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Schnaudigel, Otto

Erster Direktor der Ffter Universitätsaugenklinik.

Schnaudigel, Otto Franz August. Prof. Dr. med. Augenarzt. * 12.11.1869 Speyer, † 6.10.1945 Hahn/Odenwald.
Sohn eines Sattlermeisters.
Von 1889 bis 1894 Studium der Medizin in Heidelberg, Rostock und München. 1894 Promotion und Approbation in München. 1894/95 Parisaufenthalt an der Privatklinik des berühmten Augenoperateurs Eduard Meyer, ermöglicht durch ein Reisestipendium der bayerischen Regierung aufgrund seiner guten Studienabschlüsse. Von 1895 bis 1896 Assistenzarzt an der Augenklinik des St.-Vincentius-Krankenhauses Karlsruhe. Seit 1896 Assistent, dann Oberarzt an der Universitätsaugenklinik in Heidelberg. Hier operierte Sch. Leopold Sonnemann am Grauen Star; zum Dank für die erfolgreich verlaufene Operation soll sich der FZ-Verleger für das weitere Fortkommen des jungen Arztes eingesetzt haben.
Am 1.12.1898 ließ sich Sch. als Augenarzt in Ffm. nieder, und am 1.7.1900 trat er zusätzlich als mitdirigierender Arzt in die bereits 1845 gegründete Ffter Augenheilanstalt ein. Hier bekämpfte er u. a. die „Ägyptische Augenkrankheit“ (Trachom), die damals im hinteren Taunus häufig vorkam und erst dank seiner (kostenlosen) Behandlung ausgerottet wurde. Bei seinem Eintritt als leitender Arzt hatte Sch. unhaltbare hygienische Zustände in der Augenheilanstalt vorgefunden, weshalb er die Verlegung der Anstalt mit ihrer Poliklinik in ein anderes (provisorisches) Domizil vorantrieb und 1905 erreichte. Bald darauf, im Zuge der Erweiterung des Städtischen Krankenhauses in Sachsenhausen im Hinblick auf die geplante Gründung einer Universität in Ffm., entstand der Neubau einer Augenklinik (als Seitengebäude zu Carolinum als Zahnklinik und Hals-Nasen-Ohrenklinik, 1909/10), an dessen Planung und Einrichtung Sch. maßgeblich beteiligt war. Die ursprüngliche Absicht, die alte Augenheilanstalt mit ihrem stationären Teil in das neue Klinikgebäude zu verlegen und gemeinsam mit der Städtischen Augenklinik fortzuführen, zerschlug sich jedoch; die Augenheilanstalt bestand als unabhängige Einrichtung weiter, wurde 1920 als eigenständige Abteilung dem Hospital zu heiligen Geist angegliedert und erst 1944 aufgelöst.
Zum 1.6.1910 wechselte Sch. als Direktor an die neu eröffnete Augenklinik am Städtischen Krankenhaus in Sachsenhausen, die er kontinuierlich zu einem bedeutenden Zentrum der Augenheilkunde ausbaute. Durch die enge Zusammenarbeit mit Paul Ehrlich konnte Sch. bald das Salvarsan in der Augenheilkunde einsetzen (vgl. seine Schrift „Ehrlich-Hata 606 in der Augenheilkunde“, 1911) und somit als einer der Ersten die Chemotherapie zur Bekämpfung luetischer Augenkrankheiten in der Praxis anwenden. Auch Lepra, tuberkulöse und allergische Augenerkrankungen behandelte er erfolgreich mit innovativen Methoden. Vor allem führte Sch., der selbst als glänzender Operateur galt, einige neue und wegweisende Operationstechniken ein. Er nahm schon früh Hornhautverpflanzungen vor und bekämpfte nach neuesten Erkenntnissen operativ den Grünen Star; als einer der Ersten in Deutschland führte er die Trepanation nach Elliot, ein 1913 vorgestelltes Verfahren der Glaukomoperation, aus. Mit seinen Untersuchungen über die Vitalfärbung am Auge schuf er die Grundlagen für den Einsatz der Angiografie zur Diagnostik in der Augenheilkunde.
Mit der Gründung der Ffter Universität 1914 stieg Sch. zum ordentlichen Professor und leitenden Direktor der Klinik für Augenheilkunde an dem (aus dem Städtischen Krankenhaus hervorgegangenen) Universitätsklinikum auf. Während des Ersten Weltkriegs, als das Klinikum in Sachsenhausen zugleich als Reservelazarett diente, musste sich auch Sch., offiziell als konsultierender Augenarzt des XVII. Armee-Korps eingesetzt, in der Augenklinik vorrangig um die Behandlung verwundeter und kranker Soldaten kümmern. Von Kriegsbeginn bis Mitte Februar 1919 wurden insgesamt 15.927 Soldaten ärztlich betreut. Bedingt durch die Behandlung von Kriegsverletzten als Schwerpunkt der klinischen Arbeit in jenen Jahren beschäftigte sich Sch. verstärkt mit Fragen der Röntgendiagnostik (z. B. zur Fremdkörperbestimmung im Auge) und Prothetik in der Augenheilkunde.
1923/24 amtierte Sch. als Dekan der Medizinischen Fakultät. Als Lehrender war er bei seinen Studenten sehr beliebt. Da er in seiner Freizeit gern malte und zeichnete, illustrierte er seine Vorlesungen oft mit eigenen Zeichnungen und zeigte selbst angefertigte Öl- und Aquarellbilder von pathologischen Augenbefunden. Auch legte er eine Sammlung mit Fotografien von Augenerkrankungen an. Am 31.3.1935 wurde Sch. zwar nach Erreichen der Altersgrenze, doch relativ abrupt emeritiert. Das Entlassungsschreiben der neuen Machthaber empfand er als „grob aber deutlich”. Danach setzte Sch. seine international renommierte Privatpraxis fort und operierte nebenbei noch im St. Marienkrankenhaus in der Augenabteilung seines ehemaligen Schülers Max Müller. 1944 wurde er nach Hahn/Odenwald evakuiert, wo er bis zu seinem Tod im Herbst 1945 weiterhin eine kleine Augenarztpraxis führte.
Seit 1898 Mitglied des Ffter Ärztlichen Vereins. Seit 1899 Mitglied, zeitweise im Direktorium, der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. 1913 Mitbegründer der Vereinigung Hessen-Nassauischer Augenärzte, der späteren Vereinigung Rhein-Mainischer Augenärzte.
Wissenschaftliche Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Augenheilkunde.
Mitherausgeber der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde” (seit 1918).
„Über mein Leben“ (Autobiographie, unveröffentlichtes Manuskript, 1916-35).
Kriegsauszeichnungen, u. a. Eisernes Kreuz am weißen Bande. Senckenberg-Medaille.
Porträtrelief (von Carl Stock, 1925).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock/Fritz Koch.
Artikel in: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 318f., verfasst von: Fritz Koch.

Lexika: Bergmann, E. (Hg.): Ffter Gelehrten-Handbuch. Ffm. [1930].Bergmann: Ffter Gelehrten-Hdb. 1930, S. 132f. | Deutsche Biographische Enzyklopädie. Hg. von Walther Killy und Rudolf Vierhaus. 13 Bde. München/Leipzig 1995-2003. 2., überarb. u. erw. Aufl. 12 Bde. Berlin 2005-08.DBE 9 (2008), S. 90. | Kallmorgen, Wilhelm: 700 Jahre Heilkunde in Ffm. Ffm. 1936.Kallmorgen, S. 404. | Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender. Hg. v. Joseph Kürschner u. a. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. München 1927-2003.Kürschner: Gel. 1950, Sp. 2423 (Nekr.).
Literatur:
                        
Benzenhöfer, Udo: Die Gründungsgeschichte der Medizinischen Fakultät in Ffm. Münster [u. a.] 2011.Vorwort von Otto Schnaudigel zum Protokollbuch der Medizinischen Fakultät Ffm., 16.11.1914, und Protokoll der ersten Sitzung der Medizinischen Fakultät Ffm., 19.11.1914. In: Benzenhöfer: Gründungsgesch. d. Med. Fakultät 2011, S. 51-58; vgl. auch S. 42f. | Medizin in Ffm. Ein Symposion zum 65. Geburtstag von Gert Preiser. Hg. v. Juliane C. Wilmans. Hildesheim 1994. (Ffter Beiträge zur Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin, Bd. 15).Schnaudigel, Otto-Ernst: Otto Schnaudigel – der erste Direktor der Ffter Universitäts-Augenklinik. In: Medizin in Ffm. 1994, S. 191-196. | Müller, Klaus A.: 100 Jahre Universitätsaugenklinik in Ffm. [Universitätsklinikum Ffm. Klinik für Augenheilkunde.] Ffm. 2014.Müller: 100 Jahre Universitätsaugenklinik 2014, S. 4-9.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/3.440.

GND: 116818964 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine/Koch, Fritz: Schnaudigel, Otto. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1109

Stand des Artikels: 4.5.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2016.