Mumm (von Schwarzenstein), Emma

Erster „Ehrenbürger“ der Ffter Universität.

Mumm (seit 1873: von Schwarzenstein), Emma Louise Marie, geb. Passavant. Mäzenin. Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.* 30.9.1852 Ffm., † 11.11.1922 (Geisenheim-)Johannisberg, begraben auf dem Ffter Hauptfriedhof.
Tochter des Advokaten und späteren Ffter Stadtrats Dr. jur. Friedrich Ernst Passavant und dessen Ehefrau Wilhelmine Louise, geb. John (1830-1905). Verheiratet (seit 1871) mit dem Kaufmann („Champagner-Baron“) Peter Arnold Gottlieb Hermann Mumm von Schwarzenstein (1842-1904). Aus der Ehe stammten neun Kinder: Hermann (1872-1937), Rudolf (1874-1898), Eugenie (seit 1896 verh. Radowitz, 1876-1943), Martha (seit 1907 verh. Manteuffel, 1878-1953), Sigmund (1879-1906), Emma (seit 1900 verh. Grunelius, 1881-1940), Bettina (1884-1903), Walther (1887-1959) und Arthur (1893-1966). Tochter Emma war seit 1900 verheiratet mit dem Bankier Max von Grunelius.
Emma M. v. Sch. selbst zeichnete Briefe am Ende ihres Lebens mit „Emma von Mumm“. Das zeigt ihr Dankesbrief für die Auszeichnung als Ehrenbürgerin der Ffter Universität, den sie zwei Wochen vor ihrem Tod schrieb.
M. v. Sch. war aktiv im Ffter gesellschaftlichen Leben. So gehörte sie dem Festausschuss zur 75-Jahr-Feier des Philharmonischen Vereins von 1834 an. Sie förderte bildende Künstler, u. a. durch Aufträge für Grabdenkmäler und Büsten ihrer nächsten Angehörigen (etwa für eine Porträtbüste ihres verstorbenen Mannes von Fritz Klimsch, 1904/05). Vor dem Ersten Weltkrieg unterstützte sie die Universitätsgründung mit großzügigen Spenden. Sie gehörte mit einem Betrag von 400.000 Mark zu den Gründungsstiftern der Universität und stiftete 1912 eine Dozentur am Historischen Seminar, die einen Lehrauftrag für Kirchengeschichte ermöglichte. Als erste Trägerin erhielt sie die akademische Auszeichnung „Ehrenbürger“ der Universität Ffm. (Urkunde vom 14.10.1922, zur Überreichung vorgesehen am 29.10.1922). Sie engagierte sich auch karitativ vor und im Ersten Weltkrieg, u. a. in der Verkaufsstelle der Aktion „Gold gab ich für Eisen“ und bei der Krankenpflege in dem im Hippodrom eingerichteten Lazarett. Schon um 1906 hatte sie die nach ihrem früh verstorbenen dritten Sohn benannte „Sigmund-Stiftung“ errichtet, die „Freibetten“ in Krankenhäusern für bedürftige Patienten finanzierte.
Auch in Johannisberg, wo die Familie M. v. Sch. die Burg Schwarzenstein (Architekt: Franz Schädel, 1874-76) als „Stammsitz“ und Sommerhaus auf ihrem traditionellen Weingut bewohnte, brachte sich Emma M. v. Sch. bürgerschaftlich ein, u. a. mit einer Stiftung für „kranke und bedürftige Leute“, der Einrichtung einer „Kleinkinderbewahrschule“ (1911), einer Spende bei der Gründung des Fußballvereins „SV Johannisberg“ (1919), der Errichtung eines Kriegerdenkmals zur Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (1921) sowie der Einrichtung von offenbar jugendherbergsähnlichen Heimen für Ffter Stadtkinder in Johannisberg und Assmannshausen (beide 1912). Bereits 1908 hatte M. v. Sch. die aufkommende Jugendherbergsbewegung mit Beihilfen unterstützt. Für ihr Engagement im Rheingau wurde sie zur Ehrenbürgerin von Johannisberg ernannt (1913).
Zahlreiche weitere Ehrungen, u. a. Luisenorden I. Klasse der zweiten Abteilung, Verdienstkreuz für Kriegshilfe und König Ludwig-Kreuz für Heimatverdienste (alle 1917/18).
Das Ehepaar Hermann und Emma M. v. Sch. wohnte im angestammten Palais M. auf der Zeil 36, bis es sich 1902/03 eine repräsentative Villa in Sachsenhausen, Forsthausstraße (heute: Kennedyallee) 151, nach Plänen von Aage von Kauffmann und wahrscheinlich Otto Bäppler erbauen ließ. Die Wandgemälde im Treppenhaus schuf der mit dem Ehepaar M. v. Sch. befreundete Maler Norbert Schrödl, der gleich zum ersten Abendessen im neuen Haus – noch am Tag des Einzugs am 2.12.1903 – eingeladen war. Das Palais M. wurde nach der Aufgabe durch die Familie 1904 niedergelegt, während die Villa M. in Sachsenhausen erhalten ist (seit 1955 Sitz des Instituts für Angewandte Geodäsie, aus dem 1997 das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie hervorgegangen ist). Das Weingut in Johannisberg blieb bis zur Übernahme durch den Oetker-Konzern 1957 im Familienbesitz.
Grabstätte im Bereich des Familiengrabs auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann B 53).

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Sabine Hock/Gunter Stemmler.

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Literatur:
                        
Brockhoff, Evelyn/Heidenreich, Bernd/Maaser, Michael (Hg.): Ffter Historiker. Göttingen 2016. (Schriftenreihe des Ffter Universitätsarchivs 6).Hammerstein, Notker: Das Historische Seminar der Ffter Universität. In: Brockhoff/Heidenreich/Maaser (Hg.): Ffter Historiker 2016, S. 26. | Eckhardt, Dieter: „Soziale Einrichtungen sind Kinder ihrer Zeit...“. Von der Centrale für private Fürsorge zum Institut für Sozialarbeit 1899-1999. Ffm. 1999.Eckhardt: Institut für Sozialarbeit 1999, S. 162. | Forschung Fft. Das Wissenschaftsmagazin. Hg. v. Präsidenten der Johann Wolfgang Goethe-Universität. Ffm. 1983-heute.Stemmler, Gunter: Ehre, wem Ehre gebührt. Ein Erinnern an Ehrenbürger und Ehrensenatoren. In: Forschung Fft. 3/2009, S. 107. | Lachner, Walter: Villa Mumm. Berlin/München 2014. (Ffter Architektur und Geschichte [1]).Lachner: Villa Mumm 2014. | Stemmler, Gunter: Die Vermessung der Ehre. Zur Geschichte der Ehrenbürger, Ehrensenatoren sowie Ehrenmitglieder an deutschen Hochschulen und an der Universität Ffm. Ffm. [u. a.] 2012.Stemmler: Ehrenbürger u. Ehrensenatoren an der Univ. Ffm. 2012, S. 158 u. ö. | Wörner, Birgit: Ffter Bankiers, Kaufleute und Industrielle. Werte, Lebensstil und Lebenspraxis 1870 bis 1930. Wiesbaden/Ffm. [2011]. („Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, Schriften der Ffter Bürgerstiftung und der Ernst Max von Grunelius-Stiftung, hg. v. Clemens Greve, Bd. 9).Wörner: Ffter Bankiers, Kaufleute u. Industrielle 2011, S. 46f., 87-90 sowie Abb. auf S. 238 u. 260.
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Internet: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. https://de.wikipedia.org/wiki/Alfons_Mumm_von_Schwarzenstein
Hinweis: Erwähnung in dem Artikel über den Schwager Alfons Mumm von Schwarzenstein (1859-1924).
Wikipedia, 3.9.2018.


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    Empfohlene Zitierweise: Hock, Sabine/Stemmler, Gunter: Mumm (von Schwarzenstein), Emma. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/9146

    Stand des Artikels: 8.9.2018
    Erstmals erschienen in Monatslieferung: 09.2018.