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Reutlinger, Familie

Wilhelm Benjamin Reutlinger

Wilhelm Benjamin Reutlinger (1851-1905)
Fotografie (um 1900; aus Hock: Chronik d. Ffter Seilerfamilie Reutlinger 1989, S. 52).

© Wilhelm Reutlinger Erben, Ffm.
Die Ffter Handwerkerfamilie, deren verschiedene Zweige im Bierbrauer-, Zinngießer- und vor allem im Seilerhandwerk tätig waren, geht zurück auf den Schuhmacher Wolff Rudel von der Wydenn (auch: Rutlin, Rutling; † vor 1556), der am 18.2.1517 Ffter Bürger wurde und dessen Sohn Wolff († 1596) den Namen R. (auch: Reidtlinger, Reudlinger) annahm. Deren Nachfahre Johann Valentin R. (1643-1692) wurde Seilermeister und begründete damit eine Familientradition, die bis zu Wilhelm Benjamin R. (1907-1991) reichte, dem letzten Ffter Seilermeister dieses Namens. Von Johann Valentin R. stammten ab: Jakob R. (1830-1903), Seilermeister (seit 1856) und Firmengründer der Ffter Seilerei seines Namens; Wilhelm Benjamin R. (1851-1905), Gründer der Ffter „Draht- und Hanfseilfabrik Wilhelm R.“ (1873); die Gründer der Ffter Maschinenfabrik „Bernhard & Carl R.“ (1872), die sich auf Seilereimaschinen spezialisiert hatte und durch die dort entwickelte „Ffter Spinnmaschine“ bekannt wurde; der Seilermeister und Ingenieur Julius Georg Philipp R. (1861-1941), Fabrikant in Offenbach, „Seilforscher“ und Herausgeber eines um 1900 erstmals erschienenen „Taschenbuchs für Seiler“, eines Standardwerks der Seilerei.
Jakob R. wurde vor allem deshalb berühmt, weil er mit seiner von Vater Philipp Jakob (1804-1879) übernommenen Seilerei die Seile zum Aufzug der Kolossalstatue der „Germania“ auf den Sockel des Niederwalddenkmals bei Rüdesheim (1883) und der Atlasgruppe auf den Ffter Hauptbahnhof (1889) lieferte. Jakob R. finanzierte auch gemeinnützige Projekte, so die Errichtung des ersten Feuertelegrafen in Ffm. und den Bau der Kanonenstraße von der Hohemark über Sandplacken nach Schmitten im Taunus. Da er kinderlos war, verkaufte er seine Seilerei am Hainer Weg an die „Voltohm, Seil- und Kabel-Werke AG“, die dort bis in die 1960er Jahre produzierte.
Die „Draht- und Hanfseilfabrik Wilhelm R.“ hatte ihr Kontor zunächst im Geburtshaus des Firmengründers Wilhelm Benjamin R., eines Bruders von Jakob R., in der Großen Fischergasse 19. 1889 verlegte Wilhelm R. die Fabrikation an die Offenbacher Landstraße, wo er eine 300 Meter lange gedeckte Seilerbahn errichtete. Die zunächst von seinem Sohn Matthias Wilhelm R. (1884-1943) und zuletzt von dessen Sohn Wilhelm Benjamin R. (1907-1991) fortgeführte Fabrik wurde bei dem Luftangriff am 4.10.1943 zerstört, bis 1952 wiederaufgebaut und bis 1975 stetig erweitert, musste aber 1984 einen Großteil der Fabrikation einstellen, da sie dem Import von Seilen aus der Dritten Welt preislich nicht mehr begegnen konnte. Auf dem Fabrikgelände in der Offenbacher Landstraße 190 hat heute die weiterhin in Familienbesitz befindliche Firma „Wilhelm Reutlinger GmbH + Co KG“ mit ihrer Tochtergesellschaft „Reutlinger GmbH“, die sich auf Handel, Entwicklung und Herstellung von Abhängungssystemen spezialisiert hat, ihren Sitz. Das Stadtgeschäft der Firma, das sich immer in der Altstadt nahe dem Dom befunden hatte (seit 1891 in der Mehlwaage, seit 1905 im Kleinen Stolzenberg am Garküchenplatz, von 1912 bis zur Zerstörung 1944 in der Domstraße 4) und nach dem Krieg in der Domstraße 7 wiedereröffnet worden war, musste 1988 aufgegeben werden, als im Rahmen der Errichtung des Museums für Moderne Kunst der Gebäudekomplex in der Domstraße neugestaltet wurde.
Wilhelm Benjamin R. (1907-1991) hat ein „Familienarchiv Reutlinger-Simrock(-Andreae)“ aufgebaut, das auch Dokumente zur Familiengeschichte seiner Ehefrau Sieglinde Helga R., geb. Simrock (1914-2015), enthält. Auf der Grundlage der darin gesammelten Quellen erschien 1989 die „Chronik der Ffter Seilerfamilie R.“, im Auftrag von Wilhelm R. herausgegeben von Sabine Hock.
Familiengrabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann K an der Mauer).

GND: 118911708 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 192f., verfasst von: Sabine Hock (redigierte Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon).

Lexika: Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 467.
Literatur:
                        
Chronik der Ffter Seilerfamilie Reutlinger. Im Auftrag von Wilhelm Reutlinger anhand des Familienarchivs Reutlinger-Simrock hg. v. Sabine Hock. Waldkirch 1989.Hock: Chronik d. Ffter Seilerfamilie Reutlinger 1989. | Schneider, Konrad: Mit Dampf in die Zukunft! Fft.s Weg in die Industrialisierung. Ffm. 2014. (Kleine Schriften des ISG).Schneider: Industrialisierung 2014, S. 76.
Quellen: ISG, Sammlung von Firmenbriefen (Briefköpfen), ab 1766.Quittung und Rechnung der Fa. Wilhelm Reutlinger, Mechanische Draht- und Hanfseilfabrik, 1909: ISG, Firmenbriefe, W4/668. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/12.928 (Familie Reutlinger). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/18.303 (Sieglinde Reutlinger). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/5.894 (Wilhelm Benjamin Reutlinger). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/R 4.079 (Seil- und Netztechnik Reutlinger GmbH). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/R 5.013 (Voltohm, Seil- und Kabel-Werke AG).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Reutlinger, Familie. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/882
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Stand des Artikels: 25.3.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 09.2014.