Reineck, Friedrich Ludwig von

Reineck, Friedrich Ludwig von. Königlich Schwedischer und Polnischer, Kurfürstlich Sächsischer Geheimer Hof- und Kriegsrat. Weinhändler. ~ 28.7.1707 Ffm., † 1775.
Der wohlhabende Weinhändler (mit einem Vermögen von rund 500.000 Gulden) und Blumenfreund ließ sich 1730 ein aufwendiges Rokoko-Palais am Baugraben hinter der Zeil/Ecke Hasengasse errichten, das nördlich von einem mit Statuen geschmückten, parkähnlichen Garten abgeschlossen wurde.
Großes Aufsehen erregte 1753 die Flucht seiner Tochter Maria Salome (1735-1803) aus dem väterlichen Haus. Als 18-Jährige hatte sie eine Beziehung zu dem wesentlichen älteren Ffter Hauptmann Friedrich Alexander Klenck (1703-1768). R. versuchte, diese Liaison mit allen Mitteln zu unterbinden, und schreckte auch nicht vor roher Gewalt gegenüber seiner Tochter zurück. Diese floh daraufhin mit ihrem Geliebten nach Pappenheim. R. überzog nun den angeblichen „Entführer“ Klenck mit Prozessen und erreichte dessen vier Jahre währende Festsetzung in der Hauptwache, konnte die Verbindung aber letzlich nicht verhindern.
Nach dem Tod seiner zweiten Frau führte R., der sich durch seine Prozesssucht zum Gespött der Stadt gemacht hatte, das Leben eines zurückgezogenen Sonderlings. Nur einige Vertraute, darunter den jungen Johann Wolfgang Goethe, ließ er an sich heran. In „Dichtung und Wahrheit“ (I,4) zeichnet Goethe ein anschauliches Bild des vergrämten Melancholikers, der in einer einzigen Stube seines Palais hauste und seine späten Lebensjahre teilweise auf seinen Besitzungen in der Oberlausitz verbrachte.
Das R.’sche Palais wurde 1878 für den Bau der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kleinmarkthalle abgerissen.
R.straße am früheren R.’schen Palais in der Innenstadt (im mittleren Bereich heute durch Kaufhäuser überbaut, teilweise 1993 in Carl-Theodor-Reiffenstein-Platz umbenannt).

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 184, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Literatur:
                        
Alt-Fft. Vierteljahrschrift für seine Geschichte und Kunst. Hg. v. Rudolf Jung u. Bernard Müller im Auftr. des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft. Ffm. 1909-13/14. Zunächst einmalige Fortsetzung des Titels: Ein Heimatbuch aus dem Maingau. Auf Veranlassung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde, des Vereins für das Historische Museum u. der Numismatischen Gesellschaft zu Ffm. hg. v. Bernard Müller. Ffm. 1917. Spätere Neuauflage des Titels: Geschichtliche Zeitschrift für Fft. und seine Umgebung. Hg. v. Heinrich Voelcker u. Otto Ruppersberg. Ffm. 1928-30.Ruppersberg, Otto: Das v. Reineck’sche Haus in der Hasengasse. In: Alt-Fft. NF 1 (1928), H. 1, S. 7f. | Goethe, Johann Wolfgang: Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. 3 Bde. 6. Aufl. Ffm. 1989. (insel taschenbuch 149-151).Goethe: DuW I,4, S. 177-180. | Heinzberger, Martin/Meyer, Petra/Meyer, Thomas: Entwicklung der Gärten und Grünflächen in Ffm. Ffm. 1988. (Kleine Schriften des HMF 38).Heinzberger/Meyer/Meyer: Entwicklung d. Gärten u. Grünflächen 1988, S. 17.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/669. | Mittheilungen an die Mitglieder des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Ffm. 7 Bde. Ffm. 1858-85.Stricker, W.: Herr von Reineck. In: Mitteilungen d. Geschichtsvereins 4 (1869-73), S. 460-467.

GND: 103092269 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).

© 2020 Frankfurter Bürgerstiftung und bei dem Autor/den Autoren
Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Reineck, Friedrich Ludwig von. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/867

Stand des Artikels: 9.2.1995