Boerner, Franz

Boerner, Franz Erich. Dr. phil. Botaniker. * 9.5.1897 Berlin, † 1.3.1975 Darmstadt.
Sohn von Franz B. (1859-1912), Redakteur des Berliner Lokalanzeigers, und dessen Ehefrau Helene B., geb. Jacobsen (1866-1946). Verheiratet (seit 1924) mit der studierten Gärtnerin Bertha Schwenke (1895-1998), Tochter des Bibliothekars Paul Schwenke (1853-1921). Drei Kinder: Peter B., Germanist (1926-2015), Renate B.-Manz, Jugendleiterin (* 1928), und Klaus B., Kaufmann (1930-1988).
Von 1907 bis zur Primareife 1914 Besuch des Drake-Realgymnasiums in Berlin-Lichterfelde. Von 1914 bis 8.7.1916 Gärtnerlehre in der Handelsgärtnerei Johannes Dlabka in Berlin-Zehlendorf. Vor Abschluss der Lehre zum Kriegsdienst eingezogen, diente B. ab 12.11.1916 an der Westfront, zuletzt (seit 1918) als Unteroffizier und Vizefeldwebel. Zweimalige Verwundung. Am 11.1.1919 Entlassung aus dem Kriegsdienst. Von 1919 bis 1920 Beschäftigung als Gärtner im Botanischen Garten Berlin-Dahlem. Von 1920 bis 1922 Ausbildung zum staatlich geprüften Gartenbautechniker an der Lehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Berlin-Dahlem. Daneben von 1920 bis 1922 Arbeit im Laboratorium für Kartoffelbau an der Biologischen Reichsanstalt in Berlin-Dahlem. 1922/23 Erwerb der Lehrbefähigung im Gartenbau (Fachrichtung Pflanzenbau). Von 1922 bis 1923 Pflanzenschutztechniker an der Hauptstelle für Pflanzenschutz der Landwirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg und für Berlin. Von 1923 bis 1929 „Gelehrter Gärtner“ (Garteninspektor) am Botanischen Garten in Tartu (Dorpat) in Estland. 1927 Prüfung zum staatlich diplomierten Gartenbauinspektor. Von 1930 bis 1935 Dendrologe und Pomologe bei der Baumschule L. Späth in Berlin und Ketzin/Havel. Von 1935 bis 1939 Gartenoberinspektor des Botanischen Gartens der Universität Göttingen. Zudem 1936/37 Lehrbeauftragter für Gartenbau an der Kolonialschule in Witzenhausen.
Vom 1.5.1939 bis Kriegsende 1945 war B. stellvertretender Geschäftsführer und Abteilungsleiter der am 25.8.1938 gegründeten „Gesellschaft Reichsarboretum e. V.“ in Ffm. Das Reichsarboretum hatte als umfassende Gehölzsammlung mit „Nationalpark“ die Aufgabe, die „Kenntnis von Baum und Strauch in wissenschaftlicher Weise zu fördern und zu vertiefen“; außerdem sollte es die nationalsozialistischen Autarkiebestrebungen unterstützen. Sitz der Gesellschaft war bis 1945 die Villa in der Bockenheimer Landstraße 102, in der B. auch wohnte. Vom 15.12.1939 bis 23.9.1940 leistete B. Kriegsdienst im Pionier-Baubataillon 213, seit 1940 als Oberfeldwebel, später als Offiziers-Anwärter. Er diente zunächst am Westwall und nahm dann am Frankreichfeldzug teil. Anschließend wurde er für die Tätigkeit im Reichsarboretum vom Kriegsdienst zurückgestellt. Da der Geschäftsführer des Reichsarboretums, Wilhelm Fabricius (1894-1989), Kriegsdienst leistete, lag die Geschäftsführung weitgehend bei B. Kriegsbedingt konnte das Reichsarboretum seinen Aufgaben jedoch nur sehr eingeschränkt nachkommen. Nebenamtlich war B. von 1942 bis 1945 stellvertretender Gartenoberinspektor am Botanischen Garten der Universität. Nach Kriegsende setzte er sich für die Fortführung des Gedankens eines deutschen Arboretums ein. Daraus ging die „Gesellschaft Deutsches Arboretum“ hervor.
Ab 1.7.1946 nebenamtlich Gartenbauoberlehrer und kommissarischer Leiter des Instituts für Gärtnerischen Pflanzenbau an der Großhessischen Lehr- und Forschungsanstalt für Wein-, Obst-, und Gartenbau in Geisenheim. Seit 1947 Garteninspektor am Botanischen Institut und am Botanischen Garten der TH Darmstadt; in dieser Stellung 1951 zum Beamten auf Lebenszeit ernannt und 1965 pensioniert.
Laut eigenen Angaben wählte B. im November 1932 die DVP. Er trat am 1.4.1933 in den Stahlhelm ein und wurde zum 1.5.1934 in die SA-Reserve II überführt, aus der er 1935 als Rottenführer austrat. Mitglied der NS-Volkswohlfahrt (seit 1934), im Reichsbund der deutschen Beamten (1935-39), im Reichsluftschutzbund (seit 1937, Untergruppenführer seit 1943), im DRK (seit 1938) und im NS-Altherrenbund (1943/44). Im Rahmen eines Spruchkammerverfahrens wurde B. am 24.5.1947 in Ffm. als „Mitläufer“ eingestuft. Seine Berufung hinsichtlich einer Eingruppierung als „Entlasteter“ wurde am 15.6.1948 zurückgewiesen, „auch wenn er sich innerlich nie zu der Ideologie, den Methoden und Zielsetzungen der Partei [d. i. der NSDAP] oder ihren Organisationen bekannt“ habe. Seine politische Schuld beurteilte die Spruchkammer als „ausserordentlich gering“.
B. war ein international anerkannter Spezialist der Gehölzkunde. Seit 1947 Stellvertretender Präsident der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, der er bereits seit 1914 angehörte. Seit 1954 Mitglied im Präsidium der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft. Seit 1961 Präsident der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Deutscher Delegierter bei der Internationalen Nomenklaturkommission.
Verfasser zahlreicher Bücher und Zeitschriftenartikel zu Themen der Gehölzkunde. Monographien (in Auswahl): „Laubgehölze, Rosen- und Nadelgehölze“ (1938), „Taschenwörterbuch der botanischen Pflanzennamen“ (1951), „Der Schnitt der Ziergehölze“ (1952), „Blütengehölze für Garten und Park“ (1954), „Gartengehölze von A-Z“ (1959) und „Nadelgehölze für Garten und Park“ (1969). Schriftleiter der Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft sowie Mitarbeiter mehrerer Buchprojekte und verschiedener Fachzeitschriften.
1961 Buchpreis der Deutschen Gartenbaugesellschaft für sein Werk „Blütengehölze für Garten und Park“. 1967 Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt und Goldene Vereinsnadel des Grünen Rings Darmstadt. 1970 Ernennung zum Ehrenpräsidenten der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Marc Zirlewagen.

Lexika: Wagenitz, Gerhard: Göttinger Biologen 1737-1945. Eine biographisch-bibliographische Liste. Göttingen 1988. (Göttinger Universitätsschriften, Serie C, Bd. 2).Wagenitz: Göttinger Biologen 1988, S. 32f.
Literatur:
                        
Beiträge zur Gehölzkunde. Hg.: Gesellschaft Deutsches Arboretum e. V. (GDA). Bisher 20 Bde. Berlin u. a. 1977-2013.Bouffier, Volker André: Die Gründung der Gesellschaft Reichsarboretum – ein Rückblick zum 75jährigen Bestehen der Gesellschaft Deutsches Arboretum e. V. In: Beiträge zur Gehölzkunde 20 (2013), S. 5-30. | Das Gartenamt. Stadt und Grün. Organ der Ständigen Konferenz der Gartenbauamtsleiter beim Deutschen Städtetag. 44 Jahrgänge. Ffm./Berlin u. a. 1952-95.Franz Boerner, Darmstadt, 70 Jahre. In: Das Gartenamt, Juni 1967. | Lüttge, Ulrich/Fischer-Schliebs, Elke/Schneckenburger, Stefan (Hg.): Botanik an der Technischen Universität Darmstadt 1814-1970. Forscher – Pflanzen – Gärtnerbotaniker. Darmstadt 2005. (TUD-Schriftenreihe Wissenschaft und Technik 90).Schneckenburger, Stefan: Von Gärten, Menschen und Pflanzen. In: Lüttge u. a. (Hg.): Botanik an der TU Darmstadt 2005, S. 47-86. | Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. Bisher 102 Bde. Bonn-Bad Godesberg u. a. 1892/93-1942 u. 1950-2017.Meyer, F. H.: Nachruf Franz Boerner. In: Mitt. d. Dt. Dendrologischen Gesellschaft 68 (1976), S. 5f. | Süddeutscher Erwerbsgärtner. Organ für den gesamten Erwerbsgartenbau in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen-Nassau. 21 Jahrgänge. Stuttgart 1947-67.Franz Boerner, Darmstadt, 70 Jahre. In: Süddt. Erwerbsgärtner, 13.5.1967. | Zirlewagen, Marc: Bockenheimer Landstraße 102 [in Ffm.]. Von der Großbürgervilla zur Kulturinstitution. 2. Aufl. Ffm. 2016.Zirlewagen: Bockenheimer Landstraße 102 [in Ffm.] 2016.
Quellen: Badische Neueste Nachrichten (BNN). Karlsruhe 1946-heute.Treuer „Ekkehart der Baumwelt“. Ehrungen für Franz Boerner / Zum 70. Geburtstag des „Beschützers der Bäume“. In: Badische Neueste Nachrichten, 9.5.1967. | Darmstädter Echo. Darmstadt 1945-heute.Eine Fundgrube guter Ratschläge. Franz Boerner erhält Buchpreis 1961 der Gartenbaugesellschaft. In: Darmstädter Echo, 17.5.1961. | Darmstädter Echo. Darmstadt 1945-heute.Die Dendrologen pflanzen ihm einen Gingkobaum. Der Botaniker Franz Boerner wird heute 70 Jahre alt. In: Darmstädter Echo, 9.5.1967. | Darmstädter Echo. Darmstadt 1945-heute.Fachmann von hervorragendem Ruf. Merck-Ehrung für den Botaniker Franz Boerner. In: Darmstädter Echo, 10.5.1967. | Darmstädter Echo. Darmstadt 1945-heute.Weitbekannter Botaniker. Franz Boerner wird 75 Jahre alt. In: Darmstädter Echo, 8.5.1972. | Darmstädter Echo. Darmstadt 1945-heute.Gärtner im Reich der Botanik. Zum Tod von Dipl.-Gartenbau-Oberinspektor Boerner. In: Darmstädter Echo, 5.3.1975. | Darmstädter Tagblatt. Darmstadt 1738-1986.Gärtner aus Berufung. Diplom-Gartenbau-Inspektor Franz Börner wird 70 Jahre. In: Darmstädter Tagblatt, 6.5.1967. | Darmstädter Tagblatt. Darmstadt 1738-1986.Arbeit für den Grünen Ring. Goldene Vereinsnadel an Dr. Hans Weisser und Franz Boerner. In: Darmstädter Tagblatt, 12.5.1967. | Darmstädter Tagblatt. Darmstadt 1738-1986.Franz Boerner wird heute 75 Jahre. Zum Geburtstag eines bekannten deutschen Dendrologen. In: Darmstädter Tagblatt, 9.5.1972. | Darmstädter Tagblatt. Darmstadt 1738-1986.Botaniker Franz Boerner gestorben. Er war Lehrer und Praktiker / Verdienste um den Botanischen Garten. In: Darmstädter Tagblatt, 8.3.1975. | Frdl. Mitteilungen an d. Verf.Mitteilungen von Renate Boerner-Manz in Telefoninterviews mit d. Verf., März und April 2018. | Universitätsarchiv Darmstadt.Universitätsarchiv Darmstadt 103 Nr. 70/8, 103 Nr. 71/6, 103 Nr. 71/7.
Internet: Internetpräsenz der Technischen Universität Darmstadt. https://www.bio.tu-darmstadt.de/botanischergarten/geschichte_bg/franz_boerner__1897_1975/boerner.de.jsp
Hinweis: Kurzbiographie über Franz Boerner als langjährigen Inspektor des Botanischen Gartens in Darmstadt und Vorstellung eines Röteisens, eines Werkzeugs zur schonenden Harzgewinnung, aus seinem Besitz.
TU Darmstadt, 27.7.2018.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_BoernerWikipedia, 26.7.2018.

GND: 174039387 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Zirlewagen, Marc: Boerner, Franz. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/10682

Stand des Artikels: 13.8.2018
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2018.