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Westerburg, Gerhard

Reformatorischer Anführer im Zünfteaufruhr von 1525.

Westerburg, Gerhard. Dr. iur. utr. Jurist. Evangelischer Theologe. * um 1495 Köln, † angeblich 1558 (Sande-)Neustadtgödens/Ostfriesland.
Studium in Köln und Bologna. In Köln 1521 Bekanntschaft mit Nikolaus Storch, einem Leiter der „Zwickauer Propheten”. Angeregt durch dessen Lehren ging W. 1522 nach Wittenberg. Wegweisend wurde für ihn die Bekanntschaft mit dem schwärmerischen Theologen Andreas Karlstadt. 1523 in Jena. Dort verfasste W. ein Traktat über das Fegefeuer, eigentlich einen volkstümlichen Auszug aus einer Schrift Karlstadts, weswegen er später verfolgt wurde. Aus Sachsen ausgewiesen, kam W. 1524 nach Ffm. Hier fand er innerhalb der Zünfte zahlreiche Anhänger. Mit ihnen schloss er sich zusammen zu der Gemeinschaft der „evangelischen Brüder”. Die reformatorisch gesinnten, gegen die patrizische Obrigkeit und den altgläubigen Klerus eingestellten Handwerker fanden in W. einen Vordenker und Ideenvermittler. Vom Rat der Stadt Ffm. wurde die reformatorische Bewegung anfangs unterdrückt, um den Verlust kaiserlicher Privilegien zu verhindern. Der Zorn der reformatorischen Volksbewegung gegen Klerus und Rat gipfelte daraufhin im April 1525 im Zünfteaufruhr. Die Aufständischen wählten zur Artikulation ihrer Beschwerden und Forderungen einen 61er-Ausschuss. Dieser Bürgerausschuss arbeitete unter der federführenden Mitwirkung W.s einen Katalog von 46 Artikeln aus. In den Ffter Artikeln mischten sich reformatorische Positionen mit Klagen über kirchliche, wirtschaftlich-soziale und politisch-rechtliche Missstände. Teilweise orientierten sie sich an den in Oberschwaben verfassten Zwölf Artikeln der Bauernschaft, der Programmschrift der gesamten Bauernkriegsbewegung, die alte bäuerliche Beschwerden mit neuen reformatorischen Forderungen verband. W. war mit der Bewegung des Bauernkriegs von ihrem Beginn an vertraut. Zunächst notgedrungen von Rat und Klerus akzeptiert, wurden die Ffter Artikel nach der Niederschlagung des Bauernkriegs am 2.7.1525 unter dem Druck der siegreichen Fürsten wieder abgeschafft. Das alte Verhältnis zwischen Rat und Bürgerschaft stellte sich im Wesentlichen wieder ein. Die Entwicklung eines evangelischen Kirchenwesens hatte jedoch unhaltbar ihren Anfang genommen. Schon vor dem Ende des Bauernkriegs hatte es nach ersten Niederlagen der aufständischen Bauernheere einen Stimmungsumschwung innerhalb der Ffter Bewegung gegeben, in dessen Folge die radikalsten Kräfte immer mehr isoliert worden waren. So war es dem Rat bereits im Mai 1525 gelungen, die Ausweisung W.s, den man als den eigentlichen Urheber der Unruhen ansah, durchzusetzen. W. kehrte zurück nach Köln, wo er maßgeblich an der reformatorischen Bewegung beteiligt war. 1526 wurde W. in Köln als Ketzer verdammt, doch das Urteil wurde vom Reichskammergericht wieder aufgehoben. 1534 verließ er Köln und gelangte über verschiedene Stationen nach Neustadtgödens in Ostfriesland, wo er eine Predigerstelle innehatte und 1558 gestorben sein soll.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 554f., verfasst von: Birgit Weyel.
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Literatur:
                        
Archiv für Fft.s Geschichte und Kunst. Bisher 78 Bde. Ffm. 1839-2019.Steitz, Georg Eduard: Dr. Gerhard Westerburg, der Leiter des Bürgeraufstandes zu Ffm. im Jahre 1525. In: AFGK NF 5 (1872), S. 1-215. | Ffm. Die Geschichte der Stadt in neun Beiträgen. Hg. v. d. Ffter Historischen Kommission. Sigmaringen 1991. (Veröffentlichungen der Ffter Historischen Kommission XVII).Jahns, Sigrid: Ffm. im Zeitalter der Reformation (um 1500-1555). In: Gesch. d. Stadt Ffm. 1991, S. 151-204, hier S. 165-170. | Jahns, Sigrid: Fft., Reformation und Schmalkaldischer Bund. Die Reformations-, Reichs- und Bündnispolitik der Reichsstadt Ffm. 1525-1536. Ffm. 1976. (Studien zur Ffter Geschichte 9).Jahns: Reformation 1976.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/14.638.

GND: 119868601 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2022 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Weyel, Birgit: Westerburg, Gerhard. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), https://frankfurter-personenlexikon.de/node/1726

Stand des Artikels: 14.6.1995