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Boettger, Rudolph Christian

Erfinder, u. a. der Schießbaumwolle und der Sicherheitsstreichhölzer.

Rudolph Christian Boettger

Rudolph Christian Boettger
Lithografie.

© Institut für Stadtgeschichte (Sign. ISG_S7P1998_1533) / Historisches Museum (Sign. HMF C13944), Ffm.
Rudolph Christian Boettger

Rudolph Christian Boettger
Denkmalbüste von Friedrich Schierholz (1882; vor dem Senckenbergmuseum).
Foto: Joachim Scholz.

© PD Dr. Joachim Scholz, Ffm.
Boettger, Rudolph Christian. Prof. Dr. phil. Physiker und Chemiker. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 28.4.1806 Aschersleben, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 29.4.1881 Ffm.
Vater von Oskar B.
Seit 1824 Studium der Theologie in Halle. Seit 1828 Tätigkeit als Hauslehrer und Erzieher in Reifenstein und Mühlhausen/Thüringen. Seit 1831 Studium der Naturwissenschaften bei Johann Wolfgang Döbereiner in Jena. Seit 1835 wirkte B. als Lehrer für Physik und Chemie am Physikalischen Verein in Ffm. Nach der Promotion in Jena (1837) und der Ernennung zum Professor in Ffm. (1842) erhielt er ehrenvolle Berufungen, u. a. an die Universitäten in Dorpat und Halle, die er jedoch ablehnte. Bis zu seinem Tod blieb er in seiner Ffter Stellung, wobei er als Lehrer und Forscher stets die praktische Anwendung der Wissenschaft besonders im Blick hatte.
Als Erfinder führte B. zunächst Calciumsulfhydrat (Calciumhydrosulfid) als Enthaarungsmittel ein (1838), was künftig breite Anwendung in der Gerberei, Chirurgie und Kosmetik fand. 1841 setzte er galvanoplastische Verfahren erstmals erfolgreich zum Kopieren druckfertiger Kupferplatten ein. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse übertrug er auf die Denkmalsherstellung. Das Ffter Gutenberg-Denkmal konnte daraufhin nach B.s Anweisungen und gegen Liebigs Einwände als erstes Denkmal auf galvanoplastische Weise hergestellt werden (1848-58). 1846 entdeckte B. – unabhängig von dem Schweizer Forscher Christian Friedrich Schönbein – die Schießbaumwolle (Cellulosenitrat) und das Kollodium; seitdem arbeitete er an der Weiterentwicklung dieser Stoffe. Er machte zahlreiche weitere Entdeckungen und Erfindungen, die für Technologie und Industrie Bedeutung erlangten; er erfand die unter dem Namen „Schwedenhölzer“ bekannten Sicherheitsstreichhölzer mit rotem Phosphor (1848) und entwickelte u. a. ein Verfahren des Glasdrucks (Hyalographie; mit Johann Conrad Bromeis, 1842-43), zur Versilberung und Verplatinierung von Glas (1852-56) sowie zur Vernickelung und Verstählung leicht oxidierbarer Metalle (1872-74). Auch erforschte er neue Wege zur Erkennung von Nahrungsmittelfälschungen. Unter Verzicht auf Patente veröffentlichte B. seine Forschungsergebnisse sehr freigiebig, wodurch er selbst materiell oft zu kurz kam.
Mitglied gelehrter Gesellschaften, u. a. der Leopoldina (seit 1880).
Zahlreiche Fachaufsätze, insbesondere zu seinen Erfindungen, u. a. gesammelt in „Beiträge zur Physik und Chemie. Eine Sammlung eigener Erfahrungen, Versuche und Beobachtungen“ (3 Hefte, 1838-46).
Leiter des von ihm 1846 begründeten „Polytechnischen Notizblatts“.
Zahlreiche hohe Ordensauszeichnungen, u. a. Ernennung zum Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Classe durch den Kaiser von Österreich (1852) anlässlich des Vertragsabschlusses zwischen B. und Schönbein einerseits und der k. k. Monarchie andererseits über den Verkauf der Herstellungsdetails von Schießbaumwolle. Mit dieser Auszeichnung war der persönliche Adel in Form der Erhebung in den Ritterstand auf Antrag verbunden, worauf B. jedoch verzichtete. Zum Dank für die Ehrung sandte er Mitte 1853 eine Sammlung selbst hergestellter Kristalle als Geschenk an das Hofmineralienkabinett in Wien.
Ölporträt (von Philipp Heyl) im Besitz der Dr. Senckenbergischen Stiftung. Reliefbüste (1904) an der Südfassade vom Südbau des Neuen Rathauses.
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann J 751a).
Die B.straße im Nordend ist nach ihm benannt.
Zum Gedenken an den bedeutenden Forscher und Lehrer wurde schon 1882 eine Denkmalbüste B.s (von Friedrich Schierholz) im Senckenbergischen Botanischen Garten aufgestellt, die heute vor den Arkaden des Senckenbergmuseums steht.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 88f., verfasst von: Sabine Hock (überarbeitete Onlinefassung für das Frankfurter Personenlexikon von Sabine Hock).

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Robert Knott in: ADB 47 (1903), S. 143f. | Kallmorgen, Wilhelm: 700 Jahre Heilkunde in Ffm. Ffm. 1936.Kallmorgen, S. 228. | Kutz, Corinna: Die Porträtsammlung der Dr. Senckenbergischen Stiftung. Ffter Bildnisse aus fünf Jahrhunderten. Bestandsverzeichnis und Ausstellungskatalog. Ffm. 2000.Kutz: Senck. Portr., S. 124, Nr. 94. | Neue Deutsche Biographie. Hg. v. d. Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bisher 26 Bde. (bis Vocke). Berlin 1953-2016.Robert Klement in: NDB 2 (1955), S. 410. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 67. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 29.
Literatur:
                        
Grieser, Dietmar: Paulinchen war allein zu Haus. Auf den Spuren von Heinrich Hoffmanns gar trauriger Geschichte mit dem Feuerzeug. Ffm./Leipzig 1992. (insel taschenbuch 1428).Grieser: Paulinchen 1992, S. 9-20. | Jahresbericht des Physikalischen Vereins [zu] Ffm. (...). Bisher 185 Jahrgänge. Ffm. 1831-2009.Petersen, Theodor: † Rudolph Christian Boettger. In: Jahresbericht d. Physikalischen Vereins 1879/80, Ffm. 1881, S. 33-39. | Schmidt, Isolde: Eduard Schmidt von der Launitz 1797-1869. Ein Beitrag zur Skulptur des 19. Jahrhunderts in Ffm. Ffm. 1992. (Studien zur Ffter Geschichte 29).Schmidt: Eduard Schmidt von der Launitz 1992, S. 96-102.
Quellen: ISG, Bestand Bürgerbücher, 1311-1868.ISG, Bürgerbuch 1844-47, f. 250, Nr. 28. | ISG, Einwohnermeldekartei („Nullkartei“), ca. 1870-1930.ISG, Nullkartei. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/385. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/K 19.945 (Boettger-Denkmal). | Frdl. Mitteilungen an d. Verf.Zu Boettgers Ernennung zum Ritter des Ordens der Eisernen Krone III. Classe und Verzicht auf den damit verbundenen Adelstitel: Mitteilungen von Dr. Wolf-Dieter Ostermann, Aschersleben, 12.3.2015 u. 2.10.2015. | Mitteldeutsche Zeitung. Halle/Saale 1990-heute.Ostermann, Wolf-Dieter: Adelstitel unterschlagen? (...) Rudolf Christian Böttger oder Rudolf Christian von Böttger? Bei Schreibweise des Chemikers scheiden sich die Geister. (...) In: Mitteldeutsche Zeitung, 4.2.2016. | Presse- und Informationsamt (PIA) der Stadt Ffm. (Hg.): Pressedienste (Tages- und Wochendienst), später Service PRESSE.INFO.Hock, Sabine: Er erfand die Schwedenhölzer. Zum 200. Geburtstag des Chemikers und Erfinders Rudolph Christian Boettger. In: PIA, Wochendienst, Nr. 14 vom 11.4.2006.
Internet: Dr. Senckenbergische Stiftung, Die Portraitsammlung, Ffter Bildnisse aus fünf Jahrhunderten, Ffm. http://www.senckenbergische-portraitsammlung.de/94-Rudolf+Christian+B%C3%B6ttger.htmlDr. Senckenbergische Stiftung, Portraitsammlung, 31.10.2014. | Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Christian_B%C3%B6ttgerWikipedia, 31.10.2014.

GND: 116226390 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Boettger, Rudolph Christian. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/1828

Stand des Artikels: 25.4.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 11.2014.