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Textor, Johann Wolfgang (1638-1701)

Johann Wolfgang Textor (1638-1701)

Johann Wolfgang Textor (1638-1701)
Radierung von Wolfgang Philipp Kilian (1701; im Besitz des FDH).

© Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum, Ffm. (Inv. Nr. III-01142).
Textor, Johann Wolfgang. Prof. J. U. D. [d. i. Juris Utriusque Doctor]. Jurist. Archivinspektor. * 20.1.1638 Neuenstein/Hohenlohe, † 27.12.1701 Ffm., begraben in der Katharinenkirche in Ffm.
Sohn des Gräflich Hohenlohischen Kanzleidirektors Wolfgang T. (eigentl.: Weber; 1588-1650) und dessen Ehefrau Magdalena Praxedis, geb. Enslin (1613-1673). Großvater von Johann Wolfgang T. (1693-1771). Ururgroßvater Goethes.
Seit 1653 Jurastudium, zunächst in Jena, ab 1655 in Straßburg. 1658 Praktikant am Reichskammergericht in Speyer. Von 1662 bis 1666 Gräflich Hohenlohischer Kanzleidirektor in Neuenstein. Zwischenzeitlich (1663) Promotion in Straßburg. Seit 1666 Professor der Institutionen an der Universität Altdorf. Dort beteiligt an zahlreichen Promotionen, u. a. an derjenigen von Gottfried Wilhelm Leibniz (1666). Beginn der regen Publikationstätigkeit, zunächst mit einer öffentlich-rechtlichen und rechtspolitischen Abhandlung über die Staatsräson des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation („Tractatus juris publici de vera et varia ratione status Germaniae Modernae“, 1667). Seit 1668 Professor der Pandekten an der Universität Altdorf. Zugleich juristischer Berater (Konsulent) der Stadt Nürnberg. Verstärktes Interesse am Verfassungsrecht des Reichs. Seit 1673 Professor primarius der Rechte an der Universität und Assessor, seit 1688 Vizepräsident am Hof- und Ehegericht in Heidelberg. 1676/77 und 1688/90 Dekan der Universität. Veröffentlichung gerichtlicher Entscheidungen („Praxis Judiciaria“, 2 Teile, Ffm. 1678) und eines Lehrbuchs des Völkerrechts („Synopsis Iuris Gentium“, 1680; engl. Ausgabe, 2 Bde., 1916, Neudruck 1964). Das Manuskript eines Collegium iuris publici (1675/76) ist überliefert im Freien Deutschen Hochstift in Ffm. Nach der Zerstörung Heidelbergs im Pfälzischen Erbfolgekrieg wechselte T. Anfang 1691 nach Ffm. Hier wurde er als Syndicus primarius, Konsulent und Stadtadvokat mit der Leitung der reichsstädtischen Rechtsgeschäfte betraut. Im Nebenamt übernahm er zudem die Aufsicht über das Ffter Stadtarchiv. Wiederaufnahme der juristischen Veröffentlichungen, insbesondere zum öffentlichen Recht („Decisiones electorales Palatinae“, Ffm. 1693; „Jus Publicum Caesaraeum, 2 Bde., Ffm. 1697; „Disputationes academicae“, 2 Teile, Ffm. 1698; „Jus publicum statuum Imperii“, Tübingen/Ffm. 1701).
T. zählt zu den angesehenen Rechtswissenschaftlern des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Mit seinen Publikationen versuchte er, getreu seiner kaiserlichen Gesinnung, gegen den Verfall der Reichsverfassung und -institutionen anzukämpfen; zur Festigung der Reichseinheit schlug er u. a. die Vereinigung der drei zugelassenen christlichen Konfessionen vor.
Porträt (Radierung von Wolfgang Philipp Kilian, 1701) im Besitz des Freien Deutschen Hochstifts.
Verheiratet in erster Ehe (seit 1663) mit Anna Margaretha Priester (1640-1691/92) aus Crailsheim, in zweiter Ehe (seit 1693) mit Maria Sibylla Fleischbein (* 1675). Nach der Trennung von der zweiten Ehefrau (1694) kam es zu einem Prozess vor dem Ffter Schöffengericht und Reichskammergericht wegen unbezahlter Rechnungen, u. a. von dem Schneider Friedrich Göthe (auch: Göthge), gen. Göthé (Goethes Großvater, 1657-1730).
Wahrscheinlich erwarb schon T. das Familienanwesen in der Friedberger Gasse (heute: Große Friedberger Straße 20), das seine Nachkommen, zunächst sein Sohn Christoph Heinrich T. (1666-1716), wesentlich ausbauten. Das Anwesen, das Goethe später in „Dichtung und Wahrheit“ (I,1) beschrieben hat, wurde von der Familie 1786 verkauft und beim französischen Bombardement der Stadt 1796 fast völlig zerstört; die danach teilweise wiedererrichteten Gebäude wurden 1863 endgültig niedergelegt.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 467f., verfasst von: Reinhard Frost (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Michael Stolleis).

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Alexander Dietz in: ADB 37 (1894), S. 630. | Dölemeyer, Barbara: Ffter Juristen im 17. und 18. Jahrhundert. Ffm. 1993. (Ius Commune, Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Europäische Rechtsgeschichte Ffm., Sonderhefte, Studien zur Europäischen Rechtsgeschichte 60).Dölemeyer: Juristen, S. 210, Nr. 669. | Lersner, Achilles August von: Chronica. 2 Bde. Ffm. 1706/34.Lersner 2.2, S. 227f. | Renkhoff, Otto: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. Wiesbaden 1985, 2., überarb. Aufl. 1992. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau XXXIX).NB 1985, S. 396, Nr. 2278. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Michael Stolleis in: NDB 26 (2016), S. 63f. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 594.
Literatur:
                        
Düntzer, Heinrich: Das Geschlecht Textor. Goethes mütterlicher Stammbaum. Sonderdruck aus: Die Grenzboten 1888, S. 217-224, 262-268, 368-376 u. 412-429.Düntzer: Das Geschlecht Textor 1888. | Hopp, Doris: „Goethe Pater”. Johann Caspar Goethe (1710-1782). Mit Beiträgen von Andreas Hansert, Konrad Heumann, Petra Maisak und Christoph Perels. Katalogredaktion: Joachim Seng. Hg. v. Freien Deutschen Hochstift – Ffter Goethe-Museum. Ffm. 2010.Hopp: „Goethe Pater” 2010, S. 7 u. 102. | Kaltwasser, Inge: Inventar der Akten des Reichskammergerichts 1495-1806. Ffter Bestand. Ffm. 2000. (Veröffentlichungen der Ffter Historischen Kommission 21).Kaltwasser: Inventar d. Akten d. Reichskammergerichts 2000, Nr. 1483. | Ompteda, Dietrich Heinrich Ludwig von: Litteratur des gesamten natürlichen und positiven Völkerrechts. 2 Teile. Regensburg 1785.Ompteda: Litteratur d. ges. Völkerrechts 1785, T. 1, S. 289-293. | Pütter, Johann Stephan: Litteratur des teutschen Staatsrechts. 3 Bde. Göttingen 1776-83.Pütter: Litteratur d. teutschen Staatsrechts 1 (1776), S. 295-297. | Schnur, Roman (Hg.): Staatsräson. Studien zur Geschichte eines politischen Begriffs. Berlin 1975.Stolleis, Michael: Textor und Pufendorf über die Ratio Status Imperii im Jahre 1667. In: Schnur (Hg.): Staatsräson 1975, S. 441-463. | Stintzing, Johann August Roderich von/Landsberg, Ernst: Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft. 3 Abt. in 4 Bd. München/Leipzig 1880-1910.Stintzing/Landsberg: Gesch. d. dt. Rechtswissenschaft 3.2 (1910), S. 40-42, 630-632. | Stolleis, Michael: Margarethe und der Mönch. Rechtsgeschichte in Geschichten. München 2015.Stolleis, Michael: Schneidermeister Goethe u. a. gegen Syndicus Dr. Textor. In: Stolleis: Margarethe u. der Mönch 2015, S. 130-157.
Quellen: ISG, Bestand Dienstbriefe, 1335-1806.Zur Anstellung als Konsulent, Stadtadvokat und Syndikus im Dienst der Stadt Ffm., 1691-1701: ISG, Dienstbriefe 524 u. 525. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/15.380.
Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wolfgang_Textor_der_%C3%84ltereWikipedia, 16.3.2016.

GND: 10063480X (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard/Stolleis, Michael: Textor, Johann Wolfgang (1638-1701). In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1467

Stand des Artikels: 8.4.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 04.2016.