Stemmermann, Friedrich

Stemmermann, Friedrich Eduard Konradin. Offizier. * 6.4.1892 Mülhausen/Elsass, Diese Angaben konnten anhand von Dokumenten zweifelsfrei bestätigt werden.† 30.3.1970 Baden-Baden.
Sohn eines Offiziers.
Besuch einer Kadettenanstalt. 1913 Fahnenjunker. 1914 zum Leutnant ernannt mit Patent von 1912. Teilnahme am Ersten Weltkrieg. 1920 Übertritt zur Polizei in Karlsruhe. 1932 Polizei-Dienstleiter in Lörrach. Im August 1934 Übernahme in die Wehrmacht (Nachrichtenabteilung). 1943 Ernennung zum Generalmajor. Seit 1.8.1944 Wehrmachtskommandant von Ffm., seit 1.2.1945 Kampfkommandant. Als am 22.3.1945 die Amerikaner bei Oppenheim den Rhein überquerten, wurde Ffm. Kampfgebiet. Die Kampfanweisung vom Oberkommando des Heeres an S. lautete, die Stadt unter allen Umständen mit Hilfe des Volkssturms und verschiedener Militäreinheiten bis zum letzten Mann zu verteidigen. Am 24.3. erhielt S. den Befehl, die Mainbrücke bei Hanau zu sprengen, um ein weiteres Vorrücken der Amerikaner zu verhindern. Das Vorhaben misslang. Angeblich wurde S. von Generalfeldmarschall Kesselring, dem Oberbefehlshaber West, angelastet, er habe absichtlich versagt. Am selben Tag traf General der Infanterie Kniess, Kommandant des 85. Armeekorps, mit einem Teil seines Stabs in Ffm. ein, um bei der Verteidigung der Stadt zu helfen. Von Kesselring erhielt Kniess den Befehl, die Ffter Mainbrücken zu sprengen. Die Sprengung der Wilhelmsbrücke (der späteren Friedensbrücke) gelang nicht vollständig, und so konnten die Amerikaner am Nachmittag des 26.3. über die Brücke von Sachsenhausen ins Bahnhofsviertel vorrücken. Kesselring befahl S., die Amerikaner zurückzudrängen. S. soll den Angriff auf den amerikanischen Stützpunkt in der Gutleut-/Scharnhorststraße nach kurzer Zeit abgeblasen haben, weil er die Sinnlosigkeit des Unterfangens eingesehen habe und den angedrohten vernichtenden Bombenangriff der Amerikaner auf die Stadt mit den über 100.000 verbliebenen Einwohnern verhindern wollte. So wird es oft als das Verdienst S.s betrachtet, dass Ffm. bei der Besetzung durch die Amerikaner von größerem Unheil verschont geblieben ist. Am Morgen des 27.3. wurde S. als Kampfkommandant von General Kniess durch Oberstleutnant Löffler ersetzt. Ob dabei seine leichte Verletzung, die er sich am Vortag zugezogen hatte, oder sein Verhalten, sein mangelnder Widerstandswille, ausschlaggebend war, ist nicht endgültig geklärt. Bei einem Granatangriff der Amerikaner auf die Kommandantur in der Taunusanlage 12 am Nachmittag desselben Tages wurde S., der dort noch auf einen Wagen wartete, schwer verletzt. Löffler und andere starben bei dem Angriff. Kniess hatte sich inzwischen nach Bad Homburg abgesetzt. Der amerikanischen Besetzung Fft.s stand nun nichts mehr entgegen. S. wurde in das Standortlazarett am Opernplatz gebracht, einige Tage später in ein Lazarett nach Dornholzhausen und von dort nach Bad Nauheim verlegt. Am 7.4.1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 428f., verfasst von: Birgit Weyel.
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Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Brügel, Werner: Die Tätigkeit des Kampfstabes Löffler in Ffm. am Dienstag, dem 27. März 1945. Geschildert von einem Stabsangehörigen nach Erinnerungen. In: AFGK 61 (1987), S. 355-364. | Leiwig, Heinz: Finale 1945 Rhein-Main. Düsseldorf 1985. (Fotografierte Zeitgeschichte).Leiwig: Finale 1945 Rhein-Main 1985. | Schmid, Armin: Fft. im Feuersturm. Die Geschichte der Stadt im Zweiten Weltkrieg. Ffm. 1965.Schmid: Fft. im Feuersturm 1965, bes. S. 223-229.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/95.

GND: 1169594123 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Weyel, Birgit: Stemmermann, Friedrich. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1327

Stand des Artikels: 3.8.1995