Lanckoroński, Leo Graf

Lanckoroński, Leo Graf. Psd.: Beda von Müller. Dr. jur. Jurist. Kunsthistoriker. Schriftsteller und Übersetzer. * 25.3.1884 Mauschwitz/Oberschlesien, † 9.5.1967 Ffm.
Seit 1921 als Staatsanwalt in Ffm., wo er bereits als Referendar (1911-14) tätig gewesen war. Von 1927 bis zu seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten 1937 Amts- und Landgerichtspräsident in Ffm. Von 1945 bis 1949 Amtsgerichtspräsident. Verdient um die Reorganisation eines demokratischen Justizwesens in Ffm. nach 1945.
Seit der Zeit des Nationalsozialismus, in der L. seinen Beruf nur sehr eingeschränkt ausüben konnte, beschäftigte er sich verstärkt mit kunsthistorischen, numismatischen und literaturwissenschaftlichen Studien, teilweise in enger Zusammenarbeit mit seiner Ehefrau Anna Maria Isabella Gräfin Lanckorońska, geb. Wertheimber-de Bary (1896-1978).
Gemeinsame Arbeiten des Ehepaars waren die Veröffentlichungen „Schönes Geld der alten Welt“ (1935), „Mythos der Hellenen“ (1941), „Das römische Bildnis“ (1944) und „Italienische Sonette aus vier Jahrhunderten“ (Übersetzungen, 1947). L. publizierte außerdem Übersetzungen italienischer Renaissancedichtung (u. a. von Colonna, Stampa und Petrarca) und das Buch „Photographieren – mein Steckenpferd“ (1948).
Gräfin Lanckorońska, die zunächst als Buchhalterin im Bankhaus ihres Vaters Ernst Wertheimber, dann als Bibliothekarin in der Rothschild’schen Bibliothek und schließlich als Antiquarin bei Walter Schatzki (später „Ffter Bücherstube“) tätig war, veröffentlichte neben Übersetzungen aus dem Englischen, Französischen und Italienischen vor allem kunsthistorische Studien, u. a. „Die Buchillustration des 18. Jahrhunderts in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ (3 Bde., 1932-34), „Die Venezianische Buchgraphik des 18. Jahrhunderts“ (1950) und „Die christlich-humanistische Symbolsprache und deren Bedeutung in zwei Gebetbüchern des frühen 16. Jahrhunderts (...)“ (1958) sowie Schriften zur Grünewald-Forschung. Von 1946 bis 1948 gab sie die Kinderzeitschrift „Brüderchen und Schwesterchen“ heraus.
Graf L. veröffentlichte 1951 seine Erinnerungen unter dem Titel „Gesegnete Mahlzeit. Die kulinarischen Lehrjahre des Beda von Müller“. 1977 antwortete ihm seine Frau mit dem Buch „Li(e)ber Beda“.
1953 Bundesverdienstkreuz. Die Erinnerungen des Grafen wurden 1954 mit der Goldenen Medaille der „Exposition du Tourisme en Suisse et l’art culinaire international“ und 1956 mit der Silbernen Medaille der 9. Internationalen Kochkunst-Ausstellung in Ffm. ausgezeichnet.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 437f., verfasst von: Sabine Hock.
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Lexika: Bergmann, E. (Hg.): Ffter Gelehrten-Handbuch. Ffm. [1930].Bergmann: Ffter Gelehrten-Hdb. 1930, S. 96. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Kenner, Hedwig: Lanckoroński(-Brzezie), Grafen. In: NDB 13 (1982), S. 475.
Literatur:
                        
Seng, Joachim: Goethe-Enthusiasmus und Bürgersinn. Das Freie Deutsche Hochstift – Ffter Goethe-Museum 1881-1960. Göttingen 2009.Seng: Freies Deutsches Hochstift 2009, S. 507f.; über Maria Gräfin L. vgl. S. 362, 398, 400f.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/210. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.173 (Maria Gräfin Lanckorońska).

GND: 118726153 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2018 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Lanckoroński, Leo Graf. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/3020

Stand des Artikels: 21.8.1990