Quint, Oscar

Quint, Oscar. Lehrer. Journalist. * 20.6.1874 Wien, † 20.6.1942 Ffm.
Q., der bis zum 20. Lebensjahr in Österreich-Ungarn lebte, besuchte nach seiner Ausbildung zum Portefeuiller die Kunstgewerbeschule und die Handelslehranstalt in Wien. Früh begann er, sich für die Ideen der Sozialdemokratie zu interessieren. So arbeitete er zwischen 1892 und 1894 als Lehrer im Unterrichtsverband der Arbeitervereine Niederösterreichs. Q., dem aufgrund seiner deutschen Abstammung die österreichische Staatsbürgerschaft versagt blieb, wurde 1894 nach Deutschland abgeschoben.
Nach seiner Ausweisung führte vor allem der Kontakt zu Viktor Adler, der ihm als Vorbild diente, zum Eintritt in die SPD. Das daraus herrührende politische Engagement setzte Q. auch während seines Militärdiensts in Straßburg (1894-96) fort. Vor allem durch die Organisation eines Lesezirkels versuchte er, seine Kameraden politisch von der Sozialdemokratie zu überzeugen. Nach Ablauf seiner militärischen Dienstzeit siedelte Q. zunächst nach Wiesbaden über, wo er als Vertrauensmann und Vorstandsmitglied der SPD arbeitete. Ersten Kontakt zum Journalismus hatte er 1900 durch seine Tätigkeit als Expedient bei der sozialdemokratischen Ffter „Volksstimme“. Bereits ein Jahr später wechselte er als Redakteur zur Fränkischen Tagespost nach Nürnberg.
1903 kehrte Q. als Feuilletonredakteur zur „Volksstimme“ nach Ffm. zurück. Daneben war er im Parteivorstand der Ffter SPD tätig, die er auch im Distrikt Heddernheim aktiv unterstützte. Außerdem arbeitete er im Gewerkschaftskartell mit, einer Organisation, die sich für die Verwirklichung der kulturellen Forderungen der Gewerkschaftsbewegung einsetzte. Vor allem aber engagierte sich Q. im kulturellen Bereich. Durch seine Redakteurstätigkeit dem kulturellen Leben in Ffm. besonders verbunden, beeinflusste er mit seinen Arbeiten nicht nur das Theatergeschehen, sondern er versuchte darüber hinaus, durch eigene Museumsführungen den Bewohnern Fft.s die Kunststätten der Stadt zu erschließen.
Mit dem Aufkommen der NSDAP ergaben sich für Q. politische und private Schwierigkeiten, die eine ungestörte Fortführung seiner Arbeit zunehmend erschwerten. Von einem Überfall, bei dem Q. 1931 von Nationalsozialisten im Ffter Hauptbahnhof zusammengeschlagen wurde, behielt er bleibende gesundheitliche Schäden zurück, die auch sein Ausscheiden bei der „Volksstimme“ (1932) zur Folge hatten. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde Q. wegen seiner exponierten Stellung in der Ffter SPD zunächst in „Schutzhaft” genommen und schließlich, durch ein bereits 1933 ausgesprochenes Publikationsverbot, seiner journalistischen Tätigkeit und kulturellen Einflussmöglichkeiten beraubt.
Nachlass der Familie Q. im ISG.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 161f., verfasst von: Christopher Henkel.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Beier, Gerhard: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch 150 Jahre (1834-1984). Ffm. 1984. (Die Hessen-Bibliothek im Insel Verlag).Beier: Arbeiterbewegung 1984, S. 526.
Quellen: ISG, Bestand Nachlässe (S1).Nachlass der Familie Quint: ISG, S1/150; dazu Manuskript S6a/229 (Übersicht von Kurt Schäfer, 1983). | ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/4.185.

GND: 1214655629 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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    Empfohlene Zitierweise: Henkel, Christopher: Quint, Oscar. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/813

    Stand des Artikels: 31.3.1996