelm-Müller-Stiftung, V37/24 (Bewerbung des Architekturstudenten Karl [sic!] Bilger für ein Stipendium, 1919-21). | ISG, Bestand Polytechnische Gesellschaft, 1800-2015; dazu Rep. 773 und Archivdatenbank.ISG, Polytechn. Gesellschaft, W2-4/705 (Wöhlerstiftung: Carl Bilger, 1916-21).

© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Schilling, Jörg: Bilger, Carl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/9890

Stand des Artikels: 22.5.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2017.