Rarichs, Karl

Karl Rarichs

Karl Rarichs
Fotografie von Gerald Denecke (um 1990).

© Frankfurter Singakademie e. V., Ffm.
Rarichs, Karl. Verleger. Chorleiter. * 5.12.1929 (Kraftsdorf-)Rüdersdorf/Thüringen, † 9.3.2020 Neu-Isenburg.
In Jena aufgewachsen, trug der aus einfachen Verhältnissen stammende R. bereits als Jugendlicher durch die Übernahme einer Organistenstelle zum Lebensunterhalt der Familie bei. Nach dem Abitur 1948 begann er ein Studium an den Musikhochschulen in Weimar und Leipzig (Klavier, Orgel, Dirigieren). 1950 ging er in den Westen und ergänzte bis 1952 seine Studien in Stuttgart um die Fächer Komposition und Liedbegleitung. Sein erstes Engagement erhielt er an den Städtischen Bühnen Gelsenkirchen, wo er vom Korrepetitor zum Zweiten Kapellmeister unter dem Chefdirigenten Ljubomir Romansky aufstieg. Eine Berufung zum Ersten Kapellmeister in Bremen zerschlug sich. Nachdem R. sich entschlossen hatte, eine Dirigentenlaufbahn nicht weiter zu verfolgen, trat er 1962 eine Stellung beim damals in Ffm. ansässigen Musikverlag C. F. Peters an, stieg dort zum Geschäftsführer und schließlich zum Verlagsleiter (1997-2005) auf. Daneben übernahm er häufig Einstudierungen für die Ffter Singakademie, in Vertretung des eigentlichen Chorleiters Ljubomir Romansky, seines ehemaligen „Chefs“ in Gelsenkirchen. Seit 1985 war R. auch formal Chorleiter der Singakademie, deren künstlerische Bedeutung er wesentlich steigern konnte. Eine Besonderheit seiner Chorleitung bestand darin, dass er die Werke zwar bis zur Konzertreife einstudierte, jedoch bis auf wenige Ausnahmen bei Aufführungen nicht selbst dirigierte. Die Singakademie profitierte von dieser Praxis, indem sie eine besondere sängerische Flexibilität gegenüber wechselnden, zumeist sehr namhaften Dirigenten entwickelte und dank R.s über Jahrzehnte aufgebautem Netzwerk im Musikgewerbe auch zahlreiche Chorauftritte im In- und Ausland absolvieren konnte. Nachdem R. 1999 die Leitung der Singakademie niedergelegt hatte, wurde er 2001 zum Ehrendirigenten des Chores ernannt.
Das Ffter Musikleben profitierte in vielfältiger Weise von R.s Anregungen. Als stellvertretender Vorsitzender der Ffter Museums-Gesellschaft (1980-2010) agierte er für mehrere Jahrzehnte quasi als Intendant der Museumskonzerte in der Alten Oper. Die 1990 begründete Arbeitsgemeinschaft Ffter Chöre, die die Möglichkeit bietet, sehr stark besetzte Werke gemeinsam zur Aufführung zu bringen, geht auf seine Idee zurück; auch förderte er wesentlich die Einrichtung des „Hauses der Chöre“, das 2005 am Dornbusch eröffnet wurde. Der im Jahr 2000 ins Leben gerufene „Internationale Dirigentenwettbewerb Sir Georg Solti“ ist maßgeblich seiner Initiative zu verdanken.
Von 1980 bis 2010 war R. zudem künstlerischer Leiter der Weilburger Schlosskonzerte.
Im Deutschen Musikverleger-Verband war er von 1970 bis 1994 Beisitzer im Ausschuss für Rundfunk- und Tonträgerfragen sowie von 1973 bis 2005 Beisitzer des E-Musik-Ausschusses. Initiator der Auszeichnung „Bestes Konzertprogramm der Spielzeit“ und des Deutschen Musikeditionspreises „Best Edition“, die beide seit 1991 vergeben werden.
1993 Bundesverdienstkreuz. 2001 Ehrenplakette der Stadt Ffm. 2004 Binding-Kulturpreis (zusammen mit Hans Günther Bastian). Seit 2010/11 Ehrenmitglied im Vorstand der Museums-Gesellschaft. 2015 Hessischer Verdienstorden am Bande.

Artikel aus: Frankfurter Personenlexikon, verfasst von Reinhard Frost.

Literatur:
                        
Bomba, Andreas: Die Ffter Singakademie. Eine Festschrift zum 75jährigen Jubiläum. Hg. v. d. Ffter Singakademie. Ffm. 1997.Bomba: Ffter Singakademie 1997, S. 106f. | Chor-Rundschau. Magazin der Ffter Singakademie. Nr. 1-39/40. Ffm. 1988-2012.Chor-Rundschau, Nr. 29/30, Dezember 1999 (Sonderausgabe zum Abschied von Karl Rarichs als Chorleiter).
Quellen: Hessischer Rundfunk.Doppelkopf: Am Tisch mit Karl Rarichs, „Taktgeber“. Gastgeber: Andreas Bomba. Hörfunksendung eines Gesprächs. HR, hr2-kultur, 1.11.2010. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/15.145.

GND: 131537814 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Rarichs, Karl. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/11461

Stand des Artikels: 11.6.2020
Erstmals erschienen in Monatslieferung: 06.2020.