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Ammerschläger, Alois

Alois Ammerschläger

Alois Ammerschläger
Foto: Georg Kumpfmüller.

© Institut für Stadtgeschichte, Ffm. (Sign. ISG_S7FR_13605).
Ammerschläger, Alois Franz. Unternehmer. Mäzen. * 28.7.1913 Aschaffenburg, † 22.12.1995 Bad Homburg, begraben auf dem Ffter Hauptfriedhof.
Achtes von zwölf Kindern einer Arztfamilie.
Nach einer Ausbildung zum Textilkaufmann in Aschaffenburg (1930-32) und kurzer Vertretertätigkeit für eine Kleiderfabrik in Sachsen und Thüringen (etwa 1933/34-35) gründete A. zusammen mit Ludwig Sauter als Kompagnon 1935 ein Herrenmodengeschäft in Dresden. Bis 1939 eröffnete das unter „Sauter & Co.“ firmierende Modehaus drei Filialen in Leipzig und Chemnitz. Im Zweiten Weltkrieg war A. nach kurzem Kriegsdienst (1939-40) offenbar als Einkäufer für die Wehrmacht eingesetzt und angeblich mit der „Verlagerung von Konfektionsware“ befasst. Bei Kriegsende kehrte A. aus Leipzig, wo Sauter das Modehaus trotz weitgehender Kriegszerstörung der Ladengeschäfte weiterführte, nach Aschaffenburg zurück. Bis 1948 leitete er ein von ihm eingerichtetes Zwischenlager für Konfektionsware in Mespelbrunn.
Wenige Monate nach der Währungsreform 1948 begann A., zunächst zusammen mit seinem jüngsten Bruder Hermann, ein Bekleidungshaus mit Sitz in Ffm. aufzubauen. Am 29.11.1948 eröffnete er sein neues Fachgeschäft auf der Zeil 72-78 (vorm. seit 1912/13 Modehaus Fuhrländer, nach der „Arisierung“ 1938 Modehaus Goede) in der Nähe der Konstablerwache. Anfangs als Mieter einer etwa 320 Quadratmeter großen Verkaufsfläche im Parterre des Gebäudes bot er Herren- und Knabenbekleidung sowie Damenmäntel und -kostüme an; schrittweise konnte er sein Geschäft auf das ganze Haus ausdehnen und sein Sortiment erweitern. 1953/54 kaufte A. die Liegenschaft Zeil 72-78 aus dem Besitz der jüdischen Familie Beckhardt, die seit der Emigration in der NS-Zeit in den USA lebte und nach 1945 ihre Ffter Immobilien zurückerstattet bekommen hatte. Ebenfalls aus Beckhardt’schem Besitz erwarb er 1955 das angrenzende Grundstück Zeil 80-82, wo er das bestehende Modehaus um einen Anbau vergrößerte. Auch in den folgenden Jahrzehnten erweiterte und modernisierte A. sein Ladengeschäft stetig, u. a. durch die Vorblendung einer einheitlichen Gesamtfassade (1966), den Einbau einer Rolltreppe (1970) und die Aufstockung eines sechsten Geschosses (1978), wodurch er schließlich über eine Verkaufsfläche von mehr als 7.000 Quadratmetern verfügte.
Bald hatte sich „A.“, der sich mit seinem Angebot gezielt an qualitäts- und preisbewusst einkaufende Kunden richtete, als eine der ersten Adressen unter den Ffter Bekleidungshäusern etabliert. In den Achtzigerjahren gehörte das Unternehmen mit einem Umsatz von rd. 80 Millionen Mark (1988) sogar zu den führenden Konfektionshäusern in der Bundesrepublik. An der Spitze der „Ammerschläger KG“ stand A. als persönlich haftender Gesellschafter und Patriarch, der sich zwar um die sozialen Belange seiner bis zu 300 Mitarbeiter (1988-93) kümmerte, ohne jedoch Gewerkschaft und Betriebsrat in seinem Haus zuzulassen. Alles in dem Modehaus auf der Zeil war vom persönlichen Stil des Chefs geprägt. Nicht umsonst hieß es in einem Werbeslogan des Hauses: „In Fft. hat Mode einen Namen: Ammerschläger.“
Seit seinem 60. Geburtstag 1973 engagierte sich A. finanziell für karitative und kulturelle Zwecke. Von der Stadtgesellschaft wurde er als großzügiger Mäzen, der zahlreiche Einrichtungen auf sozialem, medizinischem und sportlichem Gebiet mit hohen Spenden unterstützte, umschwärmt. Walter Wallmann, der mit A. befreundet war, soll einmal gesagt haben: „Dieser Mann ist ein Glückfall für Fft.“ Der Unternehmer förderte die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (u. a. durch die Organisation einer Modeschau mit Pierre Cardin in der Festhalle, 1988), das Müttergenesungswerk, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef), die „Tour Peiper“ (eine Benefiz-Radsportveranstaltung zugunsten krebskranker Kinder), das Deutsche Rote Kreuz, die Deutsche Herzstiftung und das Kuratorium ZNS für Unfallverletzte mit Schäden des zentralen Nervensystems (unter der Schirmherrschaft von Hannelore Kohl, die mit A. befreundet war), häufig mit Geldzuwendungen in Höhe von 100.000 Mark und mehr. In Ffm. unterstützte er Krankenhäuser, Altenheime und die Albert-Griesinger-Schule für praktisch Bildbare (heute Mosaikschule) sowie Stiftungen, u. a. die Ffter Bürgerstiftung. In seinem Modehaus kleidete er Kommunions- und Konfirmationskinder aus bedürftigen Familien kostenlos ein. Zum Stadtjubiläum 1994 ermöglichte er ein Gastspiel der Mailänder Scala in der Alten Oper, deren Wiederaufbau er unterstützt hatte. Besonders am Herzen lag A. die Sportförderung. Er sponserte u. a. den Fft. Marathon (ab 1987), die Fußballmannschaften von Eintracht Fft. und Viktoria 01 Aschaffenburg (um 1990), das Eishockeyteam der Ffter Löwen (etwa ab 1991) sowie den Golf-Club auf Sylt und den Galopprennsport in Ffm. Von 1989 bis 1995 finanzierte er das allsommerliche Hauptrennen auf der Niederräder Rennbahn um den „Ammerschläger Fft. Pokal“ .
Bereits zu seinem 75. Geburtstag 1988 hatte A. die Umwandlung seines Lebenswerks in eine Stiftung verkündet, die künftig – auch über den Tod A.s hinaus – den jährlichen Gewinn des Modehauses wohltätigen Zwecken zuführen sollte. Zu diesem Schritt hatte sich der kinderlose Unternehmer entschlossen, nachdem sein Neffe Alfred A., den er seit 1970 als Geschäftsführer angestellt und als seinen Nachfolger aufgebaut hatte, aus der Firma ausgeschieden war (1987). Mit einem Anfangskapital von 100.000 Mark wurde die Alois-A.-Stiftung 1993 gegründet; nach dem Willen des Stifters wurde das Modehaus in die Stiftung eingebracht. Ein Schwerpunkt der Stiftungsarbeit sollte weiterhin die Sportförderung sein. Zwei Tage nach dem Eintrag der Stiftung in das „Goldene Buch der Stiftungen in Ffm.“ (20.12.1995) starb Alois A.
Mitbegründer (1994) und Beiratsmitglied des Vereins „Zeil aktiv“, eines Interessenverbands der Zeilanlieger.
1982 Bundesverdienstkreuz I. Klasse. 1990 Großes Bundesverdienstkreuz. 1992 Ehrenplakette der Stadt Ffm. 1993 Goldene Ente des Vereins Ffter Sportpresse. Ehrenmitglied des von ihm geförderten Fußballvereins SV Viktoria 01 Aschaffenburg.
Festschrift zum 80. Geburtstag („Ein Souverän“, 1993).
Nach A.s Tod gingen das Bekleidungshaus und das Vermögen A.s vollständig an die Alois-A.-Stiftung über. A.s Witwe Carola, geb. Fuhrmann, verw. Mainusch (1943-2003), übernahm die Leitung der Firma, seit 1996 zusammen mit Günter Leyendecker als Geschäftsführer, und den alleinigen Vorsitz der Stiftung. Bald wurde klar, dass A. die Millionen, die er im Laufe der letzten Jahre insgesamt verschenkt hatte, nicht nur aus den Erträgen, sondern auch aus der Substanz seines Vermögens genommen hatte. Die Stiftung musste ihr mäzenatisches Wirken stark einschränken; nach A.s Tod fanden keine Pferderennen um den nach ihm benannten Pokal mehr statt, und auch die seit 1994 vergebene „A.-Sportmedaille“ für herausragende Leistungen von Ffter Spitzen-, Nachwuchs-, Mannschafts- und Behindertensportlern wurde 1996 zum letzten Mal verliehen. Um die angeblich von A. hinterlassenen Schulden in Höhe von etwa 60 Millionen Mark zu begleichen, wurden 2001 das Geschäftsgebäude auf der Zeil verkauft und am 29.1.2002 das Modehaus geschlossen. Infolge von Konkurs und Liquidation der Modehausbetreibergesellschaft „ruhte“ die Alois-A.-Stiftung. Bei einem derzeitigen Stiftungskapital von rd. 1,5 Millionen Euro (Stand: 2014) ist geplant, dass sich die Stiftung voraussichtlich ab 2016 in der Sport- und Kulturförderung wieder engagieren wird.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.

Lexika: Müller, Bruno: Stiftungen in Ffm. Geschichte und Wirkung. Neubearb. u. fortgesetzt durch Hans-Otto Schembs. Ffm. [Copyright 2006]. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriften der Ffter Bügerstiftung und der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 7).Müller/Schembs: Stiftungen 2006, S. 269, 282.
Literatur:
                        
Ein Souverän. Biographische Skizzen und Bilder aus dem Leben der deutschen Unternehmerpersönlichkeit Alois Ammerschläger. Mit einem Vorwort von Hannelore Kohl. Text und Gestaltung: Verlag Galerie Buchkunst Läzer. Weimar 1993.Ein Souverän. Alois Ammerschläger 1993. | Nordmeyer, Helmut (Hg.): Die Zeil. Bilder einer Straße vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Ffm. 1997.Nordmeyer: Zeil 1997, S. 43f., 52f., 66-69, 84f. | Schomann, Bernd: Ffter Portraits. Eine Stadt und ihre Menschen. Rödermark 1995. Neuausgabe: Kassel 2008.Schomann: Ffter Portraits 1995, S. 20-23.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/11.643. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/R 2.828 (Textilhaus Ammerschläger). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/N 31.185 (Ammerschläger-Sportmedaille).
Internet: Goldenes Buch der Stiftungen in Ffm. im Rahmen der Internetseite der Stadt Ffm. http://www.frankfurt.de/sixcms/media.php/738/goldenes_buch_der_stiftungen_band_1__kk.pdf
Hinweis: Eintrag der Alois-Ammerschläger-Stiftung auf S. 59f.
Goldenes Buch d. Stiftungen in Ffm., 6.1.2015.
| Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. http://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Ammerschl%C3%A4gerWikipedia, 5.7.2013.

GND: 128739762 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Ammerschläger, Alois. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/4268

Stand des Artikels: 11.1.2016
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 10.2014.