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Andreae, Victor

Andreae (auch: Andreä), Hermann Victor. Dr. jur. Dr. med. Dr. phil. h. c. Lic. theol. Advokat. Homöopathischer Arzt. Evangelischer Theologe. Sprach- und Religionsforscher. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 10.6.1817 Ffm., Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 8.9.1889 Ffm.
Sohn des Kaufmanns Johann Carl A. (1789-1843) und dessen Ehefrau Marie Sophie, geb. Bansa (1798-1854), einer Tochter des Bankiers Johann Matthias Bansa (1758-1802) und dessen Ehefrau Marie Sophie, geb. Streiber (1762-1842).
Seit Herbst 1837 Studium der Rechtswissenschaften in Göttingen (1837/38), Berlin (1838) und Bonn (1838-40), abgeschlossen mit der Promotion zum Dr. jur. in Heidelberg (1840) und der staatlichen Prüfung in Ffm. (1841). 1841 Niederlassung als Advokat in Ffm. Unbefriedigt von diesem Brotberuf, widmete sich A. nebenbei seinem eigentlichen Interessensgebiet, der Theologie, und gab einige theologische Schriften heraus (u. a. „Die Kämpfe des christlichen Herkules“, Übersetzung eines Werks von seinem vermuteten und verehrten Vorfahren Johann Valentin A. aus dem Lateinischen, 1845, und „Lebensfragen der Kirche Christi. Zehn Betrachtungen veranlaßt durch das Auftauchen des sogenannten Irvingismus in Deutschland“, 1848). Ab Ostern 1850 absolvierte A. ein Medizinstudium in Bonn (1850-51) und Heidelberg (1851), promovierte mit einer Arbeit „Ueber den Zusammenhang zwischen Medicin und Philosophie“ (im Druck 1852) zum Doktor der Medizin und war anderthalb Jahre lang am Senckenbergischen Bürgerhospital tätig. 1852 eröffnete er eine eigene Arztpraxis in Ffm., wobei er sich auf die Homöopathie spezialisierte und auch psychische Aspekte bei der Heilung betrachtete. Als damals einziger homöopathischer Arzt in Ffm. soll er besonders von den Familien der Bundestagsgesandten gesucht gewesen sein. In späteren Jahren beschäftigte sich A. wieder intensiver mit der Theologie. 1869 verlieh ihm die Universität Marburg den Grad eines theologischen Lizentiaten. Daraufhin gab er seine Arztpraxis 1870 an seinen Schwiegersohn Dr. med. Caspar Simrock (1842-1897) ab und widmete sich fortan ganz religionsgeschichtlichen und sprachlichen Studien. Neben Latein, Griechisch, Französisch, Englisch, Italienisch und Chinesisch beherrschte A. vor allem das Hebräische, das er in einem ständigen Kränzchen mit den Ffter Rabbinern pflegte. Zu seinen langjährigen Freunden gehörten der baptistische Theologe August Rauschenbusch (1816-1899), der Arzt Louis Appia (1818-1898) und der Kaufmann Georg Seufferheld (1813-1874).
A.s späte theologische Werke dienten „dem Zweck (...), die heilige Schrift den Gebildeten durch sorgfältige Uebersetzung und erbauliche Auslegung ohne Eingehen auf kritische Fragen näher zu bringen“ (Hermann Dechent). Insbesondere seine Übersetzungen und Erläuterungen der Propheten Hiob (1870) und Jesaja (1892 posthum) sowie seine Vorlesungen über „Ursprung und erste Entwicklung der Kirche Christi in der Apostelgeschichte des Lukas“ (1877) fanden seinerzeit breite Anerkennung. Weitere theologische Schriften, u. a. „Die Weltanschauung des Glaubens in einer praktischen Auslegung des Hebräerbriefes“ (1866) und „Die Psalmen“ (Übersetzung und Kommentar, gedacht für den erbaulichen Hausgebrauch, 1885).
Mitverfasser des Werks „Bibliotheca sinologica. Uebersichtliche Zusammenstellungen als Wegweiser durch das Gebiet der sinologischen Literatur“ (mit John Geiger, 1864).
1870 Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Straßburg.
Grabstätte innerhalb des Familiengrabs A.-Simrock auf dem Ffter Südfriedhof (Gewann A/169-170).
Aus der 1842 geschlossenen Ehe mit Marie Gertraude Emilie Habel (1822-1880) stammten drei Söhne, u. a. der Kaufmann und Jäger Edgar A., und fünf Töchter; nur vier Kinder überlebten den Vater. Die älteste Tochter, Susanna Emilie Pauline A. (1843-1914), heiratete 1870 den Arzt Caspar Simrock (1842-1897), den Sohn des Bonner Germanisten Karl Simrock (1802-1876); dieser Schwiegersohn, ebenfalls Homöopath, führte die Arztpraxis A.s fort. Für den familiären Gebrauch schrieb A. viele Gedichte und einige Lieder, u. a. einen Gedichtzyklus zum Tod des im Alter von zwei Jahren verstorbenen jüngsten Sohns Johann Valentin Georg A. (1861-1863) als Trost für seine Frau zu Weihnachten 1863.
Aus dem Nachlass von A. befinden sich 15 Bände mit chinesisch-deutschen Lehr- und Übungsmaterialien (1859-62) in der UB Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 25f., verfasst von: Sabine Hock.

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Literatur:
                        
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Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Münster, Nikolaus: „Bring uns Pauline nicht ins Haus“. Ein Ffter Kapitel im Leben des Nibelungen-Übersetzers Karl Simrock. In: FAZ, 22.8.1986. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.914.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/pnd/124496806Hess. Biografie, 6.3.2017. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Victor_AndreaeWikipedia, 6.3.2017.

GND: 124496806 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Andreae, Victor. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/412

Stand des Artikels: 10.3.2017
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 03.2017.