Merowingermädchen

Merowingermädchen. † um 680, begraben in einer Kirche an der Stelle des heutigen Ffter Doms.
Während der Innenrestaurierung des Ffter Doms (1990-94) wurde Anfang 1992 unter dem westlichen Langhaus das Grab eines etwa fünfjährigen Mädchens aus der Merowingerzeit entdeckt. Anhand der reichen Grabbeigaben ließ sich der Tod des Mädchens auf die Zeit um 680 datieren. Der für diese Epoche im Ffter Raum einzigartige Fund lieferte neue archäologische Erkenntnisse über die Anfänge Fft.s. Der wertvolle Gold- und Silberschmuck, der sich neben Knochen- und Kleiderresten fand, weist das Mädchen als Mitglied der merowingischen Führungsschicht aus. Vermutlich ließen die Eltern über dem Grab ihrer Tochter eine erste Steinkirche errichten. Deren Fundamente wurden bei den Grabungen ebenfalls entdeckt. Diese Kirche gilt jetzt als ältester fassbarer Vorgängerbau des Ffter Doms. Die durch die Grabbeigaben dokumentierte Zugehörigkeit des Mädchens zum spätmerowingischen Adel belegen für den Siedlungsplatz Ffm. eine hervorgehobene Bedeutung zu einem weitaus früheren Zeitpunkt als bisher angenommen (nämlich mehr als hundert Jahre vor der schriftlichen Ersterwähnung von 794).
Seit dem Abschluss der Renovierungsarbeiten markiert eine schlichte Sandsteinplatte den Fundort der Grabstätte im Dom (Inschrift: „Grab eines adligen Mädchens um 680“).
Die Grabbeigaben der „ältesten Ffterin“ sind im Dommuseum ausgestellt.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 39, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Hampel, Andrea: Der Kaiserdom zu Ffm. Ausgrabungen 1991-1993. Nußloch 1994. (Beiträge zum Denkmalschutz in Ffm. 8).Hampel: Kaiserdom 1994, bes. S. 112-173. | Wamers, Egon: Franconofurd 2. Das bi-rituelle Kinderdoppelgrab der späten Merowingerzeit unter der Ffter Bartholomäuskirche („Dom“). Archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen. Regensburg 2015. (Schriften des Archäologischen Museums Fft. 22,2).Wamers: Das bi-rituelle Kinderdoppelgrab d. späten Merowingerzeit 2015.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S3 (mit Kleinschriften, bes. Zeitungsausschnitten, zur Ortsgeschichte).ISG, S3/H 4.761 (Dom: Grabungen).

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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Merowingermädchen. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/504

Stand des Artikels: 6.7.1994