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Gamer, Hermann

Präsident der Gauwirtschaftskammer Rhein-Main von 1943 bis 1945.

Hermann Gamer

Hermann Gamer
Fotografie (um 1944).

© Hessisches Wirtschaftsarchiv, Darmstadt (Sign. 00001789).
Gamer, Hermann. Elektriker. * 9.1.1899 Worms, † 6.2.1963 Ffm.
Ausbildung zum Elektriker. Teilnahme am Ersten Weltkrieg. Prüfung zum Elektromeister. Seit Mitte der Zwanzigerjahre führte G. ein Elektroinstallationsgeschäft in Worms. Bereits 1930 wählten ihn die Mitglieder seiner Innung zu ihrem Obermeister. Die Notlage des Handwerks in der Weltwirtschaftskrise veranlasste ihn 1932 zum Eintritt in die NSDAP.
Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ erlebte G. eine steile Karriere: 1933 zum Kreishandwerksmeister in Worms bestellt, bewährte er sich durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zugunsten zahlreicher kleiner Handwerksbetriebe. Danach avancierte er 1935 zum stellvertretenden Präsidenten der Handwerkskammer in Worms, dann auch zum Landeshandwerksmeister im Volksstaat Hessen und zum Gauhandwerksmeister im Gau Hessen-Nassau. Schon 1934 war er Reichsinnungsmeister für das Elektrohandwerk geworden. Mit der Bildung der Gauwirtschaftskammern 1943 wurden reichsweit die Handwerkskammern als Abteilungen in die neue Organisation eingegliedert und die Landshandwerksmeister zu Stellvertretern der Präsidenten ernannt. Da sich in Ffm. Carl Lüer, der Präsident der Gauwirtschaftskammer Hessen, auf seinen Posten als Vorstandsmitglied der Dresdner Bank zurückzog, folgte ihm G. 1943 im Präsidentenamt. Im selben Jahr wurde er außerdem zum „Vereinsführer“ (d. i. Präsidenten) der Polytechnischen Gesellschaft berufen (11.8.1943).
Inzwischen zählte G. längst zu den prominenten Figuren im Beraterkreis des Gauleiters Sprenger. Als Leiter des Gauamts für Technik, einer reinen Parteifunktion, konnte er bei Bedarf auch in Partei-Uniform auftreten. Überdies hatte er eine Reihe von einflussreichen und teilweise auch finanziell einträglichen Posten in der Wirtschaft eingesammelt. So war er Vorsitzender im Aufsichtsrat der Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft des Hessischen Handwerks in Ffm. und besaß Aufsichtsratsmandate bei der Elektrizitätsgesellschaft Worms AG, der Elektrizitätsgesellschaft Rheinhessen AG, der Vereinsbank Worms, der Landesgewerbebank für Südwestdeutschland AG in Karlsruhe und der Südversa Versicherungsanstalt AG in Ffm. Bei der Überführung der Innungssterbe- und Krankenkassen auf die Südversa spielte er eine schwer durchschaubare Rolle. Seit 1941 war G. außerdem zum Zwangsverwalter der Firma Wienand Söhne in Sprendlingen bestellt, der damals größten deutschen Zahnfabrik, die aber zu 90 Prozent in amerikanischem Besitz war und somit als „Feindvermögen“ galt. Doch eigentlich unternehmerisch tätig war der Multifunktionär G. nicht, zumal sein Betrieb in Worms von einem anderen Meister geleitet wurde. Deshalb versuchte Vizepräsident Avieny, ihm in einem Willkürakt den Posten eines Geschäftsführers der Naxos Union zu verschaffen. Allerdings ließ sich der rechtmäßige Geschäftsführer Rudolf Herbst, der sich den jüdischen Firmengründern verpflichtet fühlte, weder einschüchtern noch durch ein verlockendes Pensionsangebot bestechen, sondern sperrte sich, bis G. wegen des Anrückens amerikanischer Truppen nicht mehr erschien.
Nach Kriegsende wurde G. bei der Entnazifizierung zunächst als Hauptschuldiger eingestuft und verbrachte von Mai 1945 bis Dezember 1947 insgesamt 31 Monate in Internierungshaft. Das Spruchkammerverfahren wurde erst 1950 in milderer Form abgeschlossen. Dabei wurde anscheinend berücksichtigt, dass G. zwar ein willfähriges Werkzeug des Gauleiters war, doch durchweg nur „auf Weisung“ handelte und politischen Einfluss nur in engen Grenzen ausüben konnte. Selbst der aus Anlass eines Handwerkertags verliehene Ehrenrang eines SS-Obersturmbannführers war kein reales Machtinstrument. So gelang es ihm nicht einmal, seinen Bruder Albert G., der wegen defätistischer Äußerungen in der Wehrmacht mehr als zwei Jahre inhaftiert war und am 20.12.1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen starb, rechtzeitig zu befreien. Nach Abschluss der Entnazifizierung lebte G. zunächst in Worms, bis er 1958 zu seiner Ehefrau nach Ffm. zog, ohne sich selbst korrekt anzumelden.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Dieter Rebentisch.

Lexika: Stockhorst, Erich: Fünftausend Köpfe. Wer war was im Dritten Reich. Velbert/Kettwig 1967.Stockhorst: Wer war was im Dritten Reich 1967, S. 150f.
Literatur:
                        
Bauer, Thomas: In guter Gesellschaft. Die Geschichte der Polytechnischen Gesellschaft in Ffm. Hg. v. d. Polytechnischen Gesellschaft e. V. Ffm./Wiesbaden 2010.Bauer: Polytechn. Ges. 2010, S. 135, 141, 243. | Plumpe, Werner/Rebentisch, Dieter (Hg.): „Dem Flor der hiesigen Handlung“. 200 Jahre Industrie- und Handelskammer Ffm. Ffm. 2008.Erstfassung des Artikels in: Plumpe/Rebentisch: IHK 2008, S. 216.
Quellen: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden.Hess. Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Spruchkammerakten, Abt. 520/FZ Nr. 835. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/18.843; darin u. a. Kopien aus Aktenbeständen des ISG: Luftschutz 333, Bl. 5-7; MA 4.360. | Stadtarchiv Worms.Stadtarchiv Worms, Abt. 185, Nr. 389.

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Empfohlene Zitierweise: Rebentisch, Dieter: Gamer, Hermann. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3436

Stand des Artikels: 10.8.2014
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2014.