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Valentin, Veit (1885-1947)

Veit Valentin

Veit Valentin
Fotografie (aus dem Nachlass der Familie Valentin im ISG, Sign. S1/1).

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7P_Valentin-Veit_3).
Valentin, Veit Rudolf. Reichsarchivrat. Prof. Dr. phil. Historiker. * 25.3.1885 Ffm., † 12.1.1947 Washington.
Sohn von Veit V. und dessen Ehefrau Caroline V., geb. Pichler.
Seit 1903 Geschichtsstudium in Heidelberg bei dem Neurankeaner Erich Marcks. 1906 Promotion mit einer Arbeit über Ffm. vor der Revolution von 1848 (erweitert zu „Ffm. und die Revolution von 1848/49“, 1908). 1910 Habilitation an der Freiburger Universität mit einer biographischen Studie über Karl von Leiningen, den ersten Präsidenten des Ffter Reichsministeriums von 1848. Privatdozent, seit 1916 außerordentlicher Professor an der Universität Freiburg. Ab 1912 für zwei Jahre beurlaubt zu Archivstudien im Geheimen Staatsarchiv in Berlin. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs als „nicht kriegsverwendungsfähig” gemustert. Einsatz bei der Postzensur und im Pressebüro der Armee, später im Auftrag des Auswärtigen Amts in Berlin für eine Darstellung der deutschen Außenpolitik vor 1914. V.s kritische Haltung zu den deutschen Expansionsplänen brachte ihn in Opposition zum Alldeutschen Verband, dessen Vorstandsmitglied der Prorektor der Freiburger Universität Georg von Below war. Unbedachte Äußerungen V.s über Großadmiral Tirpitz und den uneingeschränkten U-Bootkrieg gegenüber dem Herausgeber der Süddeutschen Monatshefte, Paul Cossmann, beschworen den sogenannten „Fall V.” herauf: Der von Cossmann angestrengte Prozess endete mit einem Vergleich. V., inzwischen zermürbt durch öffentliche Hetzkampagnen, gab schließlich der Forderung der Alldeutschen nach einem freiwilligem Verzicht auf seine Venia legendi nach. Hinwendung zum Linksliberalismus: seit 1918 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei, Mitwirkung bei der „Liga für Menschenrechte”, von 1926 bis 1933 Mitherausgeber der pazifistischen „Friedens-Warte”. Seit 1920 Archivrat im Reichsarchiv in Potsdam. Daneben Vorlesungen an der Berliner Handelshochschule und an der Hochschule für Politik. 1933 Entlassung aus dem Reichsdienst aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. 1935 Emigration nach London, wo V. ein zeitlich befristeter Lehrstuhl am University College angeboten worden war. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs Beendigung der Lehrerlaubnis. Auswanderung nach Amerika. Vortragsreisen im Auftrag des Institute of International Education und Stipendium der Fletcher School of Law and Diplomacy für eine Studie über Bismarck, Bleichröder und die Rothschilds während der Bismarck-Ära. Später wissenschaftlicher Mitarbeiter der Library of Congress in Washington zur Erforschung der Schicksale deutscher Emigranten in Amerika. 1945 Aktenstudium der NS-Verbrechen in deutschen und englischen Archiven zur Vorbereitung der Nürnberger Prozesse im Auftrag des amerikanischen Kriegsministeriums; während dieser Zeit auch Besuch bei der Schwester Klara in Ffm. 1946 Veröffentlichung eines Aufrufs zu Lebensmittelspenden an deutsche Pazifisten in mehreren amerikanischen Zeitungen im Auftrag der Liga für Menschenrechte.
Zahlreiche Publikationen. V.s bedeutendstes Werk ist die „Geschichte der deutschen Revolution von 1848/49” (2 Bände, 1930/31), ein erstmaliger Versuch, neben den personenbezogenen und politisch-diplomatischen Bedingungen auch die soziologischen und kulturgeschichtlichen Hintergründe der Deutschen Nationalversammlung zu untersuchen. Weitere Werke: „Fürst Leiningen und das deutsche Einheitsproblem” (1910) und die „Geschichte der Deutschen” (2 Bände, 1947).
Nachlass im ISG. Teilnachlass, bestehend aus Briefen des Historikers Erich Marcks und des Juristen Herbert Kraus, im Bundesarchiv Berlin.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 499-501, verfasst von: Silvia Stenger (redigierte Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon).

Lexika: Biographisches Lexikon der Heraldiker sowie der Sphragistiker, Vexillologen und Insignologen. Bearb. v. Jürgen Arndt unter Mitwirkung von Horst Hilgenberg und Marga Wehner. Hg. v. Herold, Verein für Heraldik (...). Neustadt a. d. Aisch 1992. (J. Siebmachers Großes Wappenbuch, Bd. H).Biograph. Lex. d. Heraldiker, S. 553. | Bruch, Rüdiger vom/Müller, Rainer A. (Hg.): Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert. München 1991. (Beck’sche Reihe 405).Bernd Faulenbach in: Historikerlex., S. 326-328. | Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. München 1927-2003.Kürschner: Gel. 1950, S. 2435 (Nekr.). | Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Berlin/Leipzig 1905-1973.Kürschner: Lit. 1917, S. 1771.
Literatur:
                        
Berding, Helmut u. a. (Hg.): Vom Staat des Ancien régime zum modernen Parteienstaat. Festschrift für Theodor Schieder zu seinem 70. Geburtstag. München/Wien 1978.Wehler, Hans-Ulrich: Staatsgeschichte oder Gesellschaftsgeschichte? Zwei Außenseiter der deutschen Historikerzunft: Veit Valentin und Ludwig Quidde. In: Berding u. a. (Hg.): Vom Staat d. Ancien régime zum mod. Parteienstaat 1978, S. 349-368. | Schleier, Hans: Veit Valentin. Sonderdruck aus: Studien über die deutsche Geschichtswissenschaft 2 (1965), S. 326-368.Schleier: Veit Valentin 1965. | Valentin, Veit: Perspektiven und Profile. Aus Schriften Veit Valentins. Hg. v. Ffter Verein für Geschichte und Landeskunde. Ausgew. u. eingel. v. Will Schaber. Ffm. 1965.Valentin: Perspektiven u. Profile 1965. | Valentin, Veit: Von Bismarck zur Weimarer Republik. Sieben Beiträge zur deutschen Politik. Hg. u. eingeleitet v. Hans-Ulrich Wehler. Köln 1979.Valentin: Von Bismarck zur Weimarer Republik 1979, insbes. S. 9-16 (Einleitung von Hans-Ulrich Wehler). | Wehler, Hans-Ulrich (Hg.): Deutsche Historiker. 9 Bde. Göttingen 1971-82. (Kleine Vandenhoeck-Reihe).Elisabeth Fehrenbach in: Wehler (Hg.): Dt. Historiker 1 (1971), S. 69-85. | Wer ist’s? Titel auch: Degener’s Wer ist’s? Titel ab 1923: Wer ist wer? Wechselnde Untertitel: Zeitgenossenlexikon. / Unsere Zeitgenossen. / Das deutsche Who’s who. Leipzig, ab 1928 Berlin 1905-93.Wer ist wer? 1928, S. 1606.
Quellen: ISG, Bestand Nachlässe (S1).Nachlass der Familie Valentin: ISG, S1/1; dazu Rep. 747. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.430.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Veit_ValentinWikipedia, 31.3.2015.

GND: 118803735 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Stenger, Silvia: Valentin, Veit (1885-1947). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1578

Stand des Artikels: 2.4.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2015.