Fehlermeldung

User warning: The following module is missing from the file system: imagcache_actions. For information about how to fix this, see the documentation page. in _drupal_trigger_error_with_delayed_logging() (line 1128 of /var/www/vhosts/frankfurter-personenlexikon.de/httpdocs/includes/bootstrap.inc).

Fellner, Carl

Letzter Älterer Bürgermeister der Freien Stadt Ffm.

Carl Fellner

Carl Fellner
Lithografie von Valentin Schertle (im Besitz des HMF).

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7P1998_04289).
Fellner, Carl Constanz Victor. Handelsmann. Politiker. * 24.7.1807 Ffm., † 24.7.1866 Ffm.
Sohn des Ffter Bankiers und Geheimen Hofrats Johann Christian F. (1764-1836) und dessen Frau Susanna Dorothea F., geb. Welcker (1779-1854). Bruder des Malers Ferdinand Michael August F. Verheiratet (seit 1845) mit Johanna, gen. Jeanette F., geb. Bansa-Streiber (1824-1887).
Zunächst Prokurist in der Wollfirma seines Onkels Carl Welcker. Nach dessen Tod 1835 Teilhaber und Geschäftsführer des Betriebs bis 1854. Von 1848 bis 1851 Mitglied der Handelskammer, kurzzeitig (1851) als deren Subsenior. Seit 1852 kaufmännischer Direktor der Chemischen Fabrik Wohlgelegen (seit 1854: Verein Chemischer Fabriken zu Mannheim). Mitbegründer der Chemischen Fabrik Griesheim (1856/63). Mitglied im Aufsichtsrat der Zuckerfabrik Waghäusel.
1852 wurde F. in den Senat der Freien Stadt Ffm. gewählt. Dort zählte er zu den ersten Anhängern der liberalen Gothaischen Partei. Als Senator war er hauptsächlich für die städtische Finanzverwaltung, u. a. als Mitglied der Zentral-Finanz-Kommission beim Rechneiamt, zuständig. Der Gesetzgebenden Versammlung gehörte er von 1850 bis 1856 (mit kurzen Unterbrechungen) an. An den Reformbemühungen in beiden politischen Gremien der Stadt war F. maßgeblich beteiligt. So setzte er sich für die Auflösung von Zunftbeschränkungen ein, die mit der vollen Gewerbefreiheit in Ffm. 1864 endgültig erreicht wurde. Des Weiteren galt er als Mitinitiator des Hafenausbaus. Über viele Jahre vertrat er die Freie Stadt Ffm. im preußisch dominierten Deutschen Zollverein. 1857, 1862 und 1864 amtierte F. als Jüngerer Bürgermeister. Am 11.12.1865 wurde er durch Kugelung, das in Ffm. übliche Loswahlverfahren, zum Älteren Bürgermeister der Freien Stadt Ffm. für das Jahr 1866 bestimmt.
F. war ursprünglich, nicht zuletzt aufgrund seiner Erfahrungen im Zollverein, kein grundsätzlicher Gegner eines freiwilligen Anschlusses Fft.s an Preußen gewesen. Gleichwohl spielte er bei der Besetzung und Einverleibung der Stadt durch Preußen im Juli 1866 eine tragische Rolle. Anders als die Senatoren Speltz und Bernus, die die preußische Machtübernahme vom 18.7.1866 nicht anerkannten, willigte F. mit Teilen des Ffter Senats ein, seine Amtstätigkeit als Regierungsbevollmächtigter zusammen mit Senator Samuel Gottlieb Müller in einem einfachen Stadtmagistrat fortzusetzen. Am 22.7. wurde er von der preußischen Militärverwaltung vereidigt. F. versuchte, zwischen den Ffter politischen Gremien und den preußischen Militärbehörden zu vermitteln. Seine Bemühungen scheiterten spätestens mit den immensen preußischen Kontributionsforderungen an die besetzte Stadt: Die erste Kontributionsforderung vom 18.7. betrug rund 5,5 Millionen Gulden, die zweite vom 20.7. dann 25 Millionen Gulden. Die erste Summe wurde prompt bezahlt. F. plädierte dafür, die weitaus höhere zweite Forderung in Raten zu zahlen, und garantierte persönlich für eine Anleihe bei der Ffter Bank, ohne diesen Schritt zuvor mit der Gesetzgebenden Versammlung und der Ständigen Bürgerrepräsentation abzustimmen, die, entgegen seiner Erwartung, eine weitere Zahlung am 23.7. ablehnten. Dies wurde von preußischer Seite als offene Rebellion gegen die Besatzungsmacht eingestuft. Die Militärverwaltung forderte F. auf, Namen und Besitzverhältnisse aller Mitglieder der städtischen Körperschaften offenzulegen. F. stand nun völlig isoliert da, weil sich Senator Müller (auf dessen Rat sich F. in Entscheidungsfragen gewohnheitsgemäß stützte) plötzlich aus der Verantwortung zurückzog. Am frühen Morgen des 24.7.1866 beging F. im Garten seines Hauses (Seilerstraße 8) Selbstmord. Seinem Leichenzug am 26.7.1866 folgten, obwohl die preußischen Behörden der Familie die Bekanntgabe des genauen Begräbnistermins untersagt hatten, mehrere Tausend Menschen.
F., von seinen Zeitgenossen beschrieben als zwar redlicher, grundsolider Geschäftsmann, aber mit geringer politischer Entschluss- und Durchsetzungskraft, war in der prekären Ffter Situation der Julitage 1866 schuldlos überfordert. Die Zufälligkeit seiner (durch Kugelung bestimmten) Amtsinhabe bei der Annektion Fft.s durch Preußen kennzeichnet den politischen Anachronismus der freistädtischen Verfassung. F. fiel so nicht nur dem schroffen, aggressiven Auftreten der preußischen Militärbehörden, sondern auch der wenig flexiblen Haltung der Ffter politischen Körperschaften zum Opfer.
F.s Wohnhaus in der Seilerstraße wurde 1960 abgerissen. Gedenktafel (von Georg Mahr, 1958) auf dem ehemaligen F.’schen Gartengrundstück in der Friedberger Anlage. Grabdenkmal mit Porträtbüste F.s (von Heinrich Petry, 1874) auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann D 164).
Nachlass der Familie F. im ISG. Totenmaske F.s im Besitz des HMF.
Unter dem Verfasserpseudonym Alberti erschien 1867 „Der letzte Bürgermeister“, ein Drama über F.s Ende. Alexandre Dumas d. Ä. verwertete das Schicksal F.s im selben Jahr literarisch in seinem Roman „La Terreur prussienne“ (Buchausgabe in 2 Bänden, 1868, dt. Nacherzählung u. d. T. „Der Schleier im Main“, 2004).
F.straße am Anlagenring.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 198f., verfasst von: Reinhard Frost (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Reinhard Frost).

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Rudolf Jung in: ADB 48 (1904), S. 516. | Huber, Ernst Rudolf: Deutsche Verfassungsgeschichte seit 1789. 8 Bde. Stuttgart 1957-90.Huber: Dt. Verfassungsgeschichte, 3. Aufl., Bd. 3 (1988), S. 595f. | Lengemann, Jochen: MdL Hessen 1808-1996. Biographischer Index. Hg. im Auftrag d. Hessischen Landtags. Mitarbeit: Andrea Mitteldorf und Roland Schmidt. Marburg 1996. [Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 48,7; Politische und Parlamentarische Geschichte des Landes Hessen (vormals Vorgeschichte und Geschichte des Parlamentarismus in Hessen) 14].Lengemann: MdL, S. 126f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 142. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 64.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.Roth, Ralf: Von der freien Republik zur preußischen Provinzstadt. Die Bürgermeister Carl Constanz Victor Fellner und Daniel Heinrich Mumm. In: AFGK 73 (2012): Ffter Stadtoberhäupter, S. 143-154. | Blätter für deutsche Landesgeschichte (BDLG). [Bis 1937: Korrespondenzblatt des Gesamtvereins der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine.] Bisher 150 Jahrgänge. Berlin, dann Koblenz 1852/1937-2014.Klötzer, Wolfgang: Zur Annexion Fft.s 1866. In: BDLG 121 (1985), S. 317-321. | Geschichte der Handelskammer zu Ffm. 1707-1908. Beiträge zur Ffter Handelsgeschichte. Ffm. 1908.Gesch. d. Handelskammer 1908, S. 1066. | Heilbrunn, Rudolf M.: Das Ende der freien Stadt Fft. Vortrag, gehalten am 5.11.1963 für das Kuratorium Kulturelles Fft. e.V. und die Polytechnische Gesellschaft e.V. [Ffm. 1964].Heilbrunn: Ende der freien Stadt Fft. 1963. | Kanngießer, Otto: Geschichte der Eroberung der freien Stadt Fft. durch Preußen im Jahre 1866. Ffm. 1877.Kanngießer: Gesch. d. Eroberung d. freien Stadt Fft. durch Preußen 1877. | Paquet, Alfons: Die Ffterin. Ffm. 1947, Neuaufl. 1970.Porträt der Ehefrau Jeanette F.: Paquet: Die Ffterin 1947, Neuaufl. 1970, Abb. Nr. 53 m. Erläuterungen auf S. 128. | Schwemer, Richard: Geschichte der Freien Stadt Ffm. (1814-1866). 3 Bde. (in 4 Teilen). Ffm. 1910-18. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Ffm. 3-5).Schwemer: Gesch. d. Freien Stadt Ffm. 3.2, S. 298-367.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Leserbrief von Urenkel Johann Christian Fellner in: FAZ, 23.11.1979. | Ffter Neue Presse. Ffm. 1946-heute.FNP, 24.7.1950. | Ffter Rundschau. Ffm. 1945-heute.FR, 8.7.1961. | ISG, Bestand Nachlässe (S1).Nachlass der Familie Fellner: ISG, S1/207. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/77. | Kleine Presse. Stadtanzeiger und Fremdenblatt. Ffm. 1885-1922.KP, 1916, Nr. 170, Bildbeilage.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Konstanz_Viktor_FellnerHess. Biografie, 5.7.2016. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Konstanz_Viktor_FellnerWikipedia, 5.7.2016.

GND: 116460342 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2017 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Fellner, Carl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/2165

Stand des Artikels: 8.7.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 07.2016.