Roos, Johann Heinrich

Roos, Johann Heinrich. Maler. * 29.9.1631 Reipoltskirchen/Pfalz, † 3.10.1685 Ffm.
Sohn eines pfälzischen Leinwandwebers. Vor den Wirren des Dreißigjährigen Krieges floh die Familie 1634 nach Wesel und übersiedelte 1640 nach Amsterdam.
Künstlerische Ausbildung bei dem Historienmaler Guilliam Dujardin (1595/96-1647/57), später bei dem Landschaftsmaler Cornelis de Bie (1627-1712/15) und dem Porträtisten Barend Graat (1628-1709) in Amsterdam. 1651 Rückkehr der Familie nach Deutschland. Gemeinsam mit seinem Bruder Theodor (1638-1687) folgte Johann Heinrich R. einem Ruf des Landgrafen Ernst von Hessen (1623-1693) an dessen Hof in Rheinfels. Nach 1658 war R. als Maler an verschiedenen Höfen tätig, vorwiegend in Heidelberg und Mainz. Im Oktober 1667 gab er seine Anstellung als Hofmaler am kurpfälzischen Hof in Heidelberg auf und siedelte nach Ffm. über. Eine Reihe von ansässigen Malern versuchte, seinen dauerhaften Verbleib in Ffm. zu verhindern. Der Ffter Rat stellte sich jedoch auf die Seite von R., der bei seinem Gesuch um das Ffter Bürgerrecht den Rat durch die Überreichung der „Verkündigung an die Hirten“ – eines seiner besten Historiengemälde – wohlwollend beeinflusst hatte. Als Reformierter erhielt er in Ffm. allerdings lediglich Beisassenrecht, auch wenn er de facto weitgehend die Rechte eines Ffter Bürgers genoss. Namhafte Ratsherren wie die Ffter Patrizier Johann Philipp Fleischbein und Nicolas Ruland (die R. mehrfach porträtierte) gehörten zu den Bewunderern seiner Malkunst und schützten ihn auch vor weiteren Anfeindungen der einheimischen Malerzunft. Die Ffter Zeit wurde zum Höhepunkt des R.’schen Schaffens. Dank seinem kaufmännischen Geschick erzielte der Künstler auch finanziellen Erfolg. Sein wirtschaftlicher Wohlstand dokumentierte sich im Kauf eines Hauses auf der Zeil gegenüber dem „Römischen Kaiser“. Als ein Großbrand auf der Zeil auch auf R.’ Wohnhaus übergriff, versuchte der Maler noch, eine Reihe von Kunstgegenständen aus dem Feuer zu bergen. Dabei verunglückte er tödlich. Sein Bruder Theodor R. übernahm daraufhin die Ffter Malerwerkstatt.
In seinen Ffter Jahren schuf R. vor allem Tierbilder und Hirtenidyllen sowie Serien von Tierradierungen, die ihn als einen der führenden Vertreter dieses Genres zeigen und vom Ffter Patriziat als Kunstobjekte hochgeschätzt wurden. Da R. eine effektive Vervielfältigungsmethode (Abklatsche) anwandte, fanden vor allem seine Zeichnungen große Verbreitung. Von seinen zahlreichen Werken (rund 275 Ölgemälde und 250 Zeichnungen) befindet sich ein bedeutender Teil in Ffter Sammlungen, davon allein im Städel elf Ölbilder und zwölf Zeichnungen.
Das 1682 entstandene Selbstbildnis gehört zu den beeindruckendsten Künstlerporträts dieser Zeit und verrät viel von der Energie und Durchsetzungskraft des Malers, dessen Werke noch Goethe sehr beeindruckten.
Von den sieben Kindern von Johann Heinrich R. wurden drei Söhne ebenfalls Maler, u. a. erstgeborene Philipp Peter R. (1657-1706), der unter dem Namen „Rosa di Tivoli“ als Landschaftsmaler in Italien zu großer Anerkennung gelangte.

Artikel aus: Frankfurter Biographie 2 (1996), S. 209f., verfasst von: Reinhard Frost.
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Literatur:
                        
Der Tiermaler Johann Heinrich Roos 1631-1685. Gemälde, Zeichnungen, Druckgraphik zum 300. Todestag. Kaiserslautern 1985.Der Tiermaler Johann Heinrich Roos 1985. | Jedding, Hermann: Der Tiermaler Joh. Heinr. Roos (1631-1685). Straßburg u. a. 1955. (Studien zur deutschen Kunstgeschichte 311).Jedding: Joh. Heinr. Roos 1955.
Quellen: ISG, Dokumentationsmappe in der Sammlung S2 (mit Kleinschriften, Zeitungsausschnitten und Nekrologen zu einzelnen Personen und Familien).ISG, S2/1.190.

GND: 118749625 (Eintrag der Deutschen Nationalbibliothek).
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Empfohlene Zitierweise: Frost, Reinhard: Roos, Johann Heinrich. Artikel aus der Frankfurter Biographie (1994/96) in: Frankfurter Personenlexikon (Onlineausgabe), http://frankfurter-personenlexikon.de/node/929

Stand des Artikels: 30.3.1995