Sohn des aus Berlin gebürtigen Dekorations- und Landschaftsmalers Johann Andreas
Ludwig P. (1786-1877) und dessen Ehefrau Anna
Barbara Christine Henriette, geb. Gerhards (1788-1835). Schwester: Elisabeth Ferdinande, gen.
Elise, P. (später verh. Custodis, 1810-1894), verheiratet mit dem Düsseldorfer Architekten
Max Joseph Hubertus Custodis (1805-1885). Verheiratet (seit 1849) mit Johanna
Pauline Elisabethe P., geb. Klotz (1817-1867), einer Tochter des Ffter Bürgers und Wollhändlers Johann Carl Klotz (1782-1848) und dessen Ehefrau Anna Christina Dorothea, geb. Soldan (1794-1856). Drei Töchter: Anna Christina P. (seit 1874 verh. Krüger, 1850-1926); Elisabeth Auguste P. (seit 1875 verh. Klotz, 1852-1879); Julie Louise P. (1854-1909).
Erste malerische Ausbildung als Gehilfe des Vaters bei der Ausschmückung von Schlössern. Von spätestens 1829 bis 1836 Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, u. a. mit und bei den Landschaftsmalern
Carl Friedrich Lessing und Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863), die damals die Düsseldorfer Malerschule mitbegründeten. 1831 Teilnahme an einer Studienreise der Akademieschüler in die Eifel und das Ahrtal sowie Debüt mit einer „Kleinen Landschaft“, die von Prinz Wilhelm von Preußen (1783-1851) erworben wurde. Kontakte während des Studiums u. a. mit den Malern Heinrich Funk (1807-1877),
Alfred Rethel, Andreas Achenbach (1815-1910),
Jakob Becker, Friedrich Joseph Ehemant (1804-1842) und
Christian Heerdt sowie mit Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873). 1836 Verlassen der Düsseldorfer Kunstakademie, wohl infolge von akademischen und personellen Konflikten. Aufenthalt mit Andreas Achenbach in München (1836) und, nach der Flucht vor der dort grassierenden Cholera, in Ffm. (1836/37). 1837 Studienreise nach Tirol. 1837/38 erneuter Aufenthalt in München. Ab 1838 Niederlassung als Maler in Düsseldorf. 1839 Besuche in Brüssel (dort Große Medaille des Salons für das Bild „Schloss in Tirol“, das von König Leopold I. von Belgien für seine Privatgalerie angekauft wurde) und in Paris. Ab 1842 Reise über Mailand, Genua und Florenz nach Rom; von dort aus ausgedehnte Wanderungen in die Umgebung, etwa in die Campagna sowie das Albaner- und Sabinergebirge, aber auch Reise in den Süden Italiens (Sizilien). Seit der Rückkehr aus Italien 1845 lebte und arbeitete P. als freischaffender Maler in Ffm., wo er nach seiner Heirat mit einer Frankfurterin 1849 eine Familie gründete und 1864 das Bürgerrecht erwarb. Er war hier dem Kreis der Nazarener um
Philipp Veit im Deutschen Haus als auch der frühen Freilichtmaler (der entstehenden Kronberger Malerkolonie) freundschaftlich verbunden. Den Winter 1849 verbrachte P. in Florenz, und 1856 unternahm er erneut eine Italienreise.
Seit 1857 Mitglied, 1860/61 Vorsitzender der Ffter Künstlergesellschaft.
P. gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule, deren Einfluss er in das Ffter Umfeld brachte. Bereits im Mai 1836 – und damit schon vor seinem wohl ersten Aufenthalt in der Stadt – war er mit einem Landschaftsbild (lt. Katalog: „Ansicht von Kronenberg
[sic!] am Taunus“) auf der zweiten außerordentlichen Ausstellung des Ffter Kunstvereins im Gasthaus „Zum Goldenen Roß“ an der Stadtallee (ab 1849: Goetheplatz) in Ffm. vertreten. Während seines Fft.aufenthalts ab Herbst 1836 schuf P. das Gemälde „Das Schloss im See“ (auch: „Die Burg am See“, „Motiv der Burg Eltz“, 1836), das vom Städelschen Kunstinstitut sofort beim Künstler angekauft wurde und sich bis heute im Besitz des Städel Museums befindet. Das Bild „Oberbayerische Landschaft am Chiemsee“ (1837; heute im Städel Museum), das P. im Winter 1836/37 in Ffm. nach früheren Landschaftsstudien malte, wurde vom Ffter Kunstverein 1837 erworben und in dessen jährliche Verlosung gegeben; durch Verkauf aus dem Besitz des Gewinners
Xaver Schnyder von Wartensee kam es 1844 ebenfalls an das Städelsche Kunstinstitut. Als sich P. 1845 in Ffm. niederließ, brachte er zahlreiche Landschaftsstudien (Zeichnungen und Ölskizzen) aus Italien mit, die er in den folgenden Jahren in seinem Atelier in Öl ausführte. Künftig malte er aber auch zunehmend Landschaften aus der Umgebung von Ffm., insbesondere aus dem Taunus. Seine malerischen Arbeiten bereitete er zeitlebens durch intensive Naturstudien vor, um dann die real erlebte Landschaft in einem ebenso sorgfältig wie stimmungsvoll komponierten Ausschnitt zu erfassen. Damit erwies sich der Künstler als ein früher Realist in der Landschaftsdarstellung, der jedoch in seinem Kompositionsstil stets der Romantik verpflichtet blieb. Eines seiner Spätwerke, das Gemälde „Landschaft mit Mühle“ (1872/78), das aus dem Erbe der Tochter Anna Christina Krüger, geb. P., 1926 für die Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut erworben wurde, soll laut Inventareintrag eine Taunuslandschaft zeigen, was jedoch als nicht gesichert gilt (u. a. wegen der Bauart der abgebildeten Mühle). Neben den ausgeführten Landschaftsgemälden sowie zahlreichen, oft als Vorstudien entstandenen Ölskizzen und Zeichnungen gehören zum Gesamtwerk von P. auch Aquarelle und Radierungen. Das Städel Museum besitzt mindestens zehn Landschaftsgemälde sowie eine ganze Reihe von Zeichnungen und Aquarellen von P.
Porträtzeichnung (von
Alfred Rethel, 1836), früher im Besitz der Ffter Künstlergesellschaft (Verbleib unbekannt). Die Zeichnung entstand als Studienkopf zu dem Gemälde „Daniel in der Löwengrube“ (von
Alfred Rethel, 1838; im Städel Museum).
P. wohnte mit seiner Familie zunächst (lt. Adr. 1854-58) in der Hochstraße 39, dann seit 1858 (lt. Adr. 1859-78) im eigenen Haus in der Hochstraße 26 am Anlagenring. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich das Elternhaus seiner Ehefrau Pauline, geb. Klotz, in der Hochstraße 24 (erbaut von
Johann Friedrich Christian Hess 1819, erworben von Johann Carl Klotz 1824, kriegszerstört 1944; Grundstück heute im Bereich der Freifläche westlich von dem Hotelgebäude Hochstraße 4). Der Ffter Kaufmann und Lokalforscher Alfred Andreae-von Neufville (1921-2012) führte in den 1990er Jahren den Indizienbeweis, dass
Gustave Courbet das während seines Aufenthalts in Ffm. entstandene Bild der „Dame auf der Terrasse“ („La Dame de Francfort“, auch: „La Dame au Sorbet“, 1858; seit 1941 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln) im Spätherbst 1858 auf der Terrasse des Klotz’schen Hauses Hochstraße 24 vor dem Hintergrund der Wallgärten gemalt habe. Tatsächlich scheinen viele topografische und landschaftliche Details auf einen Ursprungsort des Gemäldes im Ffter Anlagenring hinzudeuten. Die unbekannte Dame, die von
Courbet auf dem Bild porträtiert wurde, glaubte Alfred Andreae-von Neufville als seine Urgroßtante Pauline P. identifizieren zu können. Die Kunsthistorikerin Bettina Erche (* 1958) führte diese Theorie weiter und sah in dem Mann, der einst auf dem (mehrfach überarbeiteten) Bild mit der Dame am Tisch saß und später notdürftig übermalt wurde, Paulines Ehegatten Eduard Wilhelm P., den
Courbet – möglicherweise nach einem künstlerischen oder persönlichen Zerwürfnis – von der Bildfläche habe „verschwinden“ lassen. Eine persönliche Verbindung des Ehepaars P. mit
Courbet ist jedoch bisher nicht verbürgt, und an der (von der neueren Kunstwissenschaft häufig übernommenen) Identifizierung der Dame mit Pauline P. lassen sich durchaus Zweifel – etwa aufgrund des Alters und der geringen Porträtähnlichkeit der Dargestellten – anmelden.
Der Vater Ludwig P., der zusammen mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm P. (1793-1870) die Innendekorationen des Stadtschlosses in Wiesbaden (1839-42, 1851) gemalt hatte, lebte als Rentier spätestens ab 1854 (lt. Adr. 1855-66) ebenfalls in Ffm., dann wohl vorübergehend in Wiesbaden und ab 1873 (lt. Adr. 1874-77) wieder in Ffm., jetzt unter einem Dach mit seinem bereits seit 1867 verwitweten Sohn in der Hochstraße 26. Ludwig P. starb im 91. Lebensjahr am 28.4.1877 in Ffm.
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