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Guth, Wilfried

Wilfried Guth

Wilfried Guth
Foto: Lutz Kleinhans.

© Historisches Institut der Deutschen Bank, Ffm.
Guth, Wilfried. Dr. rer. pol. Bankier. * 8.7.1919 Erlangen, † 15.5.2009 Königstein/Taunus, begraben in Bad Reichenhall.
Unter G.s nächsten Vorfahren waren führende Vertreter aus Politik und Wirtschaft. Sein Vater Karl G. (1889-1971) fungierte von 1934 bis 1945 als Geschäftsführer der Reichsgruppe Industrie. Sein Onkel mütterlicherseits war Bundeswirtschaftsminister und Bundeskanzler Ludwig Erhard.
Nach Schulzeit und Abitur 1937 Einberufung zur Wehrmacht mit nahtlosem Übergang zum Kriegsdienst. Bei Stalingrad geriet G. in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Unmittelbar nach der Entlassung 1949 Aufnahme eines volkswirtschaftlichen Studiums an den Universitäten Bonn, Genf und Heidelberg auf Anraten von Ludwig Erhard. 1952 Aufenthalt an der London School of Economics, gefördert durch ein Marshallplan-Stipendium. Studienabschluss durch Promotion zum Dr. rer. pol. in Heidelberg mit einer Arbeit über den „Kapitalexport in unterentwickelte Länder“ (im Druck 1957). 1953 trat G. in die Bank deutscher Länder (seit 1957 Deutsche Bundesbank) in Ffm. ein, für die er schon während seines Studiums aushilfsweise tätig gewesen war. Fünf Jahre später wurde er zum Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Bundesbank ernannt. Vom damaligen Direktionsmitglied Eduard Wolf stammt das Bonmot: „G. ist hier etwas geworden, obwohl er ein Neffe von Erhard ist.“ 1959 ging G. als Nachfolger von Otmar Emminger in der Funktion des Exekutivdirektors beim Internationalen Währungsfonds nach Washington. Unter Vermittlung von Hermann J. Abs trat G. 1962 in den Vorstand der Kreditanstalt für Wiederaufbau in Ffm. ein. Ebenfalls auf Initiative von Abs wurde G. Anfang 1968 in den Vorstand der Deutschen Bank berufen. Von 1976 bis Mai 1985 war er – zusammen mit F. Wilhelm Christians – Sprecher dieses Gremiums. Während Christians in der damaligen zweiten Zentrale der Deutschen Bank in Düsseldorf residierte, fungierte G. als „Ffter“ Vorstandssprecher. Das internationale Emissionsgeschäft zählte hier, in einer von zunehmender Internationalisierung geprägten Phase der Deutschen Bank, zu G.s wichtigen Aufgabengebieten. Mit seiner Konzentration auf den westeuropäischen und amerikanischen Markt galt G. im Auslandsgeschäft der Deutschen Bank als der „Atlantiker“. Nach dem Ausscheiden aus dem Vorstand 1985 gehörte G. dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank bis 1995 an, von 1985 bis 1990 war er dessen Vorsitzender.
Während seiner Vorstandstätigkeit nahm G. Aufsichtsratsmandate, vielfach als Vorsitzender oder als stellvertretender Vorsitzender, in bedeutenden deutschen Unternehmen wahr. Seine wichtigen Ffter Mandate waren der Aufsichtsratsvorsitz bei der Philipp Holzmann AG (1969-85) und bei der Metallgesellschaft (1978-88).
Als Währungsexperte wirkte G. in zahlreichen Gremien mit, die sich mit Fragen der internationalen Währungspolitik und den zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen befassten. Schon in den Sechzigerjahren hatte er als Mitglied der Pearson Commission im Auftrag der Weltbank an der Formulierung einer entwicklungspolitischen Grundkonzeption mitgearbeitet und war 1995 europäischer Co-Chairman der Bretton Woods Kommission. Auch in die Diskussion über Lösungsmodelle für die internationale Verschuldungsproblematik schaltete sich G. mit vielen Beiträgen ein. Institutionen, die sich wissenschaftlich bank- und wirtschaftsgeschichtlichen Themen widmeten, fanden sein starkes Interesse und wurden von ihm gefördert, so die 1976 gegründete Gesellschaft für Unternehmensgeschichte und die seit ihrer Gründung 1990 in Ffm. ansässige European Association for Banking and Financial History.
Die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen war für G. ein zentrales Thema, und marktwirtschaftliche Überzeugung war tief in seinem Selbstverständnis verwurzelt. Soziale Marktwirtschaft musste nach seiner Auffassung mehr sein als ein Regelkatalog für das Funktionieren der Wirtschaft: „Was sie allen sozialistischen und planwirtschaftlichen Ansätzen überlegen macht, war und ist das dahinterstehende geistige und sittliche Prinzip.“ Ein zu Ehren seines 90. Geburtstags geplantes Symposium wurde kurz nach seinem Tod 2009 unter dem Titel „Die Verantwortung der Wirtschaft“ als Gemeinschaftsveranstaltung der Historischen Gesellschaft der Deutschen Bank e. V. und der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte in Ffm. abgehalten.
Seine persönliche Verankerung in der Ffter Stadtgesellschaft war für G. – auch hier in Anlehnung an das Vorbild von Hermann J. Abs – von großer Bedeutung. 1984 begründete er die Gesellschaft der Freunde der Alten Oper mit, deren Kuratoriumsvorsitzender er seitdem war; von 2001 bis zu seinem Tod war er Ehrenvorsitzender des Kuratoriums. Unter seinem Patronat gelang es, viele namhafte Persönlichkeiten und Unternehmen an diese Institution, die G. als „eine Gesellschaft der Bürger, die fest zusammenhält“, bezeichnete, zu binden. Zu seinem Ausscheiden als Kuratoriumsvorsitzender 2001 widmete ihm Wolfgang Rihm eine Auftragskomposition.
Fachveröffentlichungen: „Die gesellschaftspolitische Verantwortung der Unternehmer“ (Aufsatz, 1987), „Macht und Verantwortung. Zur politischen Aufgabe des Unternehmers“ (Aufsatz, 1987), „Europäische Integration und Soziale Marktwirtschaft“ (Reden und Beiträge, 1999) u. a.
1994 Ehrenplakette der Stadt Ffm. Ehrensenator der Ffter Goethe-Universität.
Festschrift zum 65. Geburtstag („International capital movements, debt and monetary system / Internationale Kapitalbewegungen, Verschuldung und Währungssystem“, hg. v. Wolfram Engels, Armin Gutowski und Henry C. Wallich, 1984).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Reinhard Frost.

Literatur:
                        
International capital movements, debt and monetary system. / Internationale Kapitalbewegungen, Verschuldung und Währungssystem. [Festschrift für Wilfried Guth zum 65. Geburtstag.] Hg. v. Wolfram Engels, Armin Gutowski, Henry C. Wallich. Mainz 1984.Vita von Wilfried Guth in: Engels u. a. (Hg.): Internationale Kapitalbewegungen 1984, S. 515-519. | Kennedy, Trevor: Top Guns. Seventeen world leaders in politics, media and business (...). Melbourne 1988.Kennedy: Top Guns 1988, S. 121-139. | Stemmler, Gunter: Die Vermessung der Ehre. Zur Geschichte der Ehrenbürger, Ehrensenatoren sowie Ehrenmitglieder an deutschen Hochschulen und an der Universität Ffm. Ffm. [u. a.] 2012.Stemmler: Ehrenbürger u. Ehrensenatoren an der Univ. Ffm. 2012, S. 165.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Riebsamen, Hans: Wilfried Guth. Ffter Gesichter. In: FAZ, 25.9.1999. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.855. | Zweites Deutsches Fernsehen. Mainz 1963-heute.ZDF, „Sonntagsgespräch“ vom 16.10.1988: Dr. Wilfried Guth im Gespräch mit Fides Krause-Brewer.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_GuthWikipedia, 3.11.2015.

GND: 118699512 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Guth, Wilfried. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3490

Stand des Artikels: 6.11.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2015.