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Pose, Eduard Wilhelm

Pose, Eduard Wilhelm (eigentl.: Wilhelm Eduard). Landschaftsmaler. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 9.7.1812 Düsseldorf, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 14.3.1878 Ffm.
Sohn des aus Berlin gebürtigen Dekorations- und Landschaftsmalers Johann Andreas Ludwig P. (1786-1877) und dessen Ehefrau Anna Barbara Christine Henriette, geb. Gerhards (1788-1835). Schwester: Elisabeth Ferdinande, gen. Elise, P. (später verh. Custodis, 1810-1894), verheiratet mit dem Düsseldorfer Architekten Max Joseph Hubertus Custodis (1805-1885). Verheiratet (seit 1849) mit Johanna Pauline Elisabethe P., geb. Klotz (1817-1867), einer Tochter des Ffter Bürgers und Wollhändlers Johann Carl Klotz (1782-1848) und dessen Ehefrau Anna Christina Dorothea, geb. Soldan (1794-1856). Drei Töchter: Anna Christina P. (seit 1874 verh. Krüger, 1850-1926); Elisabeth Auguste P. (seit 1875 verh. Klotz, 1852-1879); Julie Louise P. (1854-1909).
Erste malerische Ausbildung als Gehilfe des Vaters bei der Ausschmückung von Schlössern. Von spätestens 1829 bis 1836 Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie, u. a. mit und bei den Landschaftsmalern Carl Friedrich Lessing und Johann Wilhelm Schirmer (1807-1863), die damals die Düsseldorfer Malerschule mitbegründeten. 1831 Teilnahme an einer Studienreise der Akademieschüler in die Eifel und das Ahrtal sowie Debüt mit einer „Kleinen Landschaft“, die von Prinz Wilhelm von Preußen (1783-1851) erworben wurde. Kontakte während des Studiums u. a. mit den Malern Heinrich Funk (1807-1877), Alfred Rethel, Andreas Achenbach (1815-1910), Jakob Becker, Friedrich Joseph Ehemant (1804-1842) und Christian Heerdt sowie mit Wolfgang Müller von Königswinter (1816-1873). 1836 Verlassen der Düsseldorfer Kunstakademie, wohl infolge von akademischen und personellen Konflikten. Aufenthalt mit Andreas Achenbach in München (1836) und, nach der Flucht vor der dort grassierenden Cholera, in Ffm. (1836/37). 1837 Studienreise nach Tirol. 1837/38 erneuter Aufenthalt in München. Ab 1838 Niederlassung als Maler in Düsseldorf. 1839 Besuche in Brüssel (dort Große Medaille des Salons für das Bild „Schloss in Tirol“, das von König Leopold I. von Belgien für seine Privatgalerie angekauft wurde) und in Paris. Ab 1842 Reise über Mailand, Genua und Florenz nach Rom; von dort aus ausgedehnte Wanderungen in die Umgebung, etwa in die Campagna sowie das Albaner- und Sabinergebirge, aber auch Reise in den Süden Italiens (Sizilien). Seit der Rückkehr aus Italien 1845 lebte und arbeitete P. als freischaffender Maler in Ffm., wo er nach seiner Heirat mit einer Frankfurterin 1849 eine Familie gründete und 1864 das Bürgerrecht erwarb. Er war hier dem Kreis der Nazarener um Philipp Veit im Deutschen Haus als auch der frühen Freilichtmaler (der entstehenden Kronberger Malerkolonie) freundschaftlich verbunden. Den Winter 1849 verbrachte P. in Florenz, und 1856 unternahm er erneut eine Italienreise.
Seit 1857 Mitglied, 1860/61 Vorsitzender der Ffter Künstlergesellschaft.
P. gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler der Düsseldorfer Schule, deren Einfluss er in das Ffter Umfeld brachte. Bereits im Mai 1836 – und damit schon vor seinem wohl ersten Aufenthalt in der Stadt – war er mit einem Landschaftsbild (lt. Katalog: „Ansicht von Kronenberg [sic!] am Taunus“) auf der zweiten außerordentlichen Ausstellung des Ffter Kunstvereins im Gasthaus „Zum Goldenen Roß“ an der Stadtallee (ab 1849: Goetheplatz) in Ffm. vertreten. Während seines Fft.aufenthalts ab Herbst 1836 schuf P. das Gemälde „Das Schloss im See“ (auch: „Die Burg am See“, „Motiv der Burg Eltz“, 1836), das vom Städelschen Kunstinstitut sofort beim Künstler angekauft wurde und sich bis heute im Besitz des Städel Museums befindet. Das Bild „Oberbayerische Landschaft am Chiemsee“ (1837; heute im Städel Museum), das P. im Winter 1836/37 in Ffm. nach früheren Landschaftsstudien malte, wurde vom Ffter Kunstverein 1837 erworben und in dessen jährliche Verlosung gegeben; durch Verkauf aus dem Besitz des Gewinners Xaver Schnyder von Wartensee kam es 1844 ebenfalls an das Städelsche Kunstinstitut. Als sich P. 1845 in Ffm. niederließ, brachte er zahlreiche Landschaftsstudien (Zeichnungen und Ölskizzen) aus Italien mit, die er in den folgenden Jahren in seinem Atelier in Öl ausführte. Künftig malte er aber auch zunehmend Landschaften aus der Umgebung von Ffm., insbesondere aus dem Taunus. Seine malerischen Arbeiten bereitete er zeitlebens durch intensive Naturstudien vor, um dann die real erlebte Landschaft in einem ebenso sorgfältig wie stimmungsvoll komponierten Ausschnitt zu erfassen. Damit erwies sich der Künstler als ein früher Realist in der Landschaftsdarstellung, der jedoch in seinem Kompositionsstil stets der Romantik verpflichtet blieb. Eines seiner Spätwerke, das Gemälde „Landschaft mit Mühle“ (1872/78), das aus dem Erbe der Tochter Anna Christina Krüger, geb. P., 1926 für die Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut erworben wurde, soll laut Inventareintrag eine Taunuslandschaft zeigen, was jedoch als nicht gesichert gilt (u. a. wegen der Bauart der abgebildeten Mühle). Neben den ausgeführten Landschaftsgemälden sowie zahlreichen, oft als Vorstudien entstandenen Ölskizzen und Zeichnungen gehören zum Gesamtwerk von P. auch Aquarelle und Radierungen. Das Städel Museum besitzt mindestens zehn Landschaftsgemälde sowie eine ganze Reihe von Zeichnungen und Aquarellen von P.
Porträtzeichnung (von Alfred Rethel, 1836), früher im Besitz der Ffter Künstlergesellschaft (Verbleib unbekannt). Die Zeichnung entstand als Studienkopf zu dem Gemälde „Daniel in der Löwengrube“ (von Alfred Rethel, 1838; im Städel Museum).
P. wohnte mit seiner Familie zunächst (lt. Adr. 1854-58) in der Hochstraße 39, dann seit 1858 (lt. Adr. 1859-78) im eigenen Haus in der Hochstraße 26 am Anlagenring. In unmittelbarer Nachbarschaft befand sich das Elternhaus seiner Ehefrau Pauline, geb. Klotz, in der Hochstraße 24 (erbaut von Johann Friedrich Christian Hess 1819, erworben von Johann Carl Klotz 1824, kriegszerstört 1944; Grundstück heute im Bereich der Freifläche westlich von dem Hotelgebäude Hochstraße 4). Der Ffter Kaufmann und Lokalforscher Alfred Andreae-von Neufville (1921-2012) führte in den 1990er Jahren den Indizienbeweis, dass Gustave Courbet das während seines Aufenthalts in Ffm. entstandene Bild der „Dame auf der Terrasse“ („La Dame de Francfort“, auch: „La Dame au Sorbet“, 1858; seit 1941 im Wallraf-Richartz-Museum in Köln) im Spätherbst 1858 auf der Terrasse des Klotz’schen Hauses Hochstraße 24 vor dem Hintergrund der Wallgärten gemalt habe. Tatsächlich scheinen viele topografische und landschaftliche Details auf einen Ursprungsort des Gemäldes im Ffter Anlagenring hinzudeuten. Die unbekannte Dame, die von Courbet auf dem Bild porträtiert wurde, glaubte Alfred Andreae-von Neufville als seine Urgroßtante Pauline P. identifizieren zu können. Die Kunsthistorikerin Bettina Erche (* 1958) führte diese Theorie weiter und sah in dem Mann, der einst auf dem (mehrfach überarbeiteten) Bild mit der Dame am Tisch saß und später notdürftig übermalt wurde, Paulines Ehegatten Eduard Wilhelm P., den Courbet – möglicherweise nach einem künstlerischen oder persönlichen Zerwürfnis – von der Bildfläche habe „verschwinden“ lassen. Eine persönliche Verbindung des Ehepaars P. mit Courbet ist jedoch bisher nicht verbürgt, und an der (von der neueren Kunstwissenschaft häufig übernommenen) Identifizierung der Dame mit Pauline P. lassen sich durchaus Zweifel – etwa aufgrund des Alters und der geringen Porträtähnlichkeit der Dargestellten – anmelden.
Der Vater Ludwig P., der zusammen mit seinem Bruder Friedrich Wilhelm P. (1793-1870) die Innendekorationen des Stadtschlosses in Wiesbaden (1839-42, 1851) gemalt hatte, lebte als Rentier spätestens ab 1854 (lt. Adr. 1855-66) ebenfalls in Ffm., dann wohl vorübergehend in Wiesbaden und ab 1873 (lt. Adr. 1874-77) wieder in Ffm., jetzt unter einem Dach mit seinem bereits seit 1867 verwitweten Sohn in der Hochstraße 26. Ludwig P. starb im 91. Lebensjahr am 28.4.1877 in Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.Weinitz in: ADB 26 (1888), S. 455. | Dessoff, Albert: Kunst und Künstler in Ffm. im neunzehnten Jahrhundert. Hg. auf Veranlassung des Ffter Kunstvereins. 2. Bd.: Biographisches Lexikon der Ffter Künstler im neunzehnten Jahrhundert. Ffm. 1909.Dessoff, S. 110f. | Kaulen, Wilhelm: Freud’ und Leid im Leben deutscher Künstler. Ffm. 1878.Kaulen, S. 126-131. | Nagler, Georg Kaspar (Hg.): Neues allgemeines Künstler-Lexicon oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter, etc. 22 Bände. München 1835-52.Nagler: Künstler-Lex. 11 (1841), S. 532. | Richel, Arthur: Katalog der Abteilung Fft. [der Ffter Stadtbibliothek]. Bd. 2: Literatur zur Familien- und Personengeschichte. Ffm. 1929.Richel, S. 446. | Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. 2., vermehrte u. verbesserte Aufl. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 190. | Thieme, Ulrich/Becker, Felix: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. 37 Bde. Leipzig 1907-50.Thieme/Becker 27 (1933), S. 294.
Literatur:
                        
Ffter Museum. Süddeutsche Wochenschrift für Kunst, Literatur und öffentliches Leben. 5 + 1 Jahrgänge. Ffm. 1855-59, 1861.Rittweger, Franz: Wanderung durch die Werkstätten in Fft. wirkender Künstler. (Fortsetzung.) In: Ffter Museum 4 (1858), Nr. 47 (20.11.1858), S. 973-979, hier S. 973. | Herding, Klaus/Hollein, Max (Hg.): Courbet. Ein Traum von der Moderne. [Katalog zur Ausstellung in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, 15. Oktober 2010 – 30. Januar 2011.] Ostfildern [Copyright 2010].Erche, Bettina: Die Dame auf der Terrasse. Traum oder Wirklichkeit? In: Herding/Hollein (Hg.): Courbet. Ein Traum von der Moderne 2010, S. 65-69. | Museum Giersch (Hg.): Magie des Augenblicks. Skizzen und Studien in Öl. Konzeption und Redaktion: Manfred Großkinsky, Christian Ring und Birgit Sander. Ffm. 2009.Kat. Magie des Augenblicks 2009, S. 110-113, 121 Anm. 15 (m. Abb. auf S. 130-135). | Museum Giersch der Goethe-Universität (Hg.): Romantik im Rhein-Main-Gebiet. Katalogredaktion: Mareike Hennig, Manfred Großkinsky, Birgit Sander, Susanne Wartenberg, Linda Baumgartner. Petersberg 2015.Kat. Romantik im Rhein-Main-Gebiet 2015, S. 28, 178, 239, 248 (Abb.), 254f. (m. Abb.), 275. | Opalla, Jeannette: 150 Jahre Ffter Künstlergesellschaft [1857-2007]. Mit Beiträgen von Edelgard Bogner-Wende und Klaus-Ludwig Schulz. Hg. v. der 1822 Stiftung der Ffter Sparkasse (...). Ffm. 2007.Opalla: Ffter Künstlergesellschaft 2007, S. 165. | Holzinger, Ernst (Hg.)/Ziemke, Hans-Joachim (Bearb.): Die Gemälde des 19. Jahrhunderts. Text- und Bildband. Ffm. 1972. (Kataloge der Gemälde im Städel’schen Kunstinstitut I).Städelkat. d. Gemälde d. 19. Jh.s 1972, Textband, S. 283-288, 302f. | Wiederspahn, August/Bode, Helmut: Die Kronberger Malerkolonie. Ein Beitrag zur Ffter Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts. Mit dokumentarischen Beiträgen von Änne Rumpf-Demmer, Julius Neubronner und Philipp Franck. 3., erw. Aufl. Ffm. 1982.Wiederspahn/Bode: Kronberger Malerkolonie 1982, S. 246, 698f. (m. Abb. auf S. 206, 633f. sowie Porträtzeichnung auf S. 656).
Quellen: Adressbuch der Stadt Ffm., 1832-2003.Adr. 1854, T. II, S. 235; 1858, T. II, S. 262; 1859, T. II, S. 254; 1878, S. 349. | Ffter Allgemeine Zeitung. Ffm. 1949-heute.Erche, Bettina: Fuchs in der Falle. Pauline Pose oder Die abenteuerliche Geschichte von Gustave Courbets Gemälde „Dame de Francfort“. In: FAZ, Nr. 263, 11.11.2000, Bilder und Zeiten, S. II. | ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbücher, Ffm., 1533-1848 bzw. 1849-1939.Eintrag der Heirat mit Johanna Pauline Elisabethe Klotz, Nieder-Ingelheim, 25.11.1849: ISG, Kirchen- bzw. Standesbücher: Heiratsbuch, Bestand STA 11/1: Standesamt Ffm., Heiratsbuch 1849-51, S. 209, Nr. 325b. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/10.732; darin u. a. Alfred Andreae-von Neufville: Schleier um Courbets Bild „Dame de Francfort“ endlich gelüftet?, Typoskript, 4 S., o. J. [wahrscheinlich um 1994]. | ISG, Bestand Senatssupplikationen (Best. H.02.16), 1814-68.ISG, Senatssuppl. 530/23 (Pose, Wilhelm Eduard, Gesuch u. a. um auswärtige Trauung mit der Ffter Bürgerstochter Pauline Klotz, 1849-50, und Gesuch um Bürgerrecht für sich und und seine Kinder, 1864).
Internet: Hessische Biografie, Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Instituts für Landesgeschichte in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. https://lagis.hessen.de/de/personen/hessische-biografie/alle-eintraege/18701_pose-eduard-wilhelmHess. Biografie, 8.5.2026. | Städel Museum / Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Ffm. https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/pose-eduard-wilhelm
Hinweis: Eintrag zu Eduard Wilhelm Pose in der digitalen Sammlung.
Städel Museum, 10.5.2026.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie, Hg.: Wikimedia Foundation Inc., San Francisco/Kalifornien (USA). https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Wilhelm_PoseWikipedia, 10.5.2026.

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Pose, Eduard Wilhelm. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/3857

Stand des Artikels: 12.5.2026
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 05.2026.