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Aubin, Bernhard

Aubin, Philipp Bernhard. Kaufmann. Offizier. * 30.1.1771 Ffm., † 16.3.1818 Dudenhofen.
Offizier (Oberistlieutenant) der Ffter Bürgerwehr. A. ritt am 31.10.1813 dem aus der Schlacht bei Hanau kommenden Napoleon entgegen und geleitete ihn in das Bethmann’sche Landhaus vor dem Friedberger Tor, das der in der Völkerschlacht bei Leipzig unterlegene Kaiser auf dem Rückzug nach Frankreich zu seinem Nachtquartier ausersehen hatte. Zum Ablauf des Geschehens im Einzelnen: Angesichts des erwarteten Durchzugs der französischen Armee nach dem Sieg Napoleons in der Schlacht bei Hanau hatte die Nationalgarde in Ffm. für Sicherheit zu sorgen und deshalb die Tore besetzt. A., Kommandant des 2. Infanterie-Bataillons der Nationalgarde, besichtigte die Posten am Obermain- und Hanauer Tor, als gegen 12 Uhr mittags die ersten französischen Reiter ankamen. Ein französischer Offizier forderte ihn auf, dem nahenden Kaiser entgegenzureiten und ihn in sein Quartier zu geleiten. A. ritt über die Hanauer Landstraße, den Hauptrückzugsweg der französischen Armee, bis zur später so genannten Mainkur, wo ein einzelnes Wirtshaus, der „Mainanker“ oder im Volksmund auch „Knallhütte“, stand. Dort wurde A. vor den Kaiser geführt, der mit seinem Gefolge an einem Wachtfeuer hielt. Schon während des Halts wie auch später auf dem Ritt unterhielt sich Napoleon ausführlich mit dem Ffter Bürgeroffizier, der aus einer französisch-reformierten Familie stammte und deshalb fließend französisch sprach. Gegen halb zwei Uhr brach der Kaiser unter A.s Führung auf. Sie ritten die Hanauer Landstraße stadteinwärts, bis etwa an die Stelle des heutigen Ostbahnhofs, um hier auf einen Seitenweg über die Pfingstweide abzubiegen. Der Stadthistoriker Rudolf Jung, dem diese Darstellung im Wesentlichen folgt, erklärt den von A. eingeschlagenen Umweg damit, dass der Kaiser nicht vorangekommen wäre, wenn er weiter der Marschlinie seiner Armee gefolgt wäre, da der Durchzug inzwischen am Hanauer Tor ins Stocken geraten war. Der Chronist Anton Kirchner dagegen meint, dass A. diesen Weg absichtlich gewählt habe, um den Kaiser an den Baracken vorbeizuführen, die die Stadt zu Beginn des Sommers auf der Pfingstweide errichtet hatte: als Lazarett für verwundete und erkrankte französische Soldaten, welche täglich von Osten her ankamen. Diese Baracken habe der Kaiser erblicken sollen, damit er günstig für Fft. gestimmt werde. Napoleon, der sich in den Gesprächen mit A. unterwegs auch für die innere und äußere Situation der Stadt interessiert hatte, fragte wohl tatsächlich nach dem Zweck der Gebäude. Als er ihn erfuhr, soll er ausgerufen haben: „Ich bin Euer Schuldner!“ Dass der Kaiser daraufhin die Stadt geschont habe, wurde später zwar gern erzählt, dürfte tatsächlich jedoch irrig sein. So weist Rudolf Jung darauf hin, dass der Befehl, wonach der Hauptteil der Truppen (insbesondere die niederen Heeresangehörigen) im Norden um die Stadt herum nach Höchst und Mainz marschieren sollte, aus rein militärischen Gründen geboten und zu diesem Zeitpunkt längst gegeben war. Gegen drei Uhr nachmittags traf Napoleon am Bethmann’schen Landhaus vor dem Friedberger Tor ein. Damit hatte A. seinen Auftrag erledigt. Spätere Legenden, wonach der Kaiser vom Hausherrn Simon Moritz von Bethmann selbst zusammen mit dem Maire Jakob Guiollett in das Ffter Quartier geleitet worden sein soll, hielten sich hartnäckig, sind aber aufgrund historischer Quellen widerlegt.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock.
Artikel in: Frankfurter Biographie 1 (1994), S. 32, verfasst von: Sabine Hock.

Lexika: Schrotzenberger, Robert: Francofurtensia. Aufzeichnungen zur Geschichte von Ffm. Ffm. 1884.Schrotzenberger, S. 9f.
Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 73 Bde. Ffm. 1839-2012.[Finger, Samuel Gottlieb:] Vaterstädtisches und Vaterländisches. Auszüge aus S. G. Fingers Tagebuch von 1795 bis 1818. In: AFGK NF 6 (1877), S. 326. | Kirchner, Anton: Ansichten von Ffm., der umliegenden Gegend und den benachbarten Heilquellen. Titel auch: Ansichten von Ffm. und seiner Umgegend. 2 Teile. Ffm. 1818, Nachdr. 1982.Kirchner: Ansichten 1818, Teil I, S. 167f. | Kriegk, Georg Ludwig: Geschichte von Ffm. in ausgewählten Darstellungen nach Urkunden und Acten. Ffm. 1871.Kriegk: Geschichte von Ffm. 1871, S. 525-527. | Reichard, August: Die Familie Aubin seit ihrem Erscheinen in Ffm. um 1590. Aus den Büchern des Standesamtes zu Ffm. für die Familie zusammengestellt. Ffm. 1904.Reichard: Fam. Aubin 1904.
Quellen: Alt-Fft. Vierteljahrschrift für seine Geschichte und Kunst. Hg. v. Rudolf Jung u. Bernard Müller im Auftr. des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft. Ffm. 1909-13. Zunächst einmalige Fortsetzung des Titels: Ein Heimatbuch aus dem Maingau. Auf Veranlassung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft zu Ffm. hg. v. Bernard Müller. Ffm. 1917. Spätere Neuauflage des Titels: Geschichtliche Zeitschrift für Frankfurt und seine Umgebung. Hg. v. Heinrich Voelcker u. Otto Ruppersberg. Ffm. 1928-30.Jung, Rudolf: Kaiser Napoleon I. in Fft. am 31. Oktober und 1. November 1813. In: Alt-Fft. 2 (1910), H. 1, S. 17, 21-23.
Internet: Hessische Biografie, ein Kooperationsprojekt des Instituts für Personengeschichte in Bensheim und des Hessischen Landesamts für geschichtliche Landeskunde in Marburg zur Erstellung einer umfassenden personengeschichtlichen Dokumentation des Landes Hessen. http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/bio/id/722Hess. Biografie, 5.2.2015.

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Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine: Aubin, Bernhard. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/680

Stand des Artikels: 9.9.2015
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 09.2015.