Der belgische Unternehmer gründete 1871 die Ffter Pferdestraßenbahn, die am 19.5.1872 den Betrieb aufnahm. Damit eröffnete er das Zeitalter des schienengebundenen öffentlichen Personenverkehrs in Ffm. und gab der Stadtentwicklung einen bedeutenden Impuls.
Die Familie de la H. gehörte zum alten Landadel in den spanischen Niederlanden. Sohn von Charles de la H. und dessen Ehefrau Isabelle, geb. Gallis. Verheiratet (seit 1853) mit Coralie Adélaïde de la H., geb. Vicomtesse du Toict de Triest (1829-1911). Zwei Söhne.
Vermutlich kam H. aus einer wohlhabenden Familie. Über seinen beruflichen Werdegang ist wenig bekannt. In Dokumenten zu seiner Hochzeit 1853 wird er als „propriétaire“ (Landbesitzer, Grundeigentümer) bezeichnet; zudem war er zu diesem Zeitpunkt im diplomatischen Dienst des belgischen Königs („attaché de Légation de Sa Majesté le roi des belges“). Seit den 1860er Jahren war er unternehmerisch tätig.
Zusammen mit vermögenden Brüsseler Bürgern (Kaufleuten, Industriellen, Architekten, Bankiers) begann H. nach dem Deutsch-Französischen Krieg, in Deutschland, Frankreich und Italien Straßenbahnbetriebe nach dem Vorbild der 1869 in Brüssel eröffneten Pferdebahn zu gründen. Wahrscheinlich sein erstes Unternehmen dieser Art überhaupt und auf jeden Fall sein erstes im gerade gegründeten Deutschen Reich war die Ffter Pferdebahn. Was H. veranlasste, die Geschäftsidee zum Bau und Betrieb eines schienengebundenen öffentlichen Verkehrsmittels zuerst in Ffm. umzusetzen, ist nicht überliefert. Zunächst hatte H. Konzessionen für den Bau von Pferdestraßenbahnen gleichzeitig in Dresden und Ffm. beantragt. Während sein Gesuch in Dresden abgelehnt wurde, wurde der Bau in Ffm. genehmigt. Bis dahin gab es das neuartige Verkehrsmittel der Pferdebahn in Deutschland nur in Berlin (1865) und Hamburg (1866); die von einem englischen Unternehmer betriebene Pferdebahn in Leipzig eröffnete am 18.5.1872 (und damit nur einen Tag vor der Ffter Pferdebahn).
Am 24.11.1871 hatte der Ffter Polizeipräsident
von Madai den belgischen Kaufleuten H. und Ernest Donner auf 19 ½ Jahre das Recht zur Anlage und zum Betrieb der ersten Pferde-Eisenbahn in Ffm. (mit einer anfänglichen Strecke von der Hauptwache über die Bockenheimer Landstraße bis zur Stadtgrenze am Schönhof) erteilt. Daraufhin gründete H. am 2.12.1871 in Brüssel die Kommanditgesellschaft „F. de la Hault & Compagnie“, deren Ffter Niederlassung am 4.3.1872 in das Firmenregister der hiesigen Handelskammer eingetragen wurde. H. und seine zehn Mitgesellschafter statteten die Gesellschaft mit dem beträchtlichen Kapital von 990.000 Franc (792.000 Mark) aus. Offiziell, etwa in der in den Magistratsakten überlieferten Korrespondenz, firmierte das Unternehmen in Ffm. unter „F. de la Hault & Cie.“; im allgemeinen Sprachgebrauch wurde die neue Firma jedoch schlicht „Ffter Trambahn-Gesellschaft“ genannt, auch wenn ein Unternehmen mit diesem Namen erst viel später (1880) gegründet werden würde.
Die Brüsseler Firma „F. de la Hault & Cie.“ war eine reine Verwaltungsgesellschaft; im Tagesgeschäft wurde die Ffter Niederlassung durch einen Prokuristen, den promovierten Juristen und Kaufmann
Alfred Friedrich Buck, vertreten, in dessen Haus in der Weserstraße 14 die Gesellschaft auch ihren ersten Sitz nahm. Betriebsdirektor wurde der Ingenieur Robert Schulz, der die Pferdebahnen in Dresden (eröffnet am 26.9.1872) und Elberfeld (eröffnet am 1.4.1874) mit aufgebaut und geleitet hatte, bevor H. ihn 1874 oder 1875 zum Betriebsleiter in Ffm. bestellte. Die von H. gewählte Rechtsform einer Kommanditgesellschaft auf Aktien („Société en commandite par actions“) erleichterte die Aufnahme weiterer Kapitalgeber in das Unternehmen; frisches Kapital wurde gebraucht, um das stürmische Wachstum der Ffter Trambahn-Gesellschaft zu finanzieren. Neue Geldgeber zu finden, dürfte der Gesellschaft angesichts ihres wirtschaftlichen Erfolgs nicht schwergefallen sein. 1875 erzielte sie einen ungewöhnlich hohen Reingewinn von über 16 Prozent des eingesetzten Kapitals, also rd. 160.000 Franc.
Um diese Zeit (1878) hat die Ffter Pferdebahn offenbar auch den Deutschlandreisenden Mark Twain (1835-1910) beeindruckt. In seinem Reisebericht heißt es in dem Abschnitt über Ffm.: „The street car conductors and drivers wore pretty uniforms which seemed to be just out of the bandbox, and their manners were as fine as their clothes.“ [Mark Twain: A Tramp Abroad 1880, S. 19; in deutscher Übersetzung: „Die Schaffner und Fahrer der Straßenbahn trugen hübsche Uniformen, die frisch vom Schneider (wörtlich: aus der Hutschachtel) gekommen zu sein schienen, und ihr Benehmen war so fein wie ihre Kleidung.“]
Nach etwa zwei Jahren Betriebserfahrung in Ffm. hatte H. im August 1874 zusammen mit zwei belgischen Banken eine Beteiligungsgesellschaft, die „Société générale de tramways“ (SGT), gegründet; mit deren Kapitalbeteiligung errichtete er dann Straßenbahnunternehmen in Turin (1874), Neapel (1875), Triest (1876), Barmen-Elberfeld (1876), Florenz (1880) und die Nebenbahn Bari-Barletta in Süditalien. Im Dezember 1875 gründete er gemeinsam mit einer französischen Bank die „Compagnie générale française de tramways“ (CGFT), die das Kapital für seine Pferdestraßenbahnen in Le Havre (1874), Nancy (1874), Marseille (1876) und Orléans (1877) bereitstellte. Pferdebahnen in Genf, Köln und Tunis waren ebenfalls Unternehmungen von H.
Am 6.10.1880 wurde zwischen dem Magistrat der Stadt Ffm. und „den Herren de la Hault & Comp.“ der erste Ffter Straßenbahnvertrag geschlossen. Der Vertrag konzessionierte bis Ende 1905 bestehende und neue Linien, allerdings mit der Verpflichtung, zu deren Betrieb spätestens vier Monate nach Vertragsschluss eine Aktiengesellschaft zu errichten. Daraufhin wurde am 13. und 30.12.1880 in Brüssel der Gesellschaftsvertrag zur Gründung der „Tramways de Francfort-sur-Mein S.A. – Frankfurter Trambahn-Gesellschaft“ (FTG) unterzeichnet. Noch am 30.12.1880 wurde die neue Gesellschaft (eine „Société Anonyme“ belgischen Rechts) in das Brüsseler Handelsregister eingetragen. Gründer der Aktiengesellschaft, die mit einem Stammkapital von 2,6 Millionen Franc ausgestattet war, waren die Gesellschafter von „F. de la Hault & Cie.“ sowie die „Société Genéral de Chemin de Fer Secondaire“ (SGCFS) und einige Einzelpersonen, darunter der belgische Senator Prosper Crabbe (1827-1889), der Brüsseler Architekt Wynand Janssens (1827-1913) und der Ffter Bankier Ludwig von Erlanger (1836-1898). Die „F. de la Hault & Cie.“ brachte ihren gesamten Ffter Straßenbahnbetrieb (Grundstücke, Gebäude, Fahrzeuge, Pferde usw.), der mit 2.067.100 Franc (rd. 1,65 Millionen Mark) bewertet worden war, als Sacheinlage in die Aktiengesellschaft ein; in entsprechender Höhe wurden H. und seinen Mitgesellschaftern Gründungsaktien zugeteilt, so dass „F. de la Hault & Cie.“ anfänglich 79,5 Prozent der Aktien hielt.
Am 20.8.1881 bekam die FTG von der preußischen Staatsregierung die Erlaubnis, in Ffm. eine Zweigniederlassung zu eröffnen. Infolgedessen wurde die „Frankfurter Trambahn-Gesellschaft Filiale“ am 16.12.1881 in das Ffter Handelsregister eingetragen, und zwar mit Alfred Buck und Bernhard Mettenheimer als Vorstand sowie Betriebsdirektor Gustav Behringer als Prokurist. Behringer, der die Nachfolge des Ingenieurs Robert Schulz antrat, erhielt im September 1891 zusätzlich Bucks bisherigen Posten als Generalbevollmächtigter der FTG in Ffm. und blieb in beiden Funktionen bis zur Übernahme der Straßenbahn durch die Stadt Ffm. am 1.1.1898.
Die Aktien der „Tramways de Francfort-sur-Mein S.A. – Frankfurter Trambahn-Gesellschaft“ (FTG) wurden bereits ab Januar 1881 an der Brüsseler Börse und spätestens ab März 1881 auch an der Ffter Börse gehandelt. Der Kurs der Aktie stieg rasch von anfangs 112,50 Franc auf über 140 Franc: Sie notierte am 2.1.1882 mit 146 Franc (in Brüssel 152,50 Franc); die Dividende für 1881 wurde mit 9 ¾ Franc pro Aktie angegeben. Zeitweilig hatte die FTG einen Börsenwert von 7,5 Millionen Franc, was etwa dem Dreifachen ihres Stammkapitals bei Gründung entsprach. [Im Mai 1883 wurde das Kapital der FTG auf 2.704.000 Franc (2,19 Millionen Mark) erhöht.] Außer der Berliner Pferdebahn hat keine börsennotierte Trambahngesellschaft im Deutschen Reich so hohe Dividenden ausgeschüttet wie die FTG.
H. gebührt somit das Verdienst, eines der erfolgreichsten Unternehmen der 1870er und 1880er Jahre in Ffm. gegründet zu haben. Er starb bald nach Gründung der Aktiengesellschaft „Tramways de Francfort-sur-Mein S.A. – Frankfurter Trambahn-Gesellschaft“ im Alter von 56 Jahren in Spa.
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