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Vossler, Otto

Vossler, Otto. Prof. Dr. phil. Historiker. * 14.2.1902 Heidelberg, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 26.12.1987 Laubach/Hessen, begraben in Castell/Unterfranken.
Sohn des Romanisten Karl V. (1872-1949), der seit 1911 an der Universität in München lehrte. Die Mutter, Esterina Contessa Gnoli (1872-1922), Tochter des Schriftstellers, Bibliothekars und Kunsthistorikers Domenico Conte Gnoli (1838-1915), stammte aus einer angesehenen italienischen Gelehrtenfamilie.
Wesentliche Bildungseinflüsse im Elternhaus. Geprägt vom deutschen Idealismus und Historismus sowie durch den elterlichen Freund Benedetto Croce (1866-1952). Besuch des Gymnasiums in München. Studium der Geschichte und Germanistik in Hamburg und München. 1926 Promotion mit einer Arbeit über Mazzini in München. Zweijähriger Stipendienaufenthalt in England, den USA und Frankreich. 1929 Habilitation in Berlin. Seit 1930 außerordentlicher Professor in Leipzig; der 28-Jährige war damals der jüngste Geschichtsprofessor in Deutschland. Von 1938 bis 1945 ordentlicher Professor für Mittlere und Neuere Geschichte mit Schwerpunkt auf der Geschichte Westeuropas und Amerikas an der Universität in Leipzig. Von 1942 bis 1944 Dekan der Philologisch-Historischen Abteilung der dortigen Philosophischen Fakultät und von 1943 bis 1945 Sekretär der Philologisch-Historischen Klasse der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1944 Kriegsdienst bei der Wehrmacht. In Leipzig ausgebombt, zog V. nach Kriegsende zunächst nach Lich/Oberhessen, dann nach Wolfsgarten zu den Verwandten seiner zweiten Frau. Der Versuch der Leipziger Universität, V. zurückzuholen, scheiterte an der mittlerweile erfolgten sowjetischen Besetzung. Auch zog es V.s Frau Elisabeth, geb. Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich (1903-1992), vor, in Hessen zu leben. Da die Ffter Universität nach der Entlassung Walter Platzhoffs – wegen seiner NS-Verstrickung – dringend einen Neuzeithistoriker brauchte, bemühten sich Ernst Beutler und der amtierende Bürgermeister Wilhelm Hollbach 1945, V. für eine Professur zu gewinnen – mit Erfolg. V. war unbelastet vom Nationalsozialismus, und zudem war einer seiner wissenschaftlichen Schwerpunkte die angelsächsische Geschichte, was der amerikanischen Besatzungsmacht höchst willkommen war, sollte doch eine stärkere westeuropäische Ausrichtung die deutsche Geschichtswissenschaft entstaatlichen und entmilitarisieren. Seit 1946 lebte und lehrte V. als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der englischen und amerikanischen Geschichte in Ffm. Trotz mehrerer auswärtiger Rufe blieb V. bis zu seiner Emeritierung 1967 an der Ffter Universität. In all diesen Jahren bildete er viele Historiker für den Lehrberuf wie auch für Wissenschaft und Medien aus. In regelmäßigen fünfstündigen Vorlesungen behandelte er die Zeit vom späten 15. Jahrhundert bis hin zum Ersten Weltkrieg. Er bot außerdem Vorlesungen zur Geschichte Frankreichs, Englands, der USA und zur überseeischen Ausbreitung an und wirkte damit insbesondere für die deutsch-amerikanische Verständigung und für das demokratische Verständnis der Revolution von 1848/49. Die Vorlesungen wurden von einer ebenso regelmäßigen zweistündigen Übung begleitet. V. war in seiner liberalen, zurückhaltenden, aber humorigen Art ein vielgewählter Prüfer und beliebter Dozent. Er war bei der Neuausrichtung der Universität nach 1945 einer der maßgeblichen Professoren, war Direktor des Historischen Seminars und zweimal Dekan der Philosophischen Fakultät.
1945/46 Mitglied im Ausschuss zur Ausarbeitung des ersten Entwurfs für die hessische Verfassung. Auf seine Initiative ging u. a. die verbindliche Festlegung des Geschichtsunterrichts in der Verfassung zurück. 1948 Mitorganisator der Zentenarfeier der Deutschen Nationalversammlung in Ffm.
Seit 1942 Mitglied, seit 1945 korrespondierendes Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften. Seit 1955 Mitglied der Ffter Wissenschaftlichen Gesellschaft. Mitglied, seit 1987 Ehrenmitglied der Ffter Historischen Kommission. Mitglied der Deutschen Gruppe des PEN.
Zahlreiche Veröffentlichungen zur Neueren Geschichte sowie zur Theorie der Geschichte und zum politischen Denken.
1930 Jusserand Medal der American Historical Association für seine Habilitationsschrift über „Die amerikanischen Revolutionsideale in ihrem Verhältnis zu den europäischen“. 1984 Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen.
Nachlass im Universitätsarchiv Ffm. und im Archiv der Fürsten Castell-Castell in Castell/Unterfranken.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Notker Hammerstein.

Lexika: Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. München 1927-2003.Kürschner: Gel. 1966, S. 2585; 1992, S. 4273 (Nekr.). | Hessische Landesregierung: Im Dienste der Demokratie. Die Trägerinnen und Träger der Wilhelm-Leuschner-Medaille. Hg. v. d. Hessischen Staatskanzlei. Wiesbaden 2004.Trägerinnen u. Träger d. Wilhelm-Leuschner-Medaille 2004, S. 149.
Literatur:
                        
Brockhoff, Evelyn/Heidenreich, Bernd/Maaser, Michael (Hg.): Ffter Historiker. Göttingen 2016. (Schriftenreihe des Ffter Universitätsarchivs 6).Muhlack, Ulrich: Geschichte als Sinn: Otto Vossler. In: Brockhoff/Heidenreich/Maaser (Hg.): Ffter Historiker 2016, S. 145-186. | Hammerstein, Notker: Die Johann Wolfgang Goethe-Universität Ffm. Band II: Nachkriegszeit und Bundesrepublik 1945-1972. Göttingen 2012.Hammerstein: JWGU II 2012, S. 36, 80, 123f., 178, 405, 598, 733 u. ö. | Historische Zeitschrift. München 1859-heute.Nekrolog von Ulrich Muhlack in: HZ 247 (1988), S. 214-216. | Wer ist’s? Titel auch: Degener’s Wer ist’s? Titel ab 1923: Wer ist wer? Wechselnde Untertitel: Zeitgenossenlexikon. / Unsere Zeitgenossen. / Das deutsche Who’s who. Leipzig, ab 1928 Berlin 1905-93.Wer ist wer? 1962, S. 1639.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.688.
Internet: Professorenkatalog der Universität Leipzig (Catalogus Professorum Lipsiensium), hg. vom Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte, Historisches Seminar der Universität Leipzig. http://www.uni-leipzig.de/unigeschichte/professorenkatalog/leipzig/Vossler_363/Professorenkatalog d. Univ. Leipzig, 1.11.2016. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_VosslerWikipedia, 1.11.2016.

GND: 117451452 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hammerstein, Notker: Vossler, Otto. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/4352

Stand des Artikels: 23.11.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2016.