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Paulus, Kätchen

Erste deutsche Fallschirmspringerin. Erfinderin des Paketfallschirms.

Kätchen Paulus

Kätchen Paulus
Fotografie von Walther Richter (um 1900; in Privatbesitz).

© privat. Nähere Informationen auf Anfrage bei der Redaktion.
Paulus, Katharina, gen. Kätchen (auch: Käte). Eigentl. Nachname: Funk. Luftfahrerin. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 22.12.1868 Zellhausen bei Seligenstadt, † 26.7.1935 Berlin.
Katharina wurde als uneheliche Tochter von Anna Maria Funk (1846-1922) geboren und trug deshalb zunächst den Geburtsnamen der Mutter. Nach der Heirat der Mutter 1874 wurde das Kind von ihrem Ehemann Johann Wilhelm Paulus (1848-1887) adoptiert und nahm dessen Nachnamen an.
Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, zog Kätchen mit den Eltern um 1876 nach Oberrad, später (1878) direkt nach Ffm., wo der Vater Wilhelm P., ein Schmied aus Beerfelden/Odenwald, als Tagelöhner begann. Nach dem Besuch der Volksschule wurde das Mädchen angeblich in einer Werkstatt für feine Damenbekleidung ausgebildet und arbeitete als Näherin („Kleidermacherin“). Für ein paar Jahre (etwa 1884-89) lebte die Familie in Darmstadt, wohl wegen der besseren Berufschancen für den Vater, der sich dort zum Maschinenheizer emporarbeitete. Einige Zeit nach seinem frühen Tod 1887 zogen die Witwe P. und ihre Tochter Kätchen zurück nach Ffm., wo sie, wie schon früher, häufig die Wohnung wechselten. Zur Zeit von Kätchens beginnender Luftfahrtbegeisterung lebten Mutter und Tochter – wohl zur Untermiete in einer Hinterhauswohnung – in der Waldschmidtstraße 58 am Zoo (1890-95).
Um 1890 lernte P., wahrscheinlich in Wiesbaden, den Ballonfahrer Carl Christoph Hermann Lattemann (1852-1894) kennen, der sie für die Luftfahrt begeisterte und ihr Lebensgefährte wurde; am 7.3.1891 wurde ihr gemeinsamer Sohn Willy Hermann P. (1891-1895) in Ffm. geboren. Zunächst unterstützte P. als gelernte Näherin Lattemann beim Ausbessern und Herstellen von Ballonen und Fallschirmen. Nach drei Jahren intensiver Vorbereitung, in denen Lattemann sie mit der Technik vertraut machte und auch in der Wetterkunde unterrichtete, durfte P. am 19.7.1893 in Nürnberg erstmals im Ballon mitfahren, und vier Tage später wagte sie ihren ersten Absprung mit dem Fallschirm. Sie gilt damit als erste deutsche Fallschirmspringerin. Künftig tingelte das Paar von Stadt zu Stadt, um seine aeronautischen Kunststücke vorzuführen. Nach nur knapp einem Jahr der Zusammenarbeit, kurz vor der geplanten Heirat, stürzte Lattemann in Krefeld vor Kätchens Augen tödlich ab (17.6.1894).
In den folgenden Jahren baute sich P. eine Existenz als Berufsluftschifferin auf. Sie wurde „ihre eigene Managerin, Pressechefin, technische Leiterin und Hauptdarstellerin“ (Gerta Walsh), die es hervorragend verstand, sich und ihre Auftritte europaweit zu vermarkten. Bis zum Ende ihrer aktiven „Luftkarriere“ um 1912 unternahm sie, die sich international „Miss Polly“ nannte, insgesamt 516 Ballonaufstiege und 147 Fallschirmabsprünge. In Ffm., wo sie bis 1912 lebte, war Kätchen P. ungemein populär. Ihre sonntäglichen Ballonaufstiege vom Ffter Zoo aus (ab 1894) waren immer eine vielbeachtete Attraktion. Schon früh verknüpfte sie ihre Auffahrten geschäftstüchtig mit Werbezwecken, etwa im Juni 1899, als sie mit einem „Fahrrad-Luftballon“ (an dem statt der Gondel ein Fahrrad montiert war) für die Ffter Adlerwerke startete. Immer stellte die Luftschifferin ihre Ballone und Fallschirme selbst her, so dass sie beispielsweise auf der Internationalen Luftschiffahrt-Ausstellung (Ila) in Ffm. 1909 mit einem eigenen Verkaufsstand vertreten war. Seit dem Verlust ihres Lebensgefährten durch das technische Versagen seines Fluggeräts konzentrierte sich P. besonders auf die Verbesserung der Fallschirmsicherheit. Sie entwickelte den bis heute üblichen „Paketfallschirm“ oder auch „Rettungsfallschirm“, der deutlich sicherer als die früher offen gewickelten Fallschirme war, wofür sie später (1921) ein Schweizer Patent erhielt.
1912 übersiedelte P. mit ihrer Mutter nach Berlin, wo sie sich im Auftrag der Preußischen Heeresluftfahrtverwaltung verstärkt der Produktion widmen wollte, während sie die aktive Ballonfahrt spätestens mit Beginn des Ersten Weltkriegs aufgab. (Am Versuch, den Motorflugschein zu erwerben, war sie gescheitert.) Seit 1915 produzierte sie in eigener Werkstatt rund 1.000 Ballonhüllen und fast 7.000 Fallschirme für das Militär, wofür sie stets eigenhändig den Stoff – etwa 20.000 Meter pro Woche – zuschnitt. Einem Rettungsfallschirm der Marke „K. P.“ [sic!] verdankten bald so viele Soldaten ihr Leben, dass Käte P. mit hohen Kriegsorden (u. a. dem Verdienstorden für Kriegshilfe, 1917) ausgezeichnet wurde. Nach Verlust ihres Vermögens, das sie in Kriegsanleihen investiert hatte, und Erliegen der Luftfahrt infolge des Versailler Vertrags führte P. ein bescheidenes Dasein als Rentnerin in Berlin. Im Alter von 66 Jahren erlag sie einem längeren Krebsleiden.
Kätchen-P.-Straße am Rebstockgelände. „P.haken“ am Fallschirm von P. entwickelt und nach ihr benannt.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 128f., verfasst von: Reinhard Frost.

Literatur:
                        
Bonnet, Rudolf: Käthchen Paulus, die kühne Ballonfliegerin und erste deutsche Fallschirmspringerin. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde zu Bad Homburg v. d. H. 29 (1965), S. 1-56.Bonnet: Käthchen Paulus 1965. | [Fischer, Carl:] Cefischer erinnert sich. Ffm. 1969.Cefischer erinnert sich 1969, S. 40. | Fertsch-Röver, Hadwiga/Spielmann, Birgit (Hg.): Hessen: Wo die Liebe hinfällt. Paare und Passionen in Hessen. Marburg 2001.Frank Franke in: Fertsch-Röver/Spielmann (Hg.): Paare u. Passionen in Hessen 2001, S. 93-96. | Gerteis, Walter: Das unbekannte Fft. Drei Folgen. Ffm. 1960-63, 6. Aufl. der 1.-2. Folge bzw. 3. Aufl. der 3. Folge 1976.Gerteis: Das unbekannte Fft. 3 (1963), S. 220f. | Kasper, Birgit/Schubert, Steffi: Nach Frauen benannt. 127 Straßen in Ffm. Hg. v. Frauenreferat der Stadt Ffm. Ffm. 2013.Kasper/Schubert: Nach Frauen benannt 2013, S. 74f. | Kultur & Technik. Das Magazin aus dem Deutschen Museum. Bisher 38 Jahrgänge. München 1977-2014.Gertoberens, Klaus: Auf Schatzsuche im Deutschen Museum. Käthe Paulus und der freie Fall. In: Kultur & Technik 1/2013, S. 42-45. | Kutscher, Markus: Geschichte der Luftfahrt in Ffm. Von Aeronauten und Jumbo-Jets. Wissenschaftliche Beratung: Michael K. Wustrack. Ffm. 1995.Kutscher: Luftfahrt 1995, S. 20-23. | Schilling, Helena Maria: Zellhausen im Wandel der Zeiten. Ein Heimatbuch. Bearb. u. hg. v. Heinz Schilling. [Schöneck] 1980.Schilling: Zellhausen 1980, S. 269-274. | Walsh, Gerta: Bemerkenswerte Frauen in Homburg. Frauen prägen 300 Jahre Bad Homburger Geschichte. Ffm. 1995.Walsh: Frauen in Homburg 1995, S. 73-75.
Quellen: Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Dieter Vogt in: FAZ, 17.6.1964. | Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Werner Eckhardt in: FAZ, 29.5.1993. | Ffter General-Anzeiger. Titel auch: Ffter Anzeiger, General-Anzeiger der Stadt Ffm. Ffm. 1876-1943.Nachruf in: FGA, 29.7.1935. | Ffter Zeitung. Ffm. (1856) 1866-1943.Bericht über die Beisetzung in Berlin: FZ, 1.8.1935. | ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“), ca. 1870-1930.Meldekarte der Eltern in: ISG, Nullkartei. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/29. | Presse- und Informationsamt (PIA) der Stadt Ffm. (Hg.): Pressedienste (Tages- und Wochendienst), später Service PRESSE.INFO.Hock, Sabine: Ihre Spezialität war der Doppelabsturz. Die Luftpionierin Kätchen Paulus ist vor 75 Jahren gestorben. In: PIA, Service PRESSE.INFO, Feature vom 13.7.2010.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4the_PaulusWikipedia, 1.7.2014.

GND: 122720210 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Paulus, Kätchen. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/737

Stand des Artikels: 4.8.2014
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 08.2014.