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Henkel, Eugen

Henkel, Eugen. Jazz- und Swingmusiker. Tenorsaxofonist. Klarinettist. * 2.12.1909 Ffm., † 2.3.1978 Kelkheim/Taunus, beigesetzt in Lindenfels/Odenwald.
H.s Vater, der Ingenieur Eugen G. Henkel, leitete in Ffm. die „E. G. Henkel Schuhmaschinenfabrik“ in der Schleusenstraße 15-17.
Mit fünf Jahren bekam H. ersten Klavierunterricht. Nach Absolvierung einer kaufmännischen Lehre beendete er 1931 sein Studium am Hoch’schen Konservatorium in Ffm. mit einem Abschluss in der Jazzklasse und im Bereich der klassischen Musik in den Fächern Klarinette und Klavier. Bei dem ersten öffentlichen Konzert der Jazzklasse am 3.3.1929 spielte H. ein Banjosolo, das Artur Holde, der Musikrezensent vom „Generalanzeiger“, und sein Kollege von den „Ffter Nachrichten“ lobend hervorhoben.
Nach Engagements in Bands, mit denen H. in Städten Deutschlands, der Niederlande, der Schweiz, Ungarns, Italiens und Luxemburgs gastierte, machte er ab etwa 1935 Berlin zum Mittelpunkt seiner Tätigkeit. Es bestätigte H.s Ruf als Tenorsaxofonist der europäischen Spitzenklasse, dass der international bekannte Bandleader Jack Hylton ihm einen Platz in seinem Orchester anbot, den H. jedoch ablehnte. Von seinen Engagements während der nationalsozialistischen Herrschaft sind insbesondere die Auftritte in der Band von Teddy Stauffer, in der Sherbini Bar (ab Dezember 1936) und der Ciro Bar (Ende 1939) – beide beliebte Refugien der Berliner Swingfreunde – zu nennen. Von 1937 bis 1943 (evt. auch bis 1944) spielte H. bei vielen Titeln mit, die Berliner Studiobands, u. a. Goebbels’ Propagandaorchester „Charlie and his Orchestra“, auf Platte aufnahmen. Obwohl H. nach den Nürnberger Rassegesetzen als „Halbjude“ galt, konnte er seine Musikerkarriere unter dem Nationalsozialismus relativ ungehindert fortsetzen. Daran änderte sich auch wenig, als er Anfang August 1941 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Dem vorausgegangen waren Einsätze bei der Truppenbetreuung, und es folgten Freistellungen für die bereits erwähnten Platteneinspielungen. Ab September 1943 war H. auf dem mobilen Soldatensender „Martha“ zu hören. Von einem Spielverbot wissen die Familie und die Jazzliteratur, obwohl es im jetzigen Bestand der Akten der Reichsmusikkammer im Bundesarchiv nicht nachweisbar ist. Zwei Berichte, die das Auftrittsverbot in einem historischen Zusammenhang kurz erwähnen (wobei der spätere die Angaben aus dem früheren übernommen haben könnte), legen nahe, dass es etwa zwischen Jahresbeginn und Juli 1937 bestanden haben dürfte. Es lässt sich nur spekulieren, welcher Grund für das Verbot überwogen haben könnte: H.s deutsch-jüdische Herkunft oder seine zu jazzige Spielweise. Jedenfalls hat sich seine Frau bei Goebbels für ihn eingesetzt, und er hatte einen Fürsprecher bei der SS.
Nach Rückkehr aus der Internierung spielte H. sehr bald in amerikanischen Klubs in Heidelberg und Ludwigsburg. Nachdem er 1940 schon einmal nach Ffm. zurückgekehrt war, reiste er 1946 zu Jamsessions mit Musikern aus dem Ffter Hot Club an. Gemeinsam mit früheren Kollegen verfolgte er den Plan, eine Anstellung beim HR zu bekommen, was nur Willy Berking gelang. Ehe dann H. etwa 1951 auch beim HR und bei Berking tätig wurde, war er noch einmal vorübergehend nach Ffm. gekommen, um mit seiner Band bei einem deutsch-amerikanischen Jazzfestival im Palmengarten aufzutreten. 1948 hatte H. das „Eugen Henkel Sextett“ gegründet (das manchmal auch aus fünf oder sieben Musikern bestand), wahrscheinlich zum ersten Mal eine Band, die seinen Namen trug. Mit ihr hatte er Auftritte in Hamburg und Timmendorfer Strand, war über den NWDR und British Forces Network zu hören und begleitete die Sänger Bully Buhlan und Henry Holland bei Plattenaufnahmen. 1947 und 1948 holte ihn sein alter Weggefährte, der Schlagzeuger Freddie Brocksieper, in seine Gruppen zu Aufnahmen.
H. war sich bewusst, dass sich ihm selten Gelegenheit bot, die Musik zu spielen, die er gern gespielt hätte. Auch für seine Kompositionen gilt, dass sie dem Bedarf der ihn jeweils umgebenden Musikszene angepasst waren. Schon während seines Studiums bei Mátyás Seiber in der Jazzklasse des Konservatoriums hat er den Titel „Crazy Chords“ komponiert. Sein Solo in der Aufnahme seiner Eigenkomposition „Im Rampenlicht“ von 1942 vermittelt ein guten Eindruck seines technischen und stilistischen Könnens. In der Nachkriegszeit schrieb er u. a. Foxtrotts, denen die Textdichter oft Schlagercharakter gaben, eine Beguine und einen Titel „Rock and Roll“. Seine Komposition „Liebes kleines Fräulein“ hat das Tanzorchester Willy Berking 1950 oft im HR gespielt. Neben seiner Arbeit bei Berking war H. mit seinen „Oldtimers“ und „Dixielanders“ auf Sendung beim HR, und seine Ensembles wirkten im Deutschen Fernsehen auf den Faschingsbällen am 20.2.1965 und 28.1.1967 mit.
Von 1955 bis 1966 betrieb H.s Frau Luise, geb. Schmolka (1905-1992), das beliebte Lokal „Bei Eugen Henkel“ in der Weißadlergasse in Ffm., das prominente Gäste wie Ivan Rebroff, Peter Frankenfeld, dessen Frau Lonny Kellner u. a. oft besuchten.
Aufnahmen aus den Vierzigerjahren, auf denen H. solistisch hervortritt, sind wieder veröffentlicht auf den CDs „Freddie Brocksieper: Drum Boogie“ und „Freddie Brocksieper: Globetrotter“ (beide 1999). Weitere Aufnahmen im Deutschen Rundfunkarchiv. Noten seiner Kompositionen zum Teil im Deutschen Musikarchiv der Deutschen Nationalbibliothek.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Hans Pehl.

Lexika: Bohländer, Carlo/Holler, Karl Heinz: Reclams Jazzführer. Stuttgart 1970. (Reclams Universalbibliothek 10185).Reclams Jazzführer, S. 305f. | Wölfer, Jürgen: Jazz in Deutschland. Das Lexikon. Alle Musiker und Plattenfirmen von 1920 bis heute. Höfen 2008.Wölfer: Jazz in Deutschland 2008, S. 142.
Literatur:
                        
Anglo-German Swing Club. Als der Jazz zurück nach Hamburg kam. Dokumente 1945 bis 1952. Hg. v. Horst Ansin, Marc Dröscher, Jürgen Foth u. Gerhard Klußmeier. Hamburg 2002.Ansin u. a. (Hg.): Anglo-German Swing Club 2002, S. 94, 104f., 145, 156, 159, 165, 172f., 268, 422, 448, 502. | Bohländer, Carlo: Jazz – Geschichte und Rhythmus. Erw. u. revidierte Ausgabe. Mainz [u. a.] 1981 [mit Copyrightangabe 1977].Bohländer: Jazz 1981, S. 74. | Kater, Michael H.: Gewagtes Spiel. Jazz im Nationalsozialismus. Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernd Rullkötter. Köln 1995.Kater: Gewagtes Spiel 1995, S. 89, 127, 186, 217, 261. | Lange, Horst H.: Jazz in Deutschland. Die deutsche Jazz-Chronik bis 1960. 2., verbesserte u. ergänzte Aufl. Hildesheim/Zürich/New York 1996.Lange: Jazz in Deutschland 1996, S. 97, 102, 135, 153, 175, 235. | Schwab, Jürgen: Der Fft. Sound. Eine Stadt und ihre Jazzgeschichte(n). Hg.: Stadt Ffm., Amt für Wissenschaft und Kunst. Ffm. 2004.Schwab: Der Fft. Sound 2004, S. 26, 61, 84.
Quellen: Die Jazz-Club News. [Zeitschrift des Hot Clubs Fft.] Ffm. 1945-46.Lippmann, Horst: Nachrichten. In: Die Jazz-Club News, Nr. 3/4 (Okt./Nov. 1945), S. 30, u. Nr. 5/6 (Dez./Jan. 1945/46), S. 22. | Jazzinstitut Darmstadt.Brocksieper, Freddie: Von Konstantinopel nach München. Maschinenschriftliches Manuskript, o. J., im Jazzinstitut Darmstadt. | Melodie. Illustrierte Zeitschrift für Musik-, Film-, Theater-Freunde. Berlin 1946-49.Die Melodie stellt vor: Eugen Henkel. In: Melodie 3 (1948), Nr. 5 (Mai), S. 10. | Vier Viertel. Zeitschrift für Musik und Tanz. Berlin 1947-56.Pecra: [Artikel ohne Titel]. In: Vier Viertel 4 (1950), H. 7 (Juli), S. 24. | Vier Viertel. Zeitschrift für Musik und Tanz. Berlin 1947-56.Starke, Helmut: Jazz in der Vorkriegszeit. In: Vier Viertel 5 (1951), H. 12 (Dezember), S. 26f.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Eugen_HenkelWikipedia, 4.11.2015.

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Empfohlene Zitierweise: Pehl, Hans: Henkel, Eugen. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/5858

Stand des Artikels: 4.10.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2015.