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Denzinger, Franz Joseph (von)

Dombaumeister beim Wiederaufbau des Ffter Doms nach dem Brand von 1867.

Franz Joseph (von) Denzinger

Franz Joseph (von) Denzinger
Fotografie von Georg Theodor Huth (1870; Original im Besitz des HMF).

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7P1998_02638).
Denzinger, Franz Joseph (seit 1891: Ritter von). Königlich Bayerischer Baurat. Architekt. * 24.2.1821 [nach anderen Angaben: 26.2.1821] Lüttich, † 14.2.1894 Nürnberg, begraben auf dem Alten Nordfriedhof im München (Grab 1934 aufgelassen).
Sohn von Ignaz D. (1782-1862), der als Professor für Philosophie und Literatur in Lüttich, später in Würzburg lehrte.
Mit Eltern und Geschwistern lebte D. seit 1830 in Würzburg. Besuch des dortigen Gymnasiums. Bis 1841 Studium der Philosophie an der Universität Würzburg. 1842 Wechsel nach München, um Architekt zu werden. Dort Studium am Polytechnikum und an der Akademie der Bildenden Künste unter Friedrich von Gärtner (1791-1847) und August von Voit (1801-1870). Abschluss mit der Prüfung als Ingenieur (1846) und als Architekt (1847). Bis 1853 Tätigkeit als Praktikant, Hilfsbaukondukteur und Zivilbauingenieur, u. a. bei Planung und Bau des Solebads der Saline in Bad Kissingen (1850-51) und des Chemischen Laboratoriums in Erlangen (1854-58), sowie Leiter der Wiederherstellung der eingestürzten Pfarrkirche St. Jakob in Burghausen (1853). 1854 Festanstellung im bayerischen Staatsdienst, zunächst als Zivilbauingenieur in Regensburg. 1855 viermonatige Studienreise durch Österreich, die Schweiz, Frankreich, Belgien und Deutschland, ermöglicht durch ein Staatsstipendium. Am 4.10.1855 Heirat mit Hedwig von Steffenelli aus Regensburg; aus der Ehe stammten drei Kinder. Seit 1858 Königlicher Baubeamter und Leiter der Baubehörde in Regensburg. Von 1859 bis Juli 1872 Dombaumeister für Regensburg; in dieser Zeit plante und leitete D. die Ausführung der Turmhelme (abgeschlossen 1869) sowie der Vierungsdachreiter und Querhausgiebel, so dass der Bau des Regensburger Doms 1871 vollendet werden konnte. 1868 Verleihung von Titel und Rang eines Königlich Bayerischen Baurats durch König Ludwig II. in Anerkennung der „Verdienste um die Restauration und den Ausbau des Regensburger Domes“.
Im März 1868 legte D. zusammen mit den Dombaumeistern Friedrich von Schmidt (Wien) und Richard Voigtel (Köln) ein Gutachten über den Zustand des Ffter Doms St. Bartholomäus nach dem Brand vom 14./15.8.1867 vor, das ausschlaggebend für die Berufung D.s in die Mainstadt wurde. Im April 1869 trat D. die neue Dombaumeisterstelle in Ffm. an, wofür er vom bayerischen Staatsdienst beurlaubt wurde, und im Frühjahr 1870 zog er mit der Familie nach Ffm. Sein Vertrag wurde zweimal von der Stadtverordnetenversammlung verlängert, so dass er insgesamt fast elf Jahre lang, bis Ende 1879, in Ffm. arbeitete. Die heutige Gestalt des Ffter Doms ist durch D.s Wiederauf- und Ausbau geprägt. Seine Hauptleistungen waren: Begutachtung und Dokumentation der ausgebrannten Kirche, Wiederherstellung des Westturms (Pfarrturms) nach dem vorgefundenen Bestand und den mittelalterlichen Planrissen (überliefert im ISG und im HMF) sowie Ausbau von Turmkuppel und -helm (fertiggestellt 1877), Erhöhung des dreischiffigen Langhauses um etwa sieben Meter zur Angleichung an die übrigen Bauteile, Teilabriss und Umbau des Kreuzgangs, Bau einer neugotischen Vorhalle. Als Bauführer arbeiteten für den Dombaumeister: 1869-71 Adolf Passavant und Gustav Greiss (Ffm.); 1871-73 Max Meckel (Köln); 1873-75 Ludwig Langeloth (Würzburg); 1875-77 Heinrich Schmidt (Wien); 1879 Hugo Groothoff (Hamburg); 1879-80 Theodor Schlieben (Köln) und Theodor Quentin (Preußisch Stargard).
Neben und nach seinen wichtigsten Projekten, der Restaurierung und dem Ausbau der Dome in Regensburg (1857-72) und Ffm. (1868-79), war D. mit der Erstellung von anderen Bauten, Gutachten und Planungen beschäftigt, vor allem im süddeutschen Raum. Seine Bauaufgaben beschränkten sich fast ausschließlich auf den Kirchenbau, überwiegend Restaurierungen und Wiederherstellungen, deutlich seltener Neubauten, insbesondere katholischer Kirchen, u. a. St. Ulrich in Kemnath/Oberpfalz (Neubau nach Brand, 1862-64), St. Dionysius und Valentinus in Kiedrich/Rhein (Restaurierung der Kirche und Veränderung des Turmhelms, 1867-74), St. Georg in Nördlingen (Leitung der Restaurierung, 1877-87), St. Laurentius in Hetzles/Oberfranken (Neubau des Kirchenschiffs, 1884-91) und St. Adalbero in Würzburg-Sanderau (Planung, 1892-93, erbaut von Josef Schmitz, 1895-99). Insbesondere seine ausgedehnte Gutachtertätigkeit, u. a. zu Ulmer Münster (1864), Mainzer Dom (1866-67), Katholischer Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Partenkirchen (1867), Würzburger Dom (1869), Katharinenkirche in Oppenheim (1873), Straßburger Münster (1873) und St. Sebaldus in Nürnberg (1879), trug wesentlich dazu bei, dass D. als kompetenter Fachmann geschätzt wurde. Nach dem Abschluss der Dombauarbeiten in Ffm. kehrte D. in den bayerischen Staatsdienst zurück, zunächst (1880-85) als Kreisbaurat in Bayreuth, dann (bis zur Pensionierung 1891) als Oberbaurat in der Obersten Baubehörde in München. Seit den 1880er Jahren als Preisrichter zu verschiedenen Architekturwettbewerben eingeladen, hielt sich D. anlässlich eines solchen Wettbewerbs im Februar 1894 in Nürnberg auf, wo er unerwartet starb.
Seit 1865 Ehrenmitglied und Meister des Freien Deutschen Hochstifts. Seit 1867 Mitglied im Gelehrten-Ausschuss des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg. Seit 1868 Mitglied der neu gegründeten Sachverständigen-Kommission für Erhaltung der Kunstdenkmale und Altertümer in Bayern sowie der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Seit 1869 Mitglied, seit 1880 Korrespondierendes Mitglied des Ffter Vereins für Geschichte und Alterthumskunde. Seit 1877 Vorstandsmitglied des Vereins für das Historische Museum in Ffm. Mitglied der Ffter Künstlergesellschaft.
Weitere Bauten in Ffm., die D. im Auftrag des städtischen Bauamts plante: Archivgebäude am Weckmarkt (Bau in neugotischen Formen mit Treppengiebel an der Stelle der dafür abgerissenen Stadtwaage, errichtet für das Stadtarchiv und das dort 1878 eröffnete Historische Museum, 1874-77, Bauleitung: Hugo Groothoff, 1874-76; zerstört 1944); Neubau der Dreikönigskirche in Sachsenhausen (neugotische Kirche und damals zweithöchstes Gebäude der Stadt, 1875-81, Bauleitung: Theodor Quentin, 1877-81); provisorischer Betsaal der Dreikönigsgemeinde auf dem altem Sachsenhäuser Friedhof (ursprünglich als Ersatz für die 1875 abgerissene alte Dreikönigskirche für die Zeit des Neubaus, 1874; abgerissen um 1940). Gutachten über die Restaurierung der Weißfrauenkirche (1879).
Träger bayerischer, österreichischer und preußischer Orden. 1869 Ernennung zum Ehrenbürger von Regensburg.
D.s Nachlass wurde auf verschiedene Archive verteilt, u. a. an das Stadtarchiv Ffm. (heute: ISG; dort nicht gesondert ausgewiesen).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Ulrike Schubert.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 151, verfasst von: Elsbeth de Weerth.

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Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Josef_von_DenzingerWikipedia, 1.6.2016.

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© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Schubert, Ulrike: Denzinger, Franz Joseph (von). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2000

Stand des Artikels: 7.6.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2016.