Ronge, Johannes

Ronge, Johannes. Priester. Kirchenreformer. Politiker. * 16.10.1813 Bischofswalde/Oberschlesien, † 26.10.1887 Wien, begraben in Breslau.
Ab 1837 Studium in Breslau. R. geriet als Geistlicher und Kirchenreformer früh in Konflikt mit seinen kirchlichen Vorgesetzten. Im Oktober 1844 erregte er besonderes Aufsehen durch die Veröffentlichung eines Offenen Briefs an den Bischof von Trier, worin er die Ausstellung des Heiligen Rocks anprangerte. Gleichzeitig forderte er die Abschaffung von Zölibat und lateinischer Messe und rief die niedere Geistlichkeit auf, sich von Rom loszusagen. Daraufhin wurde er exkommuniziert. Im Frühjahr 1845 gehörte R. zu den Gründern des Deutsch-Katholizismus. Diese Bewegung strebte die Überwindung der Konfessionsgegensätze sowie die Errichtung einer deutschen Nationalkirche an. Auf einer Rundreise zur Gründung deutsch-katholischer Gemeinden kam R. im September 1845 nach Ffm., wo er begeistert empfangen wurde. Als Gastgeschenk überreichten ihm seine Ffter Anhänger ein silbernes Tintenfass mit goldener Feder. 1848 Mitglied des Vorparlaments. Während der Ffter Nationalversammlung zunächst Anhänger des Erbkaisertums, später Vertreter der äußersten Linken. Durch sein politisches Engagement gerieten die deutsch-katholischen Gemeinden in den Ruf revolutionärer politischer Vereine. 1849 ging R. ins Exil nach England. 1861 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Ffm. nieder. Hier trat er der Ffter „Freien Gemeinde“ bei und gründete gleichzeitig in Darmstadt den „Religiösen Reformverein“, verbunden mit der Herausgabe der Zeitschrift „Neue religiöse Reform“, die bis zu seinem Tod erschien. Wegen seiner religiös-politischen Reformbestrebungen wurde R. vielfach angefeindet und mehrmals verhaftet. 1873 übersiedelte er nach Darmstadt.
Porträtmedaille (1844).

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 209, verfasst von: Reinhard Frost.
Dieser Artikel wurde noch nicht abschließend für das Frankfurter Personenlexikon überarbeitet.
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Lexika: Allgemeine Deutsche Biographie. Hg. durch die Historische Commission bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften. 56 Bde. München/Leipzig 1875-1912.v. L. in: ADB 29 (1889), S. 129f.
Literatur:
                        
Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte nebst Berichten zur kirchlichen Denkmalpflege. Hg. im Auftr. d. Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte. Bisher 63 Bde. Mainz/Speyer 1949-2011.Schwedt, Herman H.: Die katholischen Abgeordneten der Paulskirche und Fft. In: Archiv f. mittelrhein. Kirchengeschichte 34 (1982), S. 143-166.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/2.630.

GND: 119106868 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Ronge, Johannes. In: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/928

Stand des Artikels: 30.3.1995