Vatter, Johannes

Wegweiser der Gehörlosenpädagogik.

Vatter, Johannes. Schulrat. Pädagoge. * 19.2.1842 (Münsingen-)Trailfingen/Schwäbische Alb, † 11.12.1916 Ffm.
Sohn eines Webers.
V. besuchte ab 1857 die Präparandenanstalt, ab 1859 das Lehrerseminar in Nürtingen. An der dem Seminar angeschlossenenen Taubstummenanstalt unterrichtete er seit 1861 als Hilfslehrer. 1868 wurde V. an die von Ludwig Kosel 1827 begründete Ffter Taubstummenanstalt berufen. Von 1874 bis zu seinem Tod stand er der Taubstummenanstalt als Direktor vor. Unter V.s Leitung erwarb die fortschrittliche Lehranstalt einen hervorragenden Ruf in ganz Deutschland. Die Gebärdensprache wurde zugunsten der Lautsprachmethode weitgehend aus dem Unterricht verbannt. Im Jahr 1900 konnte V. mit seinen damals 38 Schülern das neue Schulgebäude in der Gabelsbergerstraße 2 an der Günthersburg-/Ecke Rothschildallee beziehen.
In zahlreichen Publikationen und Lehrbüchern sowie als Redakteur der Zeitschrift „Organ, Zeitschrift für die Taubstummenanstalten in Deutschland” vermittelte V. seine teilweise bis heute gültigen Ideen der Gehörlosenpädagogik.
1911 veröffentlichte er seine Lebenserinnerungen unter dem Titel „Fünfzig Jahre Taubstummenlehrer”.
Als Anerkennung für seine Arbeit erhielt V. eine Reihe von Ehrendiplomen und -medaillen.
Grabstätte auf dem Ffter Hauptfriedhof (Gewann I 575).
Die Ffter Taubstummenanstalt wurde infolge des Bombenkriegs 1943 nach (Bad) Camberg verlegt. Das verwaiste Ffter Schulgebäude wurde bei Luftangriffen 1944 beschädigt und 1970 abgerissen. In der unmittelbaren Nachbarschaft (Rothschildallee 16a) befindet sich seit 1977 das Ffter Gehörlosen- und Schwerhörigenzentrum, errichtet von der „Stiftung Taubstummenanstalt“ (seit 2008: „Ffter Stiftung für Gehörlose und Schwerhörige“). In dem Zentrum gibt es seit 2009 auch ein „Museum zur Geschichte der Gehörlosen und Schwerhörigen“ (u. a. zur Geschichte der Ffter Anstalt und Stiftung).
V.straße im Riederwald. Johannes-V.-Schule als überregionales Beratungs- und Förderzentrum mit dem Förderschwerpunkt Hören in Friedberg/Hessen. „Verein V.”, gegründet 1906 als Verein der ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Taubstummenanstalt in Ffm.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 505f., verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Stemmler, Gunter: Eine Geschichte der Gehörlosenschule in Ffm. Hamburg 2020.Stemmler: Geschichte d. Gehörlosenschule in Ffm. 2020. | Vatter, Johannes: 50 Jahre Taubstummenlehrer. Lebenserinnerungen. Ffm. 1911.Vatter: Lebenserinnerungen 1911.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.780. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/13.574. | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/17.923 (Verein Vatter).

GND: 133063208 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2021 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Vatter, Johannes. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1586

Stand des Artikels: 19.6.1995